Projekt von Fraunhofer Umsicht macht Rückgewinnung von Metallen aus Elektronikschrott möglich
Reaktor startet im April

Jonathan Aigner deutet auf den Rohrreaktor, in dem eine Schnecke den Elektronikschrott dorthin befördert, wo er in Kunststoffe sowie Metalle und Kohlenstoff getrennt wird. Die Besonderheit an diesem Modell ist ein neuartiges patentiertes Wärmeübertragungssystem. Aigner hält es für gut möglich, dass auch die Marktumsetzung der technologie einmal in einem Container erfolgt: "Damit ist das ganze System mobil." Bild: Huber
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
27.03.2018
495
0

Natürlich wird Elektronikschrott heute schon aufbereitet. Bis zu der Stelle, an der die Schredder-Rückstände so wenig Metall enthalten, dass die Rückgewinnung nicht mehr sinnvoll ist. Fraunhofer Umsicht nimmt jetzt einen Reaktor in Betrieb, der diese Schwelle überwinden kann.

Er setzt da an, wo bei der klassischen Aufbereitung durch Mittelständler nach der mechanischen Behandlung etwa 20 Prozent des Inputs als kunststoffreiche Schredderteile übrig bleiben.

"Die hat man bisher für gewöhnlich verbrannt", erzählt Jonathan Aigner. Der Ingenieur ist bei Fraunhofer Umsicht für das Projekt "gagendta+" zuständig (siehe den Infokasten). Dessen neuer Ansatz: Die Pyrolyse, ein technischer Prozess ohne Sauerstoff, reduziert im Reaktor bei einer Temperatur von 600 Grad den Anteil des Kunststoffs. Daraus wird zuletzt Öl und Gas, das energetisch zu verwerten ist, etwa in einem Blockheizkraftwerk. Zurück bleibt ein festes Produkt (Pyrolyse-Koks), das zwischen 20 und 50 Prozent der Masse des Ausgangsmaterials wiegt und fast nur noch aus Kohlenstoff und den begehrten Metallen besteht. "Das kommt dann zum klassischen Metallrecycling in eine Kupferhütte", erklärt Aigner. "Das machen wir nicht mehr." Die Leistung des Fraunhofer-Instituts ist die Brückentechnologie der Pyrolyse, die die Wiedergewinnung von Metallen aus dem Abfallprozess ermöglicht.

Der Reaktor, der in einem Container auf dem Gelände an der Kropfersrichter Straße steht, ist laut Aigner "der erste seiner Art in dieser Größe". Er kann 70 Kilo Elektronikschrott in der Stunde verarbeiten. "Das ist eine passende Größenordnung für klassische mittelständische Aufbereiter."

Noch wird die Steuerung installiert, die ersten Anfahrversuche sind für den April geplant. "Zuerst müssen wir wahrscheinlich noch einige Kinderkrankheiten ausmerzen", vermutet der Ingenieur. Aber mittelfristig geht er von einer erfolgreichen Industrieanwendung aus, für die man den Reaktor eventuell auch etwas größer bauen müsse.

gagendta+Der Name des Projekts "gagendta+" setzt sich aus den Kurzbezeichnungen der Metalle zusammen, die dabei vornehmlich wiedergewonnen werden sollen: Gallium, Germanium, Neodym und Tantal. Es läuft bei Fraunhofer Umsicht von Anfang 2015 bis Anfang 2019 in Kooperation mit sieben Partnern und geht auf Forschungen zurück, die der Sulzbach-Rosenberger Institutsleiter Professor Andreas Hornung in den 90er Jahren unternahm. (ll)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.