02.03.2018 - 16:16 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Rohrwerk Maxhütte investiert 2,5 Millionen Euro an Schlüsselposition Presse sichert Qualität

Sie macht künftig mächtig Druck: Die neue Lochpresse im Rohrwerk Maxhütte gilt als entscheidender Schritt in die gesicherte Zukunft des Unternehmens - eine Schlüsselinvestition mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro für beste Rohrqualität. Und auch der größte Kran Bayerns spielt bei dem Großprojekt eine wichtige Rolle.

Die neue Presse in Blau-Gelb steht am gewohnten Ort neben der Stoßbank. Sie ist inzwischen voll im Drei-Schicht-Betrieb des Rohrwerks integriert. Bilder: exb (3)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Umfangreiche Instandhaltungs- und Revisionsarbeiten liefen turnusmäßig im Januar und Februar während des Stillstands im Rohrwerk Maxhütte. Das Besondere in diesem Jahr ist allerdings eine millionenschwere Investition: die Montage und Inbetriebnahme einer neuen 1000-Tonnen-Presse. Sie locht den erhitzten Stahlblock und schafft so die Voraussetzung zur Weiterbearbeitung zum nahtlosen Rohr auf der Stoßbank.

Material gab nach

Das neue Teil stellt den Ersatz für einen echten Oldie dar: "Mit der im Jahr 1960 in Betrieb genommenen 600-Tonnen-Presse konnten die heutigen Qualitätsanforderungen und Maschinenverfügbarkeiten nicht mehr gewährleistet werden", erklärt Rohrwerk-Geschäftsführer Siegfried Gierl. "Das Material war ermüdet. Das zeigt sich durch Risse im Ständer- und Pressentisch." Mit dem Ersatz der alten Presse bietet sich eventuell die Möglichkeit, zukünftig höhere Blockeinsatzgewichte und auch hochlegierte Stähle, sogenannte "Sondergüten", umzuformen - "eine wichtige Voraussetzung, bei Bedarf neue Produktlinien zu fertigen, für die aber auch noch Folgeinvestitionen notwendig sind", wie Geschäftsführer-Kollege Harry Nimmerjahn unserer Zeitung bestätigt.

Siegfried Gierl zieht eine positive Bilanz der ganzen Aktion: "In einer Planungs- und Bauzeit von weniger als zwölf Monaten haben wir die neue Presse in einem nur vierwöchigen Werksstillstand installiert. Nach nur wenigen Tagen der Inbetriebnahme und der Steuerungsoptimierungen haben wir bereits wieder im Drei-Schichtbetrieb produziert!"

Das neue Arbeitsgerät ist ein Unikat, eine Einzelanfertigung nach Maß. Die neue Presse wurde von der Coburger Pressenbaufirma Lasco nach neuesten Sicherheitsanforderungen der Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaften konstruiert und gebaut. Ergonomische Gesichtspunkte wie Werkzeugwechsel ohne hohe körperliche Belastung würden mit einem hydraulisch betriebenen Werkzeugwechsler umgesetzt, erklärt Gierl. Zuvor stand allerdings noch ein anderer Kraftakt an: Erst nachdem die alte Presse in Eigenleistung durch die Rohrwerks-Instandhaltung demontiert worden war, konnte diese Abteilung in Zusammenarbeit mit dem Hersteller die neue 1000-Tonnen-Maschine wieder am früheren Standort installieren. Dazu musste aber noch das Fundament angepasst werden. Zur Demontage der alten Anlage sowie zur Montage der neuen musste das Rohrwerk extra einen 700-Tonnen-Kran ordern, von dem es in Bayern nur ein Exemplar gibt. Nur er verfügt über die nötige Hebelkraft am Ausleger, um die rund 120 Tonnen schwere alte Presse durch das geöffnete Dach herauszuwuchten und die neue mit etwa 200 Tonnen problemlos einschweben zu lassen.

Ein Eigengewächs

Die nach neuesten Sicherheitsvorschriften ausgelegte Pressensteuerung ist ebenfalls ein Eigengewächs: Sie wurde von werkseigenen Spezialisten in Abstimmung mit dem Hersteller geplant, selbst programmiert und in Betrieb genommen. Das hat Vorteile: "So ist gewährleistet, dass bei eventuellen Betriebsstörungen jederzeit Elektroniker, die mit der Steuerung vertraut sind, vor Ort zur Verfügung stehen", beschreibt Siegfried Gierl das System.

"Die neue Presse ist für das Rohrwerk Maxhütte eine weitere Schlüsselinvestition, mit der auch zukünftig beste Rohrqualität aus Bayern Bestand hat und wettbewerbsfähig am Markt verkauft werden kann", freut sich Harry Nimmerjahn über die gelungene Aktion. Er beziffert die Gesamtkosten inklusive Abbau der alten und Einbau der neuen Presse sowie Anpassungen auf gut 2,5 Millionen Euro.

Top-Job

Rohrwerk-Geschäftsführer Siegfried Gierl ist nicht nur stolz auf die neue Presse, sondern auch auf seine Mitarbeiter. "Von der Planung bis zum Demontieren und Montieren haben die Mitarbeiter von Instandhaltung Mechanikbetrieb, Elektro- und Warmbetrieb in lediglich vier Wochen Stillstand einen hervorragenden Job gemacht. Jeder aus diesen Bereichen hat alles gegeben!" Eine vergleichbare Investition habe vor etwa drei Jahren bei einem Mitbewerber in Nordrhein-Westfalen rund acht Wochen in Anspruch genommen. Die Oberpfalz kann es eben! (ge)

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