06.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Waldbesitzervereinigung bekommt Erfahrungen aus erster Hand Auf Katastrophen vorbereiten

Gewitterstürme können jede Region treffen. Wie soll man sich aber als Betroffener dabei verhalten? Antworten darauf gibt eine Informationsversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Sulzbach-Rosenberg.

Je besser Waldbesitzer auf Katastrophen vorbereitet sind, desto besser können diese bewältigt werden, konstatierte Revierleiter Michael Bartl unter Hinweis auf die Erfahrungen bei der Bewältigung des Sturms "Kolle" im Passauer Land. Bild: Steinbacher
von Wolfgang BerndtProfil

Welche Erkenntnisse können Waldbesitzer, deren Vertretungen sowie Forstverwaltung aus der Bewältigung des Sturmwurfs "Kolle" im Passauer Land 2017 für derartige künftige Naturereignisse dieser Art für den eigenen Wald gewinnen? Diese Frage stellte bei der WBV-Versammlung im Gasthof Heldrich Revierleiter Michael Bartl (Kastl) in den Raum. In einem Diavortrag hatte der Referent vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Amberg, neben positiven Aspekten bei der Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen, auch kritische Anmerkungen parat.

Zu Beginn erläuterten WBV-Vorsitzender Robert Pirner und Geschäftsführer Jörg Berendes die Bedeutung des Vortrages für heimische Waldbesitzer, denn auch unsere Region könnte von einem Sturm betroffen werden.

Immense Schäden

Nach 20 Minuten war am 18. August 2017 nahe Passau alles vorbei, mit schwerwiegenden Folgen für 2 bis 2,5 Millionen Festmeter Holz und rund 5000 Hektar Kahlfläche, aber auch mit viel Bruch- und Laubholz. Da die dortige Forstverwaltung personell alleine nicht in der Lage war, die immensen Schäden zu bewältigen, wurden anderen Forstämter zur Hilfestellung aufgefordert. Auch er selbst sei im Passauer Land für einige Wochen und Monate tätig gewesen, sagte Bartl.

Problematisch sei gewesen, dass zunächst Straßen und Wege freizumachen waren, um überhaupt in die betroffenen Gebiete zu gelangen. In der Regel wurde erst Bäume aus dem Wald gebracht, danach stellte man fest, dass zu wenig Lagerplatz vorhanden war. Manchmal seien während der Holzabfuhr Wege durchgebrochen und "ein reibungsloser Abtransport war nicht mehr möglich".

Aus wirtschaftlichem Interesse sei keine Rücksicht auf lebensfähige, gebrochene Bäume, auf Naturverjüngung und vernünftige Verwertbarkeit genommen und möglichst viele Bäume mit dem Harvester geschnitten worden - getreu dem Motto "Hauptsache Masse". Zwar seien Grundstücksgrenzen meist, aber nicht immer beachtet und eine Überfahrtserlaubnis über ein Fremdgrundstück selten eingeholt worden.

Waldbesitzern, so Bartl, sei eingeredet worden, Folgewürfe und Käferbefall würden alles holen. Deshalb wäre es besser, wenn bereits jetzt alle angerissenen Bestände kahl geschlagen würden. "Positiv war die Unterstützung durch verschiedene Forstämter und die Forstverwaltung. Auch die finanzielle Förderung hat gut funktioniert", lobte der Referent. Sinnvoll wäre eine breitere Information durch die Waldbesitzervereinigung gewesen, die oft nur reagiert habe, statt vorzuarbeiten. Bedauerlicherweise seien die Waldaufkäufer oft gewechselt worden.

Checkliste ratsam

Um auf einen Sturm vorbereitet zu sein, sollten Waldbesitzer in "Friedenszeiten" für eine gründliche Erschließung mit Forstwegen und Rückegassen sorgen, vor allem in schwierigem Gelände. Eigene Bestände sollten auf Durchforstung und Aufarbeitung vorbereitet sein. Die Erarbeitung einer Checkliste, wie man sich in einem solchen Fall verhalte, welches Unternehmen man mit der Aufarbeitung beauftrage und an wen man Holz verkaufe, sei sinnvoll. WBVs sollten bei Katastrophen die Geschäftsführer dorthin ausleihen, da dies nicht nur den betroffenen Waldbesitzern zugute komme, sondern auch das bestmögliche Trainingslager für eigene Nöte darstelle.

Dabei sollte jeder Waldbesitzer wissen, dass eine Rundum-sorglos-Betreuung im Katastrophenfall nicht möglich sei, Einzelberatungen etwa seien da ausgeschlossen. Um zumindest finanziell einen Sturm zu überstehen, sollten WBVs und andere landwirtschaftliche Organisationen politischen Druck auf ganz oben ausüben und "Kolle" als Präzedenzfall genutzt werden, forderte Bartl. "Katastrophen sind um ein Vielfaches bewältigbarer, wenn man sich gründlich darauf vorbereitet." Dabei seien Waldbesitzer zu erst gefordert.

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