Kilian Schönberger und Andreas Kieling veröffentlichen Bildband Sehnsucht Wald
Geheimnisvolle Lebensräume

Ein Lieblingsmotiv: Der Arber gilt als "König des Bayerischen Waldes". Mit seinen 1456 Metern hat er den höchsten Gipfel zwischen Alpen und Riesengebirge. Im Winter verwandeln sich die dick in Raureif und Schnee eingepackten Bergfichten in die sagenumwobenen "Arbermandln" - fest im Griff von eisiger Kälte. (Foto: Kilian Schönberger)
Kultur
Tännesberg
16.12.2016
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Kilian Schönberger (links) und Andreas Kieling stellten "Sehnsucht Wald" im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vor. Der Bildband (240 Seiten) besticht mit wunderschönen Tier- und Naturaufnahmen aus ganz Deutschland. (Foto: Kilian Schönberger)
 
Wälder und Burgruinen gehören zusammen. Hier zerfallen die geheimnisvollen Reste der Ruine Frauenstein (Gemeinde Weiding/Kreis Schwandorf). Tief in Buchenwäldern versteckt, wirkt sie wie einem Gemälde von Caspar David Friedrich entsprungen. Das Geheimnis: Eine Stunde vor Sonnenaufgang "ansitzen" und die besondere Stimmung am frühen Morgen einfangen. (Foto: Kilian Schönberger)

Wo der Garten endet, fängt der Wald an. Nur der hölzerne Lattenzaun trennte Kilian Schönberger in seiner Kindheit von der "Waldwildnis", die ihn am Ortsrand von Tännesberg magisch anzog. Der Abenteuerspielplatz wurde zum Arbeitsplatz: Ein neuer Bildband entführt in geheimnisvolle Lebensräume.

Deutschlands bekanntester Waldfotograf - Mit diesem Titel kann sich Kilian Schönberger (31) mittlerweile schmücken. Zusammen mit dem Naturfotografen und Dokumentarfilmer Andreas Kieling (57) aus Gotha setzt der Tännesberger den Wald und seine Bewohner im Bildband "Sehnsucht Wald" in Szene. Schönberger bildet das Zwielicht unter dem Blätterdach ab, Kieling bereichert die 240 Seiten mit spektakulären Tieraufnahmen - dazu haben beide aussagekräftige Texte verfasst. Deutschland besteht zu einem Drittel aus Wald. Wer sich hineinwagt, fühlt sich wie im Märchen - egal ob im Urwald Sababurg in Hessen, im Spessart oder im Oberpfälzer Wald.

Diplom-Geograph Kilian Schönberger arbeitet seit 2013 als freier Architektur- und Landschaftsfotograf und wohnt mittlerweile in Köln. Seit mehreren Jahren vertraut er auf die Kamera Sony A7r: "Meine wichtigsten Objektive sind das Canon 24mm TSE II und das leichte 70-200mm 4,0 ebenfalls von Canon, die mittels Metabones-Adapter an der Sony genutzt werden können." In einem Interview mit Oberpfalz-Medien berichtet er von der Jagd nach Fotos voll magischer Schönheit und gibt einen Einblick in seine künstlerische Arbeit.

Haben Sie eine besondere Beziehung zu Bäumen?

Kilian Schönberger: Der Tännesberger Forst ist mein Stammrevier. Der Wald fängt sozusagen direkt hinter dem Haus meiner Eltern an, daher hab ich in meiner Kindheit viel Zeit mit dem Umherstreifen im Forst verbracht. Das Gartentor war die Pforte in eine Welt voller Abenteuer. Verborgene Felsen, Hütten und Bachtäler warteten darauf erkundet zu werden. Basierend auf diesen Erfahrungen fand ich dann auch die ersten Motive, als ich 2005 zu Fotografieren begann.

Wo erleben Sie jetzt den Wald?

Wald kann man in Deutschland zum Glück fast überall erleben, selbst die großen Städte haben meist ihren Erholungswald. Wald ist sowohl Erlebnisraum als auch Lebensraum. Lebensraum in erster Linie für Pflanzen und Tiere, Erlebnisraum für den Menschen. Bewusstes Erleben ist wichtig: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, suchen wir Menschen den Wald vor allem für temporäre Freizeiterlebnisse auf, für viele Lebewesen dagegen ist der Wald notwendig um zu überleben.

Der Aufenthalt im Wald ist wie ein Ausflug in eine andere Welt: Die Sinne sind geschärft, der Blick stets auf der Suche nach Motiven oder wilden Tieren, die Ohren vernehmen das Rauschen der Blätter oder den Ruf der Eulen und in die Nase steigt im Frühjahr der Geruch von Bärlauch und im Herbst jener von Pilzen und feuchtem Laub. Wald ist ein Erlebnis für alle Sinne. In den Texten zum Buch "Sehnsucht Wald" hab ich versucht, dies in Worte zu fassen.

Wie entstand die Idee zum Buch?

Es sollte ein Buch über den Wald als Lebens- und Erlebnisraum entstehen. Andreas Kieling fotografiert vor allem Tiere, meine Fotografien dagegen sollen es dem Betrachter ermöglichen, die geheimnisvollen Stimmungen nachzuerleben. Für uns beide war es eine spannende Zusammenarbeit. Würde es klappen die beiden unterschiedlichen fotografischen Herangehensweisen in einem Buch zu vereinen? Das Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen. Ich denke, dass das Buch tatsächlich ein Stück weit die Sehnsucht nach Wald befriedigt - gerade dann, wenn kein echter Wald in fußläufiger Reichweite ist.

Wie war die Zusammenarbeit?

Grundsätzlich haben wir für unsere Arten der Fotografie relativ unterschiedliche Ausrüstungen. Bei Andreas sind schwere Telelinsen im Gepäck und der Autofokus muss im richtigen Moment sitzen, ich dagegen arbeite meist mit Weitwinkel-Objektiven und im manuellen Modus. So ergeben sich für die Mehrzahl unserer Aufnahmen unterschiedliche Herangehensweisen. Wir sind aber auch zusammen losgezogen, dann stand meist die Kommunikation im Vordergrund. Es war schon spannend einen solch weit gereisten Naturkenner zu treffen. Ich denke vom Naturell sind wir uns nicht unähnlich, auch wenn uns mehrere Jahrzehnte trennen. Auch auf der Buchmesse in Frankfurt, wo wir zusammen das Buch vorgestellt haben, hatten wir unseren Spaß.

Gibt es ein Lieblingsmotiv?

Mein Lieblingsmotiv ist ein winterlicher Sonnenaufgang am Arber. Als ich am Vortag den Wetterbericht gelesen hatte, dachte ich, dass die Bedingungen passen könnten und tatsächlich trat alles ein wie erhofft. Nur für wenige Sekunden schien die Sonne durch einen Spalt unter der Wolkendecke hindurch, wo das Licht die verschneite Landschaft streifte, schien alles in flüssiges Gold getaucht zu sein. Für diese Sekunden hat sich das Ausharren in der Kälte gelohnt. Mein Herz hängt ja doch ziemlich an Ostbayern und der Bayerische Wald gehört mit zu meinen fotografischen Lieblingsregionen, daher freue ich mich immer besonders, wenn ich dort eine Aufnahme bei Idealbedingungen umsetzen kann.

Wo findet man im Oberpfälzer Wald überraschende Motive?

Für den Fotografen lohnen sich vor allem jene Bestände, die für die Holzwirtschaft weniger interessant sind. Wo Bäume mit widrigen Lebensumständen auf Steilhängen, Blockhalden oder Felsen konfrontiert sind, springt für den Fotografen eigentlich immer was heraus. Zum Beispiel an der Burgruine Schellenberg nahe der Silberhütte oder am Stückstein bei Eslarn. Aber auch in den Verlandungszonen der Teiche in der Weidener Bucht kann man schöne Motive finden. Selbst ein monotoner Fichten- oder Kiefernforst kann für tolle Bilder sorgen. Wald ist in der Oberpfalz seit jeher auch bedeutend für die regionale Wirtschaft, die gleichartige Struktur der künstlich gepflanzten Wälder bietet einen interessanten Gegenaspekt zu den wild anmutenden Wäldern in den Steilhängen.

Im Mai erschien "Sagenhaftes Deutschland" und nun ein halbes Jahr später "Sehnsucht Wald". Gibt es ein neues Projekt?

Nach dem Buch ist vor dem Buch. Ich bin also schon wieder unterwegs für den nächsten großformatigen Bildband. Vor einigen Wochen erschien ein regionaler Führer zum Thema "Romantik in Hessen" der zu den schönsten Schlössern, Parks und Burgen in Hessen führt - dieser kann beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur kostenlos angefordert werden. Daneben arbeite ich an einer Titelgeschichte für das GEO-Magazin und an einigen kommerziellen Aufträgen, wie für das Tourismusbüro des Trentinos in Norditalien.

VerlosungAndreas Kieling und Kilian Schönberger öffnen in ihrem Buch "Sehnsucht Wald" (240 Seiten, 49,99 Euro, Verlag National Geographic) die Augen für Deutschlands Wälder. Exklusive Fotografien zeigen auf neue Art das Leben der Bäume und der Tiere im Lauf der Jahreszeiten. Einzigartige Fotos und kenntnisreiche Texte des bekannten Tierfilmers Andreas Kieling zeigen Keiler, Wildkatzen, Bären und Luchse. Die mystischen Bilder von Kilian Schönberger erwecken das Reich der Bäume zum Leben.

Wir verlosen fünf Bücher. Wer an der Verlosung teilnehmen will, ruft unter der Nummer 0137/808401632 an und spricht das Stichwort "Sehnsucht Wald", Name, Adresse und Telefonnummer aufs Band. Jeder Anruf aus dem Festnetz kostet 0,50 Euro (Mobilfunkpreise können abweichen). Der Anschluss ist bis Montag, 19. Dezember, geschaltet.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien und ihre Angehörigen dürfen nicht teilnehmen. Die Gewinner erklären sich mit der Veröffentlichung ihrer Namen einverstanden. Viel Glück bei der Verlosung!
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