Dem kirchlichen Teil des St.-Jodokritts in Tännesberg schließt sich ein Mittelaltermarkt mit ...
Kamele marschieren in Gluthitze mit

So mancher Besucher glaubte in der Gluthitze schon eine Fata Morgana. Doch die Wüstenschiffe Ali und Said waren durchaus echt und zogen mir stoischer Ruhe durch den Ort. Bilder: fz (2)
Lokales
Tännesberg
30.07.2013
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"Stellen Sie sich vor, einem oberpfälzer Kuhpritscher verreckt das Vieh, der Stall ist leer und die Stube voller Kinder". Auf diesen einfachen Nenner brachte Pfarrer Wilhelm Bauer in seiner Predigt beim Jodokritt mit 145 Pferden, Reitern und vielen Fußgruppen auf dem Freialtar vor der Jodokkirche den Ursprung der zweitgrößten Pferdewallfahrt Ostbayerns. Am Nachmittag schloss sich nahtlos der Mittelaltermarkt mit dem historischen Festzug durch Tännesbergs Straßen an.

Es ist immer wieder beeindruckend, die Predigten des Tännesberger Geistlichen zu vernehmen. Er brauchte allerdings eine kräftige Stimme, um die Mitpilger beim Jodokritt zu erreichen. Denn diese hatten sich bei 30 Grad Hitze schon um 9 Uhr hoch in den Wald verzogen.

Der Obhut anvertraut

"Tiere sind der Obhut des Menschen anvertraut", wusste der Geistliche. Dieser dürfe sie aber weder vergöttern noch zum goldenen Kalb machen, auf keinen Fall aber im anderen Extrem diese quälen. Die Botschaft des Predigers auf dem Freialtar vor der Kirche war, sich das Vorbild des Einsiedlers Jodok zu eigen zu machen zur inneren Ruhe und Stille umzukehren.

Pünktlich um 9 Uhr hatte sich der Jodokritt, die Erfüllung des Gelübdes, das die Tännesberger bei einer Viehseuche 1792 ablegten, am Sportplatz in Bewegung gesetzt. An der Pfarrkirche stieg Pfarrer Bauer auf den von sechs Pferden gezogenen Allerheiligstenwagen zu.

Reiter zu Pferde, die Geschichte Tännesbergs repräsentierend, sowie Fußgruppen wie die Pilger aus Wien und Ehrengäste mit Bürgermeister Max Völkl zogen unter dem Gebet von Erich Spickenreither, das auf der ganzen Pilgerstrecke über Lautsprecher mitgebetet werden konnte, zum Jodokkirchlein.

Allerlei Tand

Der kirchlichen Feier schloss sich dann die weltliche mit dem Marktreigen und Mittelalterspectaculum im Ort an. Begonnen hatte dieses bereits am Samstag. Geboten waren zahlreiche Stände mit allerlei Tand, Ritterlager und Schaukämpfe, Hexenverbrennung, Darbietungen von Gauklern, ein bunt gemischtes Kinderprogramm und der historische Festzug am Sonntagnachmittag.

34 Grad Hitze machten die Ortsmitte zu einem Glutofen. Die Besucherzahl lag wohl deshalb hinter der der Vorjahre zurück. Fahnenschwinger und die Kolpingfanfaren führten den Zug durch die Straßen des Marktes.

Wem vom langen Marsch durch das mittelalterliche Tännesberg die Füße weh taten, der konnte bei den Waschweibern ein Fußbad nehmen.

Historische Reiter

Historische Reiter, wie etwa Landrat Simon Wittmann als Marktrichter, weitere Reitergruppen und Vereine aus der Marktgemeinde und Umgebung, Feuerspucker, sowie Musikgruppen wechselten sich ab. Stars des Zuges waren sicherlich Ali und Said. Erstmals nämlich waren in Tännesberg zwei Kamele dabei. Die beiden aus dem Kaukasus stammenden Tiere eines Schnaittenbachers zogen mir stoischer Ruhe durch den Ort, ließen sich an der Kirche nieder und beobachteten den vorbei ziehenden Zug.
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