Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Vohenstrauß spart bei Hegeschau nicht mit Kritik
Qualitätsmerkmal statt Trophäenkult

Lokales
Tännesberg
23.04.2013
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"Das Ansehen von uns Jägern in der Region ist sehr hoch und wir sollten alles tun, dass es auch so bleibt", betonte der Vorsitzende der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband (BJV), Christian Ertl, bei der Hegeschau. Die herkömmliche Jagd ist im Umbruch, das war die Botschaft der Veranstaltung im Gasthof "Binnerschreiner".

An großen Stellwänden im hingen Hunderte von Gehörnen. Es handelte sich dabei um die Abschüsse 2012 in den Hegegemeinschaften Tännesberg, Leuchtenberg, Vohenstrauß, Waidhaus und Eslarn. Dies sei allerdings nicht Trophäenschau, sondern diene dem Zweck, an der Qualität des Gehörns den Zustand des Wilds zu zeigen.

"Was wir hier sehen, zeigt ganz klar, dass die Qualität der Rehböcke immer schlechter wird", stellte Ertl vor der großen Zahl der Jäger, Jagdvorsteher, Hegeringleiter und Ehrengäste fest. "Ein uns vorgeworfener Trophäenkult entbehrt da jeglicher Grundlage", meinte Ertl.

Ganz wenig Platz im Wald

Der Waidmann sprach von Versuchen, das bewährte Jagdsystem zu kippen. Der straffreie Abschuss in der Schonzeit, die Herausnahme von Flächen aus der Jagd, oder auch die Forderung für das "Überschießen der Abschusspläne" um bis zu 40 Prozent seien Beispiele. Im Wald sei ganz wenig Platz für den traditionellen Jäger und das Schalenwild geworden. Es habe sich zu einem Industriebetrieb entwickelt, fand Ertl. Er fragte, ob es denn zu jeder Baumgruppe eine Rückegasse oder einen Weg brauche. Der Harvester ernte rigoros im Wald und interessiere sich nicht für kleine, nachwachsende Bäume. 20 Meter weiter stoße man sich an einer verfegten kleinen Fichte. "Es gibt keinen weiß-blauen Jägerhimmel mehr", schimpfte Ertl.
Landrat Simon Wittmann bezeichnete die Art der Hegeschau auch als Präsentation eines Stücks Heimatbewusstsein. Beim Landratsamt liege nach dem EU-Urteil schon ein Antrag auf Herausnahme einer Fläche aus der Bejagung, sagte der Landkreischef.

Es scheine, dass die Jäger zwischen die Fronten vieler Interessen geraten sind. "Die Jagd lebt vom Kompromiss mit denen, die von der Jagd betroffen sind." Da gelte es im Wandel der Zeit gangbare Wege zu finden.

Bürgermeister Max Völkl betonte, dass oft nicht wahrgenommen werde, was Jäger neben dem Schießen für die Natur leisten. Die Auszeichnung von Tännesberg als Modellgemeinde sei mit ein Verdienst der Jäger, ebenso das Rebhuhnprojekt.

"Wir Bauern und Waldbesitzer haben halt die Wildschäden", stellte der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Josef Fütterer, fest. Die Regulierung sei oftmals wegen Landwirtschaftsprogrammen wie Kulap sehr problematisch. Fütterer betonte aber zugleich, dass die Jäger der Kreisgruppe Vohenstrauß ihre Verpflichtung in Sachen Abschuss sehr ernst nähmen. Für die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden betonte Alois Lukas, dass das Jagdgesetz vom Nutzwald spricht und hier keine Urwälder verwaltet werden. Problem für die Jagdgenossenschaften sei nicht der Rehbock, sondern das Schwarzwild.

Verbissbelastung tragbar

Der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weiden, Dr. Siegfried Kiener, bezeichnete die Hegeschau als Schaufenster für die Leistungen der Jäger. Von der Land- und Forstwirtschaft werde diese nicht in Frage gestellt. Im Bereich Vohenstrauß seien die Verbissbelastungen durchaus tragbar und so brauche man nicht an der Abschussempfehlung zu rütteln, stellte Kiener fest.

Forstbetriebsleiter Stefan Bösl vom Forstamt Flossenbürg war dagegen, die Art der Waldbewirtschaftung als Jux und Tollerei zu bezeichnen. Es stehe ein gesetzlicher Auftrag dahinter. Tännesbergs Hegegemeinschaftsleiter Ludwig Hartl sprach ein Schlusswort von Martin Luther: "Jagd ist gut und nutz, wenn der gut und nutz ist, der sie ausübt."
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