09.05.2017 - 18:14 Uhr
TännesbergOberpfalz

Mietwagen führte Polizei auf die Spur des Tätertrios Sechs Jahre Haft für Bankräuber

Weiden/Tännesberg. Wie schon bei den beiden Bankangestellten und der Kundin entschuldigte sich Oldrich Z. auch beim Gericht für den Banküberfall in Tännesberg im September 2015. "Selbstverständlich" werde er die Strafe annehmen. Die Strafkammer verurteilte ihn am Dienstag zu sechs Jahren Haft. Interessant war, wie die Kripo dem Tschechen auf die Schliche kam.

von Christine Ascherl Kontakt Profil

An die Ermittlungen, die über das Gemeinsame Zentrum Schwandorf liefen, erinnerte der verantwortliche Kriminalhauptkommissar (59) aus Weiden. Zwar führte die Fährte schnell nach Tschechien (die Täter hatten eine Tüte mit tschechischer Aufschrift zurückgelassen). Aber eine "heiße Spur" gab es nicht. Der Durchbruch gelang mit der Auswertung der Telekommunikationsdaten am fraglichen Ort zur fraglichen Zeit.

Über Mietwagen entlarvt

Ein Diplom-Mathematiker der Kriminalpolizei Regensburg filterte aus allen Verbindungen zwei verdächtige tschechische Mobilfunk-Nummern heraus. Die eine betraf eine unbeteiligte Frau. Die andere führte zu einem Mietwagen in Ostböhmen. Der Autoverleih hatte den Skoda Octavia zum Diebstahlschutz so ausstatten lassen, dass er geortet werden kann.

"Dann wurde es interessant", sagt der Kommissar. Mieter des Autos war der Fahrer beim Tännesberger Überfall. Die tschechische Polizei war an ihm und seinen zwei Freunden - darunter Oldrich Z. - ohnehin dran. Das Trio stand im Verdacht, im April in Brünn sowie im Juni in Brandenberg (ohne Oldrich) Banken überfallen zu haben. Wenig später erfolgte der Zugriff. Oldrich Z. legte eine Lebensbeichte ab und gestand ungefragt den Tännesberger Raub.

Die Aufklärungshilfe bewahrte den vielfach vorbestraften Tschechen vor einer längeren Haft (möglich waren über 11 Jahre). Vorsitzender Walter Leupold an die Adresse von Anwalt Bernd Piehler: "So verstehe ich wirksame Verteidigung." Leupold nahm dem 35-jährigen Tschechen ab, seine 20-jährige Karriere als Räuber, Dieb und Einbrecher abschließen zu wollen. "Er will offensichtlich einen Schlussstrich ziehen." Eine Strafe im unteren Drittel sei dennoch nicht denkbar ("das gelingt höchstens Nachdenkern in Karlsruhe").

So dusselig sich die Täter auch anstellten (erst war geschlossen, dann fiel die Beute runter), so kaltblütig seien sie gewesen. "Da scheitern sie - und kommen einfach nach drei Tagen wieder." Sie rechneten nicht mit der Aufmerksamkeit der Tännesberger. Der Hausfrau (71), die beim Überfall im Schalterraum stand, war der Fluchtwagen schon drei Tage vorher aufgefallen. Sie brachte sogar noch alle Buchstaben des gestohlenen SAD- Kennzeichens zusammen.

Tat auf Leinwand

"Gottseidank haben alle das gut verarbeitet", sagt Leupold. Die zwei maskierten Männer waren mit vorgestreckter Waffe in die Filiale gelaufen. Im Gerichtssaal wurden Kamerabilder auf Leinwand gezeigt, die martialisch wirken - bis dann auf dem Boden nach den Scheinen gerobbt wird. Diese Sekunden nutzte eine Angestellte, um stillen Alarm auszulösen. Die Streife aus Vohenstrauß sprang ins Auto. Der Beamte beschrieb die drei Damen zumindest am Tag der Tat nachhaltig schockiert: "Sie waren schon sehr mitgenommen."

Seltene Einigkeit: Staatsanwältin Carina Spörl und Verteidiger Piehler plädierten beide auf 6 Jahre. Die Staatsanwältin wies auf die "extrem professionelle Vorgehensweise" hin: Der Fluchtweg war genau geplant. Zunächst wurden etwa fünf Kilometer vom Tatort entfernt Bekleidung und Waffen entsorgt. Dann flohen zwei Räuber zunächst zu Fuß weiter, der Fahrer fuhr allein über die Grenze. Als er sah, dass an der Tillyschanz die Luft rein war, holte er die "Wanderer" mit dem Skoda ab. Der Octavia hatte ein GPS-System, mit dem diese Route nachvollzogen wurde.

Sie waren vielleicht die dümmsten Bankräuber des Bezirks, aber auch die kaltblütigsten: Da scheitern sie - und kommen einfach nach drei Tagen wieder.Richter Walter Leupold

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