Standesgemäß auf der Fahrt ins Glück: das Hochzeitsauto
Junge Liebe, altes Blech

(Foto: Fischer Classic)
Vermischtes
Tännesberg
13.10.2017
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(Foto: Fischer Classic)

Jetzt geht‘s los. Die Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt mit der Fahrt zum Standesamt oder zur Kirche – in einem Oldtimer, einer Limousine oder ganz traditionell in einer Kutsche? Wer es lieber robust mag, wählt den Lastwagen und fährt mit dem THW vor. Hier ein paar regionale Tipps für die Fahrt ins Glück.

Junge Liebe rostet nicht: Andreas Fischer aus Selb kutschiert Brautpaare in standesgemäßen Oldtimern ins Eheglück. 51 Jahre ist der Mercedes der S-Klasse alt, dieses Fahrzeug deutscher Bauart ist Fischers ältestes Gefährt. Wer lieber mit einem amerikanischen Modell zum Jawort erscheinen möchte, entscheidet sich für den 5,6 Meter langen und 2 Meter breiten Oldsmobile Delta 88, der 1967 erstmals zugelassen wurde und unter der Kategorie „gehobene Mittelklasse“ läuft. Beide Oldtimer von „Fischer Classic“ sind mit sechs Sitzen ausgestattet, damit auch Trauzeugen, Eltern oder Blumenkinder mitfahren können. Das Ziel hat er noch immer pünktlich erreicht – egal, ob die Trauung in der Kirche, dem Standesamt, auf einer Burg oder unter freien Himmel auf einem Feld stattfand. Selbst ein Rehunfall konnte Andreas Fischer nur kurz aufhalten: „Die Polizei kam mit vollem Karacho angebraust. Wir konnten alles schnell klären“, sagt der Inhaber von „Fischer Classic“.

Die Braut erschien natürlich rechtzeitig vorm Altar. Fischer selbst sieht sich nicht nur als Chauffeur, sondern auch als Helfer bei kleinen Pannen. „Vor lauter Hektik hat eine Braut ihren Brautstrauß im Auto vergessen. Da habe ich schnell reagiert und ihn in die Kirche gebracht. Wir haben viel gelacht, und die Braut ist mir heute noch dankbar.“

Auch Limousinen stehen ganz oben auf der Wunschliste, und die Brautpaar-Kunden des „Limousinen-Services Hirschau“ haben nach Aussage von Geschäftsführer Klaus Jabis einen klaren Favoriten: den weißen, zehn Meter langen Lincoln. Bei der Buchung ist eine Flasche Sekt inklusive – also kann das Brautpaar nach der Trauung mit bis zu sechs weiteren Personen ausgelassen anstoßen. Inbegriffen sind auch die Lieblingsmusik über CD, Lasershow und eine Klimaanlage für heiße Tage. Und wem es während der Fahrt langweilig wird – was natürlich nicht vorkommt – kann einen Blick auf den integrierten Fernseher werfen. Burg oder verstecktes Waldstück, Innenstadt oder Hügel: Das Ziel der Reise spielt für den Limousinen-Service keine Rolle. Kein Weg ist zu schwierig oder zu weit.

(Fast) keine Grenzen kennt auch Alfred Stubenvoll aus Großenschwand bei Tännesberg. Mit seinen zwei Haflingern bringt er Brautpaare in einer geschmückten Hochzeitskutsche überall hin, wo sie möchten. „Vor kurzem hatten wir ein Brautpaar aus Nürnberg, das am Meixendorfer See bei Neunburg vorm Wald geheiratet hat. So etwas Tolles wie die Fahrt per Pferd haben sie noch nie erlebt.“ Auch eine Rundfahrt ist im Preis inbegriffen. Pannen hat es seiner Aussage nach bisher noch nicht gegeben, Stubenvoll ist ausgebildeter Gespannsführer für Hochzeitskutschen und im Besitz des Kutschenführerscheins. Die einzige Unwägbarkeit bei Kutschenfahrten könnte das Wetter sein, aber auch für diesen Fall ist die Brautkutsche gerüstet: „Wir haben ein Verdeck. Nieselregen ist also kein Problem für uns.“

Wind und Wetter trotzen auch die Mitglieder des Technischen Hilfswerks Weiden. Bei Hochzeiten aus den eigenen Reihen treffen sich bis zu 20 Kameraden, um das Brautpaar auf dem Weg in die gemeinsame Zukunft zu unterstützen. Meistens mit zwei großen THW-Lastwagen begleiten sie das Brautauto mit Blaulicht und Martinshorn zum Standesamt oder zur Kirche.

Wenn das Brautpaar selbst im THW-Fahrzeug mitfahren will, ist das möglich, aber ungewöhnlich: „Dieser Fall kam in Weiden noch nie vor“, berichtet der THW-Ortsbeauftragte Andreas Duschner. Nach der Trauung stehen die Mitglieder Spalier und beglückwünschen das Brautpaar zum Jawort. War’s das schon? Natürlich nicht. Die THW‘ler denken sich lustige Spiele für ihren Kameraden aus. Gläser und eine Flasche Sekt mit dem Hebekissen anheben, ohne das Glas zu zerbrechen. Knifflig ist es auch, eine Sektflasche mit der Schaufel des Radladers zu öffnen – mit verbundenen Augen und nur durch Anweisungen über Funk. Häufig müssen die frisch Verheirateten einen Baum mit einer Eisenstange in der Mitte durchsägen. Ein Klassiker.

Die Entscheidung nach dem individuellen Hochzeitsgefährt fällt schwer. Nach übereinstimmenden Angaben aller Befragten darf der Bräutigam immerhin bei der Typ- und Farbauswahl mitentscheiden: Limousine in Weiß oder Pink? Bei der wirklichen Grundsatzfrage „Oldtimer, Kutsche oder Limousine“ hat allein die Braut die Hosen an. Eva-Maria Irlbacher

Warum Blechdosen am Hochzeitsauto?Sie rappeln, sie zappeln, sie scheppern und lärmen. Jeder kennt die Blechdosen am Hochzeitsauto. Der Krach soll böse Geister verscheuchen
und den frisch Vermählten Unheil vom Hals halten. Just Married.
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