30.08.2014 - 00:00 Uhr
TeublitzOberpfalz

Dr. Dionys Jobst und sein - nicht ernst gemeinter - Vorstoß, die Ferieninsel zu kaufen Mallorcas Sommerloch-König

Wir kaufen Mallorca: 29 Jahre vertrat Dr. Dionys Jobst die Interessen der Region im Deutschen Bundestag. Doch nichts sorgte - wohl europaweit - für mehr Schlagzeilen, als sein vermeintlicher Vorschlag, die spanische Ferieninsel zum 17. deutschen Bundesstaat zu machen. Es vergeht kein Jahr, in dem die Geschichte des "Sommerloch-Königs" nicht in Boulevard-Blättern aufgekocht wird.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Als sich Dr. Dionys Jobst 1998 mit 71 Jahren nach acht Wahlperioden aus dem Bundestag zurückzog, konnte er auf eine respektable Laufbahn blicken. Der Jurist und frühere Dezernent bei der Bundesbahndirektion in Regensburg, der 1969 für die CSU über das Direktmandat des Bundeswahlkreises Schwandorf in den Bundestag einzog, denkt gerne an seine Zeit in Bonn zurück. Lange Jahre leitete er den Verkehrsausschuss, bemühte sich um die Verbesserung der Verkehrsanbindungen in der Region. Dr. Jobst nennt die A 93 und die B 85. Nach der Wiedervereinigung wurde der Ausbau des Verkehrs- und Gleisnetzes in Ostdeutschland forciert. "Ich habe versucht, mich wortgewandt für die Interessen der Region einzusetzen. Jeder will etwas, wenn der Kuchen verteilt wird. Man muss sich Freunde suchen", so der passionierte Politiker. Dr. Jobst, auch zwei Perioden Mitglied des Verteidigungsausschusses, hatte einen Verbündeten in Verteidigungsminister Volker Rühe, als der Bundeswehrstandort Cham im Feuer stand.

Ironie ist ihm nicht fremd

29 Jahre pendelte Jobst zwischen Bonn und seinem Wohnort: "Ein Wahlkreis will gepflegt werden, die Stimmen kommen nicht von alleine". Gepflegt hat Dr. Jobst auch sein Faible für Ironie. Stichwort Beckenbauer und Mallorca: "Jetzt war erst wieder der hessische Rundfunk da,", schmunzelt er. 1978 beantragte der MdB im Bundestag, dass die Bundesregierung doch Franz Beckenbauer von Cosmos New York für die Fußball-WM loseisen sollte. "Deutschland hatte gerade so saumäßig gegen die Schweden gespielt", erinnert sich Dr. Jobst. Um dem Ganzen einen politischen Anstrich zu geben, stellte er die Frage, "wie man das anstellen könnte, ohne die Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland zu stören". Als Kanzler Helmut Schmidt im Fernsehinterview zu diesem Vorstoß befragt wurde, "hat er gelacht".

"Kein Witz" stand hingegen in der Bild-Zeitung bei der Mallorca-Eskapade zu lesen. Dabei war sie "aus einer Blödelei heraus" entstanden. In Jobsts Bonner Büro schaute ein Journalist vorbei, man unterhielt sich über Verkehrsfragen, landete beim Fremdenverkehr und bei Mallorca, das jedes Jahr zwei Millionen Deutsche anzog. Der CSU-Abgeordnete taufte die Hauptstadt Palma in "Palmenhausen" um und machte scherzhaft den Vorschlag, Mallorca als 17. Bundesland für 50 Milliarden Mark zu kaufen. Die Schlagzeile aus dem Jahr 1993 verfolgt ihn heute noch. Für das Massenblatt war es "eine enorme Auflagensteigerung", so der 86-Jährige schmunzelnd. Er hingegen sah sich einer Postkartenflut mit entrüsteten Statements gegenüber. Dr. Jobst nahm es mit Humor: "Ich kann über mich selbst lachen".

"Bin für meine Frau da"

Die aktive politische Tätigkeit beendete Dr. Jobst konsequent. "Man muss abschließen, darf Nachfolger nicht blockieren" so seine Devise. Das politische Geschäft kommt übers Fernsehen und Zeitungen ins Haus. Mit Ehefrau Lilo schmiedete Dr. Jobst nach seiner aktiven Zeit Pläne für den Ruhestand. Neben Haus, Garten und Enkelkindern besuchte das Paar markante Städte im größer gewordenen, vereinten Deutschland. Die unbelastete Zeit hätte länger dauern können, doch Ehefrau Lilo wurde pflegebedürftig. "Ich kann inzwischen kleine Gerichte selbst kochen", erzählt er. Zusammen mit einer Pflegerin betreut er seine Frau, mit der er 59 Jahre verheiratet ist. "Meine Frau Lilo hat mir immer für meine politische Tätigkeit den Rücken frei gehalten, die drei Töchter groß gezogen, hier alles gemanagt", erzählt Dr. Jobst. "Jetzt bin ich für sie da".

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