05.07.2017 - 20:00 Uhr
TeunzOberpfalz

Lea Gillitzer (17) fühlt sich in der Werkstatt wohl Glücklich mit kaputten Autos

Früher spielte Lea (17) mit Barbie-Puppen, jetzt schraubt sie an Motoren rum. Frauen in Männerberufen, das sorgt noch immer für Aufmerksamkeit. In der Autowerkstatt in Fuchsberg (Kreis Schwandorf) ist die Auszubildende zur Mechatronikerin aber nicht die einzige Frau, die mit ölverschmierten Händen kein Problem hat.

Lea Gillitzer säubert die Radnabe eines Audi mit dem Winkelschleifer, bevor die Bremsscheiben montiert werden. Rost und Öl machen ihr nichts aus, denn am Wochenende sind die Hände wieder perfekt sauber. Bilder: Gertraud Portner (2)
von Gertraud Portner Kontakt Profil

-Fuchsberg. Blonde Haare, zierliche Figur. Lea Gillitzer hantiert mit dem Winkelschleifer so selbstverständlich wie mit dem Lockenstab. Ihr erstes Ausbildungsjahr zur Kfz-Mechatronikerin hat sie bald hinter sich. Schmutzig machen, das stört die junge Frau mit dem ansteckenden Lachen nicht. Hauptsache, sie kann mit den Händen arbeiten: "Autos reparieren ist interessant und man kann es im Leben brauchen," erklärt sie ihren Traumberuf.

Probearbeit klappt

Während der Realschule konnte sich die Guteneckerin auch eine Schreinerlehre vorstellen. Doch nach der Probearbeit in der Werkstatt von Bernhard Herdegen stand fest: "Das ist voll mein Ding!" Die Eltern hatten keine Einwände, "die unterstützen mich voll". Opa und Onkel arbeiteten früher ebenfalls in einer Autowerkstatt und schon als Kind faszinierten sie diese Erzählungen. Aber das war's damals auch schon. Ebenso wie ihre Freundinnen spielte Lea am liebsten mit Barbie-Puppen und interessierte sich für Glanz und Glamour. Jetzt nimmt sie von Nagellack lieber Abstand, "das würde nicht lange halten". Sie zeigt ihre Hände mit den kurz geschnittenen Nägeln und meint: "Schmierstoffe finde ich nicht schlimm. In Seifenlauge getaucht, geht das ganz schnell wieder weg."

Mit dem Winkelschleifer bearbeitet sie die Radnabe eines schwarzen Audi. Bei der Bremsscheiben-Montage hilft Hannes, Auszubildender im zweiten Lehrjahr. Beide arbeiten im Team, ohne Sonderstatus für Lea. Das Trinkgeld wird geteilt. "Reifen schleppen ist bei uns körperlich die schwerste Arbeit", sagt Chef Bernhard Herdegen. Für ihn war es keine große Sache, einen weiblichen Azubi einzustellen: "Ich dachte, das probieren wir halt mal!" Das Klima ist locker und man merkt Lea an, dass sie sich in der Männerdomäne zwischen all dem Werkzeug und dem Ölgeruch in der Nase wohlfühlt.

Und da ist auch noch Chefin Daniela, eine gelernte Kfz-Mechanikerin. "Im Jahr 1988 war das gerade so im Kommen, dass auch Mädchen in Männerberufen willkommen sind", erinnert sie sich. Trotzdem blieb es bis heute die große Ausnahme. Nicht nur die Berufsbezeichnung hat sich geändert, auch die Arbeitsweise. "Ohne Elektronik kein Auto", sagt Daniela Herdegen. Während sie ihrem Mann in den Anfangsjahren in der Werkstatt geholfen hat, ist sie jetzt für die Büroarbeit zuständig. "Und für den Abgastest", sagt sie lachend. Seit dem modernen Neubau am Fuchsberger Steinbruch erfüllt Auto Herdegen auch die einzige Auflage, die es bei der Einstellung von Frauen gibt: Getrennte Toiletten.

Zwei Mädels

"Ich würde es sofort wieder machen", sagt Lea Gillitzer und streicht sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Im ersten Ausbildungsjahr darf sie Bremsbeläge, Federn und Dämpfer wechseln und den Kundendienst erledigen. An alten Autos rumschrauben bereitet ihr die meiste Freude. "Da haben schon so viele Leute ihre Finger drangehabt, das ist spannend", erklärt sie. Der Blick wandert zu einem Mercedes-Oldtimer: "Und da sieht man alles; jetzt ist alles mehr verpackt." Sechs Tage im Monat besucht sie die Berufsfachschule in Nabburg. Von den 25 Mechatroniker-Schülern sind nur zwei weiblich. "Kein Problem. Wir sind voll integriert", bewertet sie die Situation. Besonders wenn "Umrüsten/Nachrüsten" oder "Service" im Stundenplan steht, ist sie voll in ihrem Element. Die überbetriebliche Ausbildung findet an der Handwerkskammer statt. Hier werden Praxiselemente vertieft und geübt, wie kürzlich das Gewindeschneiden.

Den Weg zur Arbeit legt die Auszubildende noch mit dem Moped zurück. Doch nicht mehr lange. Mitte Juli steht der 18. Geburtstag ins Haus und dazu wartet in der Garage schon der acht Jahre alte VW-Passat vom Papa - so wie ihr Motorrad, eine Suzuki 650. Leas Augen leuchten, wenn sie ans Motorradfahren denkt. Aber auch das Reiten (sie hat ein eigenes Pferd) will sie nicht vernachlässigen. An den Wochenenden steht "Freunde treffen" ganz oben auf ihrer Hitliste. In der Freizeit tauscht sie Arbeitshose und Sicherheitsschuhe am liebsten mit Sandalen und Sommerkleid und auf geht's zur "Rast" oder zu den vielen Vereinsfesten.

Und wie sieht sie ihre Zukunft? "Als ausgebildete Mechatronikerin steht mir die Welt offen, denn da kann ich auch in der Industrie unterkommen." Doch jetzt fühlt sie sich in der Autowerkstatt einfach wohler. Und sie freut sich darauf, sich bald am eigenem Auto die Finger schmutzig machen zu können.

Das ist voll mein Ding!Lea Gillitzer

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