05.04.2018 - 18:08 Uhr
TeunzOberpfalz

Pomologe Tino Gmach setzt sich für alte Apfelsorten ein Der Geschmack entscheidet

Pomologe Tino Gmach bevorzugt alte Apfelsorten. Das Äußere spielt dabei keine Rolle. Beim Genuss gibt es aber große Unterschiede und oft ist für den Geschmack der Zeitpunkt des Verzehrs entscheidend. Knackig und umfassend präsentiert der Obstkundler bei den Gartlern in Teunz sein Wissen.

Tino Gmach begeisterte beim OGV Teunz mit seinem informativen Vortrag über alte Sorten im Streuobstgarten. Bild: Portner
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Bis ins Paradies geht Tino Gmach, Pomologe aus Rötz, bei seinem Vortrag auf der Jahreshauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins Teunz zurück. Später bemüht er Kaiser und Könige, nach denen wohlschmeckende Äpfel benannt wurden. Das Thema seines Vortrags lautet schließlich auch: "Gute Graue, Fuchserer & Co. - Obstsorten und deren Geschichte."

Er weiß wovon er spricht: Gmach hat den Kreis-Obstlehrgarten in Walderbach (Landkreis Cham) aufgebaut und betreut. Viele alte Sorten würden verschwinden und seien nur in den Lehrgärten aufgehoben. "Laufend werden neue Sorten gezüchtet, aber trotzdem ist es wichtig, sich mit den alten zu beschäftigen", appellierte Gmach. Den schnellen Wandel beschrieb er mit der Tatsache, dass die vor 20 Jahren entwickelten "P-Sorten" oder "Regina" schon wieder Geschichte seien. Der Obstkundler erklärte in Wort und Bild zahlreiche alte Lokalsorten im Landkreis Cham, wie "Roter Fuchserer" (auch Walderbacher Klosterapfel); "Schöner von Schönlind" (Kloster Reichenbach), "Strahlfelder" oder "Roter Eiserapfel" (von 1400; drei Jahre lagerfähig, im Geschmack fad).

Der beste Apfel

Als "besten Apfel der Welt" bezeichnete Gmach den "Weißen Winterkalvill" aus Südtirol. "Ab dem 19. Jahrhundert konnte man Apfelbäume bestellen. Dadurch sind Bäume aus der ganzen Welt bei uns gelandet", informierte der Pomologe. Aber: "Küstensorten passen nicht in die Oberpfalz. Die brauchen den Wind und sind bei uns schorfanfällig." Dagegen sind russische Sorten "Kaiser Alexander" im Bayerischen Wald beliebt und für kühle Lagen geeignet. Im 20. Jahrhundert kam nach dem Zweiten Weltkrieg der große Umbruch im Apfelanbau. Aus dem Streuobstanbau wurde Plantagenwirtschaft. Erst 1982 kam das große Umdenken, und die Renaissance der alten Sorten begann. "Nicht das Äußere entscheidet, sondern der Geschmack!" Viele alte Sorten seien jedoch Lageräpfel und schmecken erst im Frühjahr. Bei Gmach schneiden die neuen Sorten wie "Pink Lady" und "Granny Smith" ("dieser Apfel aus Neuseeland ist das mieseste das es gibt") nicht gut ab. Und "Golden Delicious" aus den USA sei für den Anbau bei uns völlig ungeeignet. Allerdings sei dieser als "Muttersorte" in alle modernen Äpfel eingekreuzt. "Das Züchten wie am Fließband war der Einstieg zum Spritzen und Düngen", so Gmach. Der Pomologe rät vom Anbau neuer und schnelllebiger Züchtungen ab: "Die brauchen viel Aufwand und Chemie." Alte Sorten dagegen vertragen dies oft gar nicht: Sie verlieren beim Spritzen und Düngen ihren guten Geschmack. Allerdings seien Äpfel aus der Zeit vor "Golden Delicious" für Allergiker meist besser verträglich (wie "Rote Sternrenette"). Und es gibt "intelligente und dumme Sorten". Der "Danziger Kantapfel" beispielsweise wachse mit gutem Ertrag von alleine, während "Jakob Lebel" ständig geschnitten und der Wuchs kontrolliert werden müsse.

Baumschnitt-Kurs

"Spritzen braucht man auf der Streuobstwiese nicht!", betonte Tino Gmach. Doch die EU habe es mit der Flurbereinigung geschafft, alte Hochstämme abzuschaffen. Während es ab 1952 eine Prämie dafür gab, alte Obstbäume umzuschneiden, wurden in den 80er-Jahren Wiederanpflanzungsprämien bewilligt. "Eine intakte Streuobstwiese ist eine Kombination von jungen und alten Bäumen. Eine Neuanpflanzung ist nur eine Plantage", so der Experte. Er appellierte daran, alte Sorten am Feldrand in Ruhe stehen zu lassen. Dazu möchte auch OGV-Vorsitzende Barbara Winkler sensibilisieren. Das Schwerpunkt-Thema lautet deshalb heuer "Streuobst".

Auf Einladung des OGV Teunz bietet Tino Gmach einen Baumschneidekurs an. Termin: Freitag, 6. April, ab 14 Uhr, mit Treffen Bürgermeister-Kirchberger-Straße/Streuobstwiese. Näheres bei Michaela Baier (3400) oder Barbara Winkler (305902).

Das Züchten wie am Fließband war der Einstieg zum Spritzen und Düngen.Pomologe Tino Gmach

Zur Geschichte

Die Vorfahren unserer heutigen Apfelsorten waren Wildäpfel, die im Bereich des heutigen Kasachstan wuchsen. Über alte Handelsstraßen gelangten sie in den Ural, wo sich durch Kreuzung mit dem dortigen Uralapfel der süß schmeckende Kulturapfel entwickelte. Die ältesten, noch bekannten Äpfel sind "Roter Sternapi" (2000 Jahre) und "Dulzia" (1200 Jahre); letzterer ist ungenießbar und wurde nur zum Süßen verwendet. Die Geschichte der Äpfel ist ohne die Mönche nicht denkbar. So wurde im 16. Jahrhundert der "Edelborsdorfer" zum Stolz der Deutschen und war bis vor etwa 100 Jahren die Sorte, die am häufigsten angebaut wurde - obwohl klein und runzlig. "Ein hässlicher Apfel, der super schmeckt", so die Bewertung von Gmach. Auch die "Lederäpfel" (wie Renette) sind überwiegend verschwunden. (ptr)

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