04.01.2018 - 18:04 Uhr
TeunzOberpfalz

Forstbetrieb Flossenbürg bildet nach 15 Jahren Pause wieder aus: Nachwuchs an der Motorsäge

Schon der Opa war Holzhauer. Bei Enkel Daniel Bauer (15) heißt der Lehrberuf jetzt Forstwirt. Nach 15 Jahren Pause wird beim Staatlichen Forstbetrieb Flossenbürg wieder in den Nachwuchs investiert. Zwei der drei Lehrlinge kommen aus der Gemeinde Teunz. Das muss kein Zufall sein.

Wintertage an der Werkbank: In der neuen Lehrwerkstatt lernen die angehenden Forstwirte die richtige Wartung der Motorsäge. Daniel Bauer (von links), Michael Thanner und Quirin Sax sind sich aber trotz Heizung einig: "Draußen im Wald ist es viel schöner!" Bilder: Portner (3)
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Teunz/Tillyschanz. Die Gemeinde Teunz grenzt an ein riesiges Waldgebiet, den Tännesberger Forst. Der Staatswald war früher ein schöner Arbeitsplatz mit sicherem Einkommen. Fast aus jeder Familie in Wildstein und Kühried kam ein Holzhauer, der sich bei den Bayerischen Staatsforsten den Lebensunterhalt verdiente. Nach und nach übernahmen Dienstleistungsunternehmen mit Holzerntemaschinen die schwere Arbeit und viele Waldfacharbeiter - so die neue und schon wieder alte Berufsbezeichnung - gingen in den Ruhestand.

Nachwuchsprobleme

Beim Forstbetrieb Flossenbürg - von Bärnau bis Schönsee mit rund 16 000 Hektar Wald - wird nach 15 Jahren Vakanz wieder in die Ausbildung eingestiegen. Mittlerweile liegt der Altersdurchschnitt der 26 Forstwirte (darunter 4 Meister) knapp über 50 Jahren und Nachwuchsprobleme machen zu schaffen. Am 1. September 2017 starteten drei junge Burschen im neuen Lehrlingszentrum. Dieses befindet sich im Betriebsgebäude der Bayerischen Staatsforsten am Eslarner Ortsteil "Tillyschanz". Das ehemalige Zollgebäude wurde dafür umfassend saniert.

Es ist Freitag. Daniel Bauer (15) aus Teunz, Michael Thanner (15) aus Kühried und Quirin Sax (16) aus Pleystein sitzen am Tisch neben der kleinen Küchenzeile und schreiben ihr Berichtsheft. Der Ausbilder, Forstwirtschaftsmeister Anton Plödt aus Waldkirch, hilft mit Formulierungen. Diese Woche hat die Gruppe im Forstrevier Schönsee eine kleinere Fläche mit Windwurf aufgearbeitet. Das müssen sie nun sorgfältig notieren. Doch dass sie lieber mit der Motorsäge als mit dem Kugelschreiber umgehen, müssen die drei Jungs nicht extra betonen. Ihre Augen leuchten bei der Führung durch den Betriebshof. Michael Thanner holt eine neue Akku-Motorsäge aus dem Regal, zieht den Schwertschutz ab und zeigt nur zu gerne, wie man die Sägekette spannt. "Ich wusste schon mit zehn Jahren, was ich werden will", sagt der Kührieder, der seine anfängliche Schüchternheit beim Umgang mit dem Gerät schnell ablegt. Ihm habe es schon immer gut gefallen, mit dem Vater im Wald zu arbeiten, betont er. "Das merkt man. Michael ist sehr naturverbunden und kennt sich mit der Baumkunde bestens aus", lobt Ausbilder Plödt.

"Draußen sein, viel frische Luft und seine Ruhe bei der Arbeit haben." Das zählt Daniel Bauer als Beweggründe für seine Berufswahl auf. Einen Job im Büro oder in einer Industriehalle kann er sich nicht vorstellen. "Im Wald wird es nie langweilig", so seine Einschätzung. Sein Opa Fritz Bauer arbeitete beim damaligen Forstamt Tännesberg. Er war noch ein Holzhauer vom "alten Schlag" und hatte überwiegend mit dem Fällen von Bäumen zu tun. Der Enkel wird viele andere Dinge lernen, die mit der Landschaftspflege und Waldwirtschaft zu tun haben. "Das Berufsbild ist sehr vielschichtig. Unsere Forstwirte arbeiten nur noch 35 Prozent der Stunden in der Holzernte", berichtet Servicestellenleiter Ingo Greim vom Forstbetrieb Flossenbürg. Er ist der "Mann der Zahlen": 2,7 Festmeter gelten als durchschnittliche Stundenleistung; in der Woche sind das etwa 80 Festmeter. Früher waren 1000 Holzernte-Stunden im Jahr die Regel; jetzt sind es 600. Tendenz fallend. "Mit Mitte 50 waren die Männer körperlich erledigt und gingen in Rente. Jetzt erhält der Harvester die Gesundheit der Forstwirte", betont Greim. Auch die Motorsägen sind leichter und leistungsfähiger, und sie vibrieren nicht mehr so stark. Das schont Finger und Gelenke.

Handy und Hose

Das Waldbauverfahren hat sich geändert. Es gibt weniger Kahlschlag und mehr Vorausverjüngung. Reine Fichtenbestände wandeln sich; überwiegend werden Tannen, Buchen und Ahorn gepflanzt. Zu den Tätigkeiten der Forstwirte gehört auch das Überwachen der Jungbestände und unter Umweltschutz fällt beispielsweise die Pflege von Wassertümpeln. "Der Wald ist nicht nur eine Ansammlung von Bäumen, sondern auch Lebensraum für viele Tiere", sagt Greim. Der Servicestellenleiter erläutert beim Pressetermin den Ausbildungsplan: "Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber und können uns mit Handwerksbetrieben sehr gut messen."

Frühaufsteher sind im Vorteil. Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr und endet um 16 Uhr; freitags bereits um 14 Uhr (38,5 Wochenstunden). Handwerkliche Begabung, körperliche Fitness und gutes Reaktionsvermögen sind gefragt. "An die gefährliche Arbeit gewöhnt man sich schnell", betonen die zwei 15-jährigen Teunzer. Sie zählen ihre Sicherheitskleidung auf: "Helm, Gehörschutz, Schutzbrille, Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhe, Arbeitsjacke mit Signalfarben und Handschuhe." Die Ausrüstung wird vom Forstbetrieb gestellt, dazu kommt noch ein modernes Handy. Ein besonderer Service: Bei Nässe landet die Kleidung in einen Trockenschrank. Ingo Greim ergänzt: "Die Arbeitssicherheit ist uns ein großes Anliegen." In drei Jahren werden die jungen Forstwirte den Kombinations- und Präzisionsschnitt bestens beherrschen und auch der Zeitfaktor beim Fällen spielt dann eine Rolle. Der Zaunbau ist passé. Jetzt gibt es als Einzelschutz für die Knospen die "Verbiss-Schutzmanschetten".

"Wir sind Teamplayer", sagt Ausbilder Anton Plödt. Im Winter hält er sich mit seinen Schützlingen oft in der kleinen Lehrwerkstatt oder in der Halle bei Kreissäge und Hobelmaschine auf. Im Dezember wurde Dekoratives aus Holz für den Adventsmarkt gebastelt, dazu Nisthilfen und Hochsitze gebaut. Eine Aktion der Azubis: Sie fällten 20 Fichten, die sie als Weihnachtsbäume an die Oberviechtacher Tafel spendeten. "30 Projekte sind während der Ausbildung zu bearbeiten", erklärt Plödt. Er achtet auch darauf, dass seine Schützlinge eine Herbarium-Sammlung mit getrockneten Pflanzenteilen anlegen. Vor Prüfungen unterstützt er mit Lehrfilmen, wofür Beamer und Großbildschirm bereitstehen.

Forstwirt

Mit Start in 2017 will der Forstbetrieb Flossenbürg jährlich drei neue Auszubildende aus der Region einstellen. Für September 2018 liegen schon 15 Bewerbungen vor. "Das reicht", sagt Servicestellenleiter Ingo Greim. Der Auswahltest findet noch im Januar statt. Allerdings können sich bereits Jugendliche für September 2019 bewerben. Es gibt gute Perspektiven mit einer Übernahmequote von 50 Prozent in den öffentlichen Dienst. Aber auch in der freien Wirtschaft sind Forstwirte gesucht, so Greim.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Blockunterricht ist in der Berufsschule Neunburg; die überbetriebliche Ausbildung ist in Nürnberg. Im ersten Jahr verdienen die Forstwirt-Lehrlinge rund 900 Euro. (ptr)

Mit Mitte 50 waren die Männer körperlich erledigt und gingen in Rente. Jetzt erhält der Harvester die Gesundheit der Forstwirte.Ingo Greim, Servicestellenleiter

 

 

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