Unter der Haube: Automobiler Alltag mit einem 30 Jahre alten Volvo 240
Tacho Teil 2: Letzte Hoffnung Holland

Der Tacho ist zurück aus Holland.
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15.01.2018
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Ein Tacho ist ein Auto-Bauteil, das man erst zu schätzen weiß, wenn es nicht mehr funktioniert. Diese Erfahrung habe ich jüngst bei meinem 30 Jahre alten Volvo machen müssen. Der einfache Plan, im Internet ein gebrauchtes Austausch-Instrument zu ersteigern und einzubauen, war nicht von Erfolg gekrönt. Auch bei diesem Tacho bewegte sich die Nadel keinen Millimeter.


Ich tauche also ab in Volvo-Foren im Internet. Dort bekomme ich den Tipp: Anscheinend ist nicht das Kombiinstrument kaputt, sondern der Geschwindigkeitssensor oder das Kabel an der Hinterachse. Klingt logisch. Denn wie wahrscheinlich ist es, dass zwei Geräte den gleichen Defekt haben? Hoffnung keimt auf. Ein Stück Kabel zu ersetzen, ist einfach und günstig. Ich fahre in eine Volvo-Werkstatt. Das Ergebnis des dortigen Oldie-Spezialisten zerschmettert die Hoffnung: Das Signal ist völlig in Ordnung. Beide Tachos haben den gleichen Defekt.

Einmal mehr steht Internet-Recherche an: Wer kann einen so ein Teil reparieren? Ich lerne: „Tacho-Reparatur“ ist ein in der Branche gebräuchliches Synonym für „Betrug“. Per Laptop werden die Kilometerstände zurückgedreht beziehungsweise „justiert“. Wird sowas gemacht, um ein Auto mit geschöntem Kilometerstand zu verkaufen, ist das illegal. Für mich sind derartige Dienstleistungen nutzlos. An meinem Kombiinstrument kann man keinen Laptop anschließen. Ich brauche keinen Programmierer mit flexiblen Moralvorstellungen sondern einen Lötkolben-Künstler. Die Spezialisten in der Region, die Oldtimer-Tachos reparieren, können mir leider auch nicht weiterhelfen. Denn sie reparieren in der Regel noch ältere Instrumente, die mechanisch funktionieren.

Ich finde meinen Lötkolben-Künstler dann in den Niederlanden. Die Kommunikation ist problematisch. In der Firma kann niemand Englisch. Ich kann kein Niederländisch. Übersetzungsprogramme und pure Verzweiflung helfen weiter: Ich verstehe nur bruchstückhaft, was die Holländer mir da schreiben, aber das wird schon passen. Ich verpacke und verschicke den Tacho.

Zwei Wochen später ist das Teil zurück. Mit im Paket sind ein paar alte Kondensatoren. Die haben die Holländer wohl rausgemacht. Ich setze spätabends die Stirnlampe auf, installiere das Instrument im alten Volvo, fahre los. Sekunden später hallt ein Jubelschrei durch die nördliche Oberpfalz. Mein Tacho zeigt eine Geschwindigkeit!

Der Abgleich mit dem Handy-GPS zeigt: Die scheint sogar noch zustimmen! Und die Kilometerzählerröllchen drehen sich auch! Ab jetzt halte ich mich bei Fußball-Diskussionen zurück, wenn über Holland gelästert wird. Ich kaufe mehr Gouda. Vielleicht schaue ich sogar ein paar alte Folgen Rudi-Carrell-Show an.
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