02.08.2018 - 14:50 Uhr
OTon

Küchen-Actionheld

Zugegeben: Es ist Eitelkeit. Doch ich konnte nicht widerstehen. Einmal wie MacGyver, Bruce Willis oder der Chefarzt der Schwarzwaldklinik fühlen.

Heimwerken ist Einstellungssache.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Zumal ich als Journalist ja kaum Werkzeug in die Hand nehme, um damit ein Schloss zu knacken, eine Schlägerei zu gewinnen, ein Herz zu verpflanzen oder eine Küche aufzubauen.

Ich hätte es mir einfach machen und sie mir einbauen lassen können. Aber man kann ohne Küche überleben. Das fühlt sich zugegeben wie Zelten in der eigenen Wohnung an. Zudem hat mich diese Stimme im Heimwerker-Video einfach nicht losgelassen. Tief, markant, klar, kompetent, professionell. Eine Stimme, die vermutlich von einem problematischen Verhältnis zu Zigaretten und Whiskey zeugt, mit der ein Mafiaboss Mordaufträge vergibt oder erklärt wird, wie man Arbeitsplatten miteinander verbindet: „Entweder, du machst es mit einem Arbeitsplattenverbindungsprofil, du lässt dir vom Zuschnittservice eine Eckfräsung machen oder machst einen Gehrungsschnitt selbst.“

Was ich verstehe sind Drama, Risiko, schwere Geräte, Fingerspitzengefühl, Intelligenz und Action. Ich will sein, wie diese Stimme. Und dann sehe ich diesen leeren Raum, den ich füllen will, und frage mich, ob das alles wirklich so eine gute Idee war. Wie geht das mit dem Herdanschluss? Wie weit kann ich mich mit dem Waschbecken vom Wasserzulauf entfernen? Was für Anschlüsse brauche ich dafür? Kann ich nicht einfach für immer auf einer Induktionsherdplatte kochen? Doch dann spricht wieder diese Stimme zu mir; eine Mischung aus Joe Cocker, dem Sprecher der Praktiker-Radiowerbung und dem Paten: „Bring erst mal die Platten auf die richtige Länge und versiegel die Schnittkante.“ Ok, dann muss ich das wohl tun. Fehlen noch die Geräte. Her mit Bohrmaschine, Akkuschrauber und Pendelhub-Stichsäge. „Prüf lieber einmal zu viel nach. Schiene anbringen und sägen“, sagt die tiefe Stimme.

Und dann? „Die Arbeitsplattenverbinder einsetzen – fertig.“ Wenn es auf Anhieb nicht klappt, nehme ich langfristig vielleicht ein wenig ab. Bald räume ich alles um. Dann kann ich vielleicht noch keinen Schweinebraten machen. Aber ich kann eine Küche aufbauen.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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