11.04.2019 - 15:17 Uhr
OTon

Mut zur Unvernunft

Einige Erlebnisse bleiben eher in Erinnerung als andere. Bei unserer Autorin sind das häufig die, die auf zunächst scheinbar unkluge Entscheidungen folgten. Im neuen OTon rät Miriam Wittich deshalb zu mehr Unvernunft.

„Klug war‘s nicht, aber geil!“ steht auf dem Teebecher unserer Redakteurin.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

„Manches kommt und geht und kommt nie mehr, nie mehr. Und dadurch ist es noch mehr wert ...“ Richtig, ich zitiere Sänger Mark Forster. An diesem Song kommt man in letzter Zeit beim Radiohören ja nicht wirklich vorbei. Und ich muss ihm zustimmen.

Von meiner Schwester habe ich einmal einen Teebecher mit der Aufschrift „Klug war‘s nicht, aber geil!“ geschenkt bekommen. Passt doch gar nicht wirklich zu mir, dachte ich im ersten Moment. Ich bin doch eher ein kleiner Angsthase, schmiede ganz gerne Pläne und bedenke – zumindest meistens – meine Worte und Entscheidungen. Aber meine Schwester kennt mich halt doch ziemlich gut.

Also kramte ich ein paar Erinnerungen hervor - alte und ziemlich frische. Nun ja, was soll ich sagen? So wirklich vernünftig waren vielleicht doch nicht alle Entscheidungen in meinem Leben. Und mein Becher hat Recht: Auf die vermeintlich unklugen folgte häufig besonders großer Spaß. Und der überwog zumeist die negativen Folgen. Geblieben ist stattdessen ein fettes Grinsen im Gesicht, das jedes mal dann auftaucht, wenn ich mich an diesen einen kurzfristigen Ausflug erinnere. Geblieben ist das warme Gefühl, das sich im Bauch ausbreitet, wenn ich das Lied aus dieser einen verrückten Nacht höre (nicht Mark Forster). Geblieben ist das Wissen um eine tiefe Freundschaft, wenn mir der Duft von Heu in die Nase steigt.

Okay, erst ein Songtext, dann der Spruch einer Kaffeetasse. Ich weiß. Aber die schallen mir gerade eben bei jeder zweiten Autofahrt aus dem Radio entgegen oder starren mich in der Arbeit neben dem Wasserkocher an.

Und ja, manchmal sollte man sich eben auch etwas Unvernunft zumuten. Natürlich will ich hier niemanden zu einer großen Dummheit anstiften. Aber ab und an lass ich mich mitreißen. Meistens ist daran eine ganz bestimmte Freundin beteiligt. Die in einigen Lebenslagen einfach ein bisschen mutiger ist als ich und mich mit ihrer Spontanität ansteckt.

Manche Momente sollten wir voll und ganz auskosten, ohne an Morgen zu denken. Denn, um wieder zu Mark Forster zurückzukommen: „Einmal, und ich war da zum Glück.“

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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