10.12.2020 - 09:12 Uhr
OTon

OTon: Mein Lieber Herr Kassendrängler

Im Frühjahr war das mit dem Abstand beim Anstellen an der Kasse kein Problem. Mittlerweile stößt OTon-Kolumnistin Lena Schulze wieder vermehrt auf Kassendrängler.

Anstehen an der Kasse: Im Frühjahr war das mit dem Abstand beim Anstellen kein Problem. Mittlerweile stößt man wieder öfter auf Kassendrängler.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Seit März dieses Jahres gilt: Abstand halten. Das fiel mir heuer gar nicht so leicht, wenn es etwa um das private Umfeld ging: Social Distancing von Freunden und Familie. Aber Abstand im Supermarkt? Beim Anstehen an der Kasse? Top! Kein Problem!

Drängler gehen mir schon lange auf die Nerven. Folgende Situation musste ich schon des Öfteren erleben: Ich stehe im Supermarkt an der Kasse und spüre es schon. Hinter mir nähert sich etwas ganz unaufhaltsam. Böses ahnend drehe ich mich um. Merklich unruhig schiebt der Kunde hinter mir seinen Einkaufswagen vor und zurück. Das spärlich gefüllte Shoppingvehikel kommt unerbittlich Zentimeter um Zentimeter auf mich zu. Selbst mein erstaunter Blick, der den Rentner ermahnen sollte, ihm gleichzeitig aufzeigen sollte, dass ich nichts für die lange Schlange kann und dass ich keinen Einfluss darauf habe, wie schnell es voran geht, hält den Mann nicht ab. Im Gegenteil. Er nutzte den Wagen, um aufs Tempo zu drücken– ohne Rücksicht auf Verluste. Rums! Autsch!

Was war das dann für eine angenehme Zeit zu Beginn der Pandemie! Also nur was das geordnete, anständige Anstehen an der Kasse betrifft. Im Frühjahr und den Sommer über hielten sich alle Einkäufer an den Sicherheitsabstand. In Ruhe konnte ich meine Einkäufe auf das Band auflegen, niemand zählte ungeduldig mit, wie viele Produkte ich noch aus meinem scheinbar kleinen Korb heraushole. Auch beim Zahlen fühlte ich mich nicht unter Druck gesetzt. Diese Diskretion ist jetzt im zweiten Lockdown dahin. Mittlerweile achtet gefühlt niemand mehr beim Einkaufen auf Abstand. Es gibt sie wieder, die Leute, denen es nicht schnell genug gehen kann. Ja, ich weiß das Einkaufen mit Mundschutz doof ist. Und auch das Warten ist blöd. Und ich weiß, das mit dem Abstand ist schwer. Ich ertappe mich ja selbst dabei, dass ich mich nur gaaaanz kurz an unentschlossenen Kunden vorbei quetsche, um an meine Lieblingskekse zu kommen. Aber wenn ich beim Anstehen an der Kasse wieder den Atem meines Hintermanns im Genick spüren kann – da läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter, ich bekomme Gänsehaut. Drängler donnern mir wieder mit ihren Einkaufswagen auf die Fersen. Muss das denn sein? Ein wenig mehr Gelassenheit – selbst im größten „After-Work“-Einkaufsstress würde uns allen gut zu Gesicht stehen. Lieber Herr Kassendrängler, die Fersen der Menschen vor ihnen danken es ihnen auf jeden Fall!

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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