15.09.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Geocaching: Ein Hobby für die ganze Familie Fette Spinne bewacht Schatz von Hohenwald

Ein Felsen spitzt aus dem Waldboden heraus. Beim näheren Betrachten wird klar, das ist eine kleine Höhle. Darin ist garantiert der Cache versteckt, nach dem Sebastian Pauloweit und Lea-Sophie Kirsakal schon eine Stunde lang suchen. Doch welch eine Überraschung.

Im Innern der Schatztruhe befindet sich der eigentliche Cache mit Logbuch und diversen Kleinigkeiten zum Tauschen (links). Nach dem Zusammensetzen der Spinne am vorletzten Versteck, lassen sich die Koordinaten für die letzten zwanzig Meter zum Final ablesen (Mitte). Wer "Arachnophobia" gelöst hat, wird mit einer Finderurkunde belohnt (rechts).
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Hohenwald. Als Lea-Sophie die 70 Zentimeter hohe und 1,10 Meter breite Höhle mit der Taschenlampe ableuchtet, identifiziert sie acht Gegenstände, die aussehen wie Spraydosen. Sie nimmt eine heraus und ist enttäuscht. "Das ist ganz bestimmt nicht unser Schatz", sagt sie zu ihrem Onkel Sebastian Pauloweit, der die junge Schatzsucherin begleitet. Ein Etikett ist noch einigermaßen zu entziffern, irgendwas wie "explosiv" ist da zu lesen. Also Finger weg und die Polizei informieren.

Arachnaphobia

Aber das hat noch Zeit. Erst konzentrieren sich die beiden Geocacher auf ihr eigentliches Ziel. Die Auflösung des Rätsels um "Arachnaphobia". Ein interessanter Rätsel-Cache, den einer, der sich "Kreis" nennt, im Hochwald bei Hohenwald gelegt hat. Bevor die jungen Leute überhaupt bis hierher gekommen sind, galt es sechs künstliche, schwarze Spinnen zu finden, die sich per Nylonfäden von verschiedenen Bäumen abseilen. Jeder Fund, enthielt die Koordinaten für die nächste Station. Sie wussten, dass sie nahe am Ziel waren, als sie die Minenzünder aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckten, die später von einem Nürnberger Sprengstoffkommando unschädlich gemacht wurden (wir berichteten).

Tupperschüssel

Nachdem die Höhle nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat, also noch einmal sorgfältig die letzten Koordinaten eingeben und los geht es. Diesmal passt es besser. Der Weg führt wieder zu einem kleinen Felsen mit kleiner Aushöhlung darunter. Eine durchsichtige Tupperschüssel verbirgt sich hinter einem Ast. Das sieht besser aus, denn in solchen Behältnissen wird meist der Schatz aufbewahrt. Nein - wieder nicht - noch nicht. Die Schüssel enthält eine große Spinne aus Sperrholz. Die Beine müssen aber erst in der richtigen Reihenfolge angesetzt werden. Ist das erledigt, lassen sich die Koordinaten für den nächsten Punkt ablesen.

Ins Smartphone eingegeben zeigt eine gerade Linie auf der topografischen Karte bergauf. Höchstens 20 Meter einen kleinen Hügel hinauf. Diesmal werden die Schatzsucher belohnt. Wieder unter einem kleinen Felsen fördern sie ein Holzkästchen zutage, das aussieht wie eine Mischung aus Vogelhäuschen und Schatztruhe. Auf der Oberseite hockt eine riesige schwarze Spinne aus Silikon. Wer sich vor Spinnen ekelt, für den ist der Cache hier zu Ende. Denn die Spinne ist per Magnet an der Unterseite auf dem Deckel des Kästchens angebracht und wird noch gebraucht, um die Schatulle zu öffnen. Wie das geht, müssen Sebastian und Lea Sophie erst noch herausfinden. Raffiniert hat "Kreis" dieses Detail angelegt. Nach längerem Suchen entdecken die beiden an einer der Breitseiten des Kästchens ein versiegeltes Bohrloch. Es hat genau den Durchmesser des Magneten am Bauch der Spinne. Als Sebastian ihn darauf platziert, hört man im Innern ein Klacken und das Schloss ist auf.

Im Kästchen ist ein Kunststoffzylinder, der allerlei Dinge beherbergt. Das Wichtigste: Das Logbuch. Dort tragen Lea-Sophie und Sebastian das Datum und ihre Namen ein. Der Cach-Leger hat gleich mehrere Finderurkunden deponiert und wer den Schatz hebt, darf eine heraus- und mit nach Hause nehmen. Heute darf das Lea-Sophie, welche die Trophäe mit nach Berlin nimmt. Sie ist nämlich nur zu Besuch hier bei den Verwandten in Pilmersreuth am Wald. Danach geht es wieder zurück in die Bundeshauptstadt. Der Cache wird wieder verriegelt und an die Stelle zurückgebracht, wo er gefunden wurde.

Sprengstoffkommando

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Polizei vom Sprengzünderfund zu informieren. Die Beamten leiten alles weitere in die Wege, Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes aus Nürnberg machen die gefährlichen "Spraydosen" unschädlich. Die Polizei lobt die beiden jungen Leute, weil sie genau richtig reagiert hätten, und appelliert in dem Zusammenhang an alle, die irgendetwas Sonderbares finden, es genauso zu tun. Sebastian Pauloweit sagt, dass bei der Schatzsuche solche Funde eher die Ausnahme sind. Allerdings wurden schon mehrere Leichen- und Fliegerbomben von Geocachern entdeckt.

Handy und Kugelschreiber

Wer diese besondere Art der Schatzsuche selbst einmal ausprobieren will, für den hat Sebastian Pauloweit gute Nachrichten. Denn zum Anfangen reiche ein Smartphone und ein Kugelschreiber. Auch eine Powerbank als Stromquelle fürs Handy, Pflaster und eine Taschenlampe empfiehlt er für die Erstausstattung. Es gibt mehrere Internetseiten, auf denen man alles findet, was man zum Geocachen braucht, einschließlich Kartenmaterial und die Standorte diverser Caches.

Wer professioneller einsteigen will, arbeitet mit einem Satelliten-Tracker. Die seien präziser als Smartphones, vor allem bei Regen oder wenn Felsen im Gelände vorhanden sind, erklärt Pauloweit. 375 Schätze hat Sebastian Pauloweit bisher gehoben. Was eher wenig sei. Da gebe es Leute, die bereits 15 000 Finals gefunden haben. So nennen die Geocacher den Platz, wo der Schatz versteckt ist. Kürzlich war er mit seinem Vater Peter vier Tage lang in der Gegend um Albstadt in Baden-Württemberg unterwegs. 88 Kilometer haben die beiden zu Fuß zurückgelegt und Paul konnte sein Konto um 150 Caches erweitern.

Eher durch Zufall kam die Familie Pauloweit zum Geocaching. Bei einem Spaziergang durch den sogenannten "Doost" im Landkreis Neustadt/WN trafen sie einen Cacher, unterhielten sich mit ihm und waren sofort fasziniert von dem, was er da machte. Das ist etwa drei Jahre her. In fünf Schwierigkeitsstufen sind Caches unterteilt. Bei den extremen sei oft auch Kletter- oder Tauchausrüstung notwendig.

Suchtpotential habe diese moderne Schatzsuche durchaus. Manchmal komme es vor, dass man zwar am richtigen Finalpunkt sei, aber trotzdem nichts finde. In dem Zusammenhang bittet Pauloweit die Spaziergänger, die zufällig auf einen Schatz stoßen, ihn einfach liegen zu lassen. Am 1. September begann der gelernte Autolackierer eine neue Ausbildung bei der Bundespolizei in Bamberg. "Auch dort gibt es interessante Caches", freut er sich, dass er auch da seinem Hobby frönen kann.

Stromkasten als Versteck

Cashes gibt es nicht nur im Wald, auf Bergen oder unter Wasser. Auch in der Stadt sind jede Menge versteckt. Manchmal ist das nur eine handelsübliche Stahlmutter, die einen Zettel als Logbuch enthält und irgendwo per Magnet befestigt ist. Die kurioseste Schatzkiste, die Pauloweit kennt, ist ein originalgetreu nachgebauter Stromkasten.

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