09.09.2017 - 19:54 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Waldsassener Klosterchefin Laetitia Fech auf rasanter Fahrt im Porsche 911 Formel Äbtissin

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Kemnath/Waldsassen.  Dass ein schwarzer Porsche 911, der Traum aller Männer, mit Bamberger Kennzeichen am Samstagnachmittag vor dem Haus anhält, registriert Landrat Wolfgang Lippert, der gerade im Garten arbeitet zwar, aber sonderlich erstaunt darüber ist er eigentlich nicht. Als dann aber zwei Frauen aus dem Flitzer aussteigen, bleibt ihm schon für einen kurzen Moment die Luft weg.

Es sind Monika Hohlmeier, die Tochter der CSU-Legende Franz Joseph Strauß und Vorsitzende der Klosterfreunde Waldsassen und Äbtissin Laetitia Fech vom Kloster Waldsassen. Letztere verlässt das Gefährt auf der Fahrerseite. Gut 100 Kilometer haben die beiden Freundinnen, die vor etwa einer Stunde in Bamberg gestartet sind, mit dem Traumauto zurückgelegt und sich während der Fahrt immer wieder abgewechselt.

Mit Edith Lippert, der Ehefrau des Landrats hatte Monika Hohlmeier den Überraschungsbesuch beim Landrat schon lange im Vorfeld abgekartet. Mehrere Telefonate zwischen ihr und Hohlmeier waren notwendig, damit sichergestellt war, dass Wolfgang Lippert bei der Ankunft des überraschenden Besuches auch zu Hause ist und nichts ahnend seiner Lieblingsfreizeitbeschäftigung, der Gartenarbeit, nachgeht. Warum die Äbtissin dieses Ziel bei ihrer Porschefahrt aussuchte, hat einen einfachen Hintergrund.

2014 bei der Verleihung des Bayerischen Gründer-Wirtschaftspreises in Nürnberg in der Kategorie Sonderpreis, wurde Äbtissin Laetitia Fech für ihr gesellschaftliches und kulturelles Engagement in Waldsassen gewürdigt. Die Auszeichnung enthielt auch ein Sicherheitstraining im Porsche Zentrum Berlin. „Ich wusste, dass sich das in meinem Fall nicht verwirklichen lässt. Damals sagte ich zu Landrat Wolfgang Lippert, der bei der Preisverleihung dabei war, …es wäre mein Wunschtraum einmal im Leben Porsche zu fahren. Er lächelte verständnisvoll, sagte weiter nichts und hatte wohl schon die Idee im Kopf.“

Geschenk zum Jubiläum

Als die Äbtissin ein viertel Jahr später, anlässlich ihres 20. Amtsjubiläums als Äbtissin, mit zahlreichen Wegbegleitern in der Klosteraula feierte, hatte sie das damalige kurze Gespräch längst vergessen. Nicht aber der Landrat. Als er bei der Gratulationscour an der Reihe war, machte er den Wunschtraum der Äbtissin wahr. Ein großer Gutschein und ein kleines Modell eines Porsche 911 waren sein Geschenk zum Jubiläum. Der Gutschein enthielt eine Fahrt mit dem Original inklusive 250 Kilometern Strecke. Die Äbtissin rechnete und kam zu dem Schluss: „Jetzt überrasche ich umgekehrt den Landrat und bedanke mich noch einmal persönlich bei ihm, indem ich ihn bei meiner Spritztour in seinem trauten Heim besuche.“

Das ist ihr voll gelungen. Landrat Wolfgang Lippert sagte, „das haben wieder alle gewusst, wahrscheinlich auch im Büro, nur ich nicht.“ Spontan lud er die unerwarteten Gäste zu Kaffee und Kuchen ein und wusste jetzt, warum seine Ehefrau den Nachmittagskaffee ungewöhnlich lange hinausgezögert hatte. Lippert ist selbst Autofan und wollte von der Äbtissin wissen, wie das so ist mit einem 911er. „Wenn man sich erst einmal an das Automatikgetriebe gewöhnt und ein wenig Feeling für das Gefährt entwickelt hat, macht es richtig Spaß. Der Sound und wenn man spürt was für eine Power dahintersteckt, das ist schon grandios.“ Monika Hohlmeier erzählte davon, wie das am Mittag war, als sie beide das Auto abholten. „Ich hatte den Wagen gebucht. Als dem Verleiher dann bewusst wurde, dass die Fahrt eigentlich für die Äbtissin ist, hat er schon erst einmal sichtlich geschluckt.“

Nach der kleinen Plauderei ging es weiter nach Waldsassen, wo die Klosterchefin das Auto dem Konvent vorstellte und ein paar Runden mit den Mitschwestern durch Waldsassen drehte, bevor es zusammen mit Monika Hohlmeier wieder zurück ins Autohaus nach Bamberg ging.

Die Äbtissin liebt Geschwindigkeit

Auf die Frage, was die Äbtissin denn so an diesem Auto fasziniert und ob sie generell ein Autofan ist, antwortet sie: „Mich begeistert seit ich Kind bin, alles was mit Geschwindigkeit zu tun hat. Das ging in ganz jungen Jahren los mit Wasserrutschen oder Schiffschaukeln oder im Herbstplärrer oder beim Oktoberfest beim Achterbahnfahren. Die Jahrmarkt-Bahnen konnten nicht wild genug für mich sein. Ich liebte es, im Gegensatz zu meinen Geschwistern, wenn es rund ging, meine Eltern waren da nicht begeistert, ließen mich aber austoben. Ich liebte Wasser. War fasziniert vom Wasserskifahren im Praktikum in Bühl am Alpsee, Ich sprang mit Vorliebe vom Fünf-Meter-Turm. Das war echt klasse. Kaum ein Mädchen in meinem Umfeld traute sich das. Ich genoss schnelle Skiabfahrten und flitzte auf Schlittschuhen über zugefrorene Seen. Rasante Wettfahrten mit dem Fahrrad waren an der Tagesordnung. Später fuhr ich bei einem Praktikum sehr gerne Motorrad. Ich war fasziniert von den hohen Geschwindigkeiten. Meine Eltern wussten davon übrigens nichts. Deshalb ist es klar, dass ich einmal im Leben auch Porsche fahren muss, um damit fast zu fliegen. Letzteres hebe ich mir allerdings für ganz zum Schluss auf. Ich hoffe nämlich, dass ich einst im Himmel, mit Extraklasse-Geschwindigkeit, nur für mich entwickelt, fliegen darf.“

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