17.10.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

80 Gäste lauschten mit viel Freude dem Goethe-Vortrag im Museumsquartier Goethe ist ein Frauenthema

Wenn von 80 Gästen bei der Stadtmarketing-Veranstaltung "Mein Goethe" am Freitag im Museumsquartier gut 77 weiblichen Geschlechts sind, kann man guten Gewissens davon ausgehen, dass Goethe eher was für Frauen ist. Und wirklich: Die Frauen schmolzen dahin, als die Trierer Schauspieler Hilmar Berndt und Nadine Hoffmann sowie Sopranistin Birgit Muzzolini mit Pianist Reinhard Maier Goethe rezitierten.

Sopranistin Birgit Muzzolini sang in Begleitung von Pianist Reinhard Maier viele vertonte Liebesgedichte von Goethe, darunter "Das Heideröslein" und "Nur wer die Sehnsucht" kennt. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Goethes Genialität bei liebestollen Wortfindungen hatte wohl auch seine Nachteile, denn mit Treue nahm es der Dichterfürsten nicht so genau. Hilmar Berndt verstand es großartig, Goethes größte Leidenschaft - die Frauen - mit fein gewählter Goethe-Lyrik hervorzuheben. Nadine Hoffmann dagegen stellte als Moderatorin das Leben des Dichters und Denkers im Zeitraffer vor. Dabei ließ sie Geschichten und Episoden aus dessen Leben einfließen, die nicht durchwegs bekannt sind. Sie erzählte unter anderem, dass nach der Veröffentlichung der "Leiden des jungen Werthers" Fanartikel auf den Markt gekommen seien. Schon damals also sei Werther schlichtweg mit Luxusgegenständen wie Fan-Tassen und unterschiedlichen Modeaccessoires vermarktet worden. Eine wenig erfreuliche Nebenerscheinung: Auffällig viele junge Männer hätten kurz nach Veröffentlichung des Werthers Suizid begangen, meist in gelben Hosen und mit Goethes Büchlein in der Hosentasche.

Allein Nadine Hoffmann als Moderatorin hätte es am Freitag locker geschafft, mit ihren spannenden Erzählungen die Zuhörer einen ganzen Abend lang zu fesseln. Aber damit nicht genug, lieferte Hilmar Berndt als begnadeter Rezitator stets neues "Liebesleid" mit weiterer Goethe-Lyrik. Zu 80 Prozent waren diese weltberühmten Gedichte, wie sollte es anders sein, einer Frau gewidmet. Die "Marienbader Elegie" war leider zu lang, um vollständig gelesen zu werden. Hilmar Berndt verzichtete auf die kompletten 24 Seiten, Auszüge mussten genügen. "Eines von Goethes schönsten Gedichten", fand Hilmar.

"Zwei Mal war der große Dichter in Marienbad", wusste Nadine Hoffmann. Sie bezog Goethes Nähe zur Oberpfalz und Böhmen ins Abendprogramm mit ein. Denn im berühmten böhmischen Kurort hat ihm Ulrike von Levetzov das Herz gebrochen, sodass Goethe nie mehr hinfuhr. Dazu muss man wissen, dass Ulrike von Levetzov damals 19 Jahre alt war, als sie vom 74-jährigen Goethe einen Heiratsantrag bekam. 13 Mal war der Fürst der Worte aber im beschaulichen Karlsbad.

Die böhmische Kur sei für ihn wie eine Flucht vor dem langweiligen Regierungsleben in Leipzig gewesen, so Hoffmann. In Leipzig hatte Goethe bereits mit 27 Jahren ein Amt ähnlich dem eines Ministerpräsidenten inne. Wirklich "abgehauen" sei Goethe dann nach Italien, gleich für zwei Jahre. Dass er auf seinen Fahrten nach Böhmen Waldsassen und Tirschenreuth passiert hat, ist sicherlich weitgehend bekannt. Dass er aber beim Durchreisen der Kreisstadt mit der Kutsche die "Tirschenreuther Chaussee" als derart trefflich bezeichnet haben soll, "dass sich keine vortrefflichere mehr denken lässt", dürfte neu sein und ließ den in der ersten Reihe sitzenden Bürgermeister Franz Stahl strahlen.

Sopranistin Birgit Muzzolini schlug zwischen Erzählung und Lyrik mit wunderbar dargebotenen, vertonten Werken einmal mehr eine Brücke zum regen Liebesleben des Dichterfürsten. Nicht fehlen durfte der berühmte "Osterspaziergang", den nahezu jeder schon einmal in der Schule hat lernen müssen, sowie natürlich "Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor" aus Faust. Die Zuhörer spendeten viel Applaus und gingen mit neuem Wissen heim. Mit Blumen dankte Karl Jäger vom Stadtmarketing Tirschenreuth den Künstlern für einen schönen Abend.

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