20.06.2017 - 19:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Cooltour-Sommer präsentierte historisches Theater: Kaisertheater bei Kaiserwetter

Glück gehabt: Nichts ist es geworden mit dem Galgentod einer Holzdiebin beim Kaisertheater in Tirschenreuth. Die Hirschauer Ratsherren mussten auf das Spektakel verzichten, obwohl sie die Verurteilte unbedingt "aufknüpfen" wollten.

Kaiser Karl IV. (Horst Schafferhans re.) hat Hirschau den berühmten Handelsweg "Die Goldene Straße" erschlossen. Das Braurecht bekam die Stadt nicht.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Schuld daran hatte Kaiser Karl IV. Wie die nette Episode entlang der Goldenen Straße dazu führte, dass die arme Frau knapp dem Tod entrinnen konnte, demonstrierten deutsche und tschechische Schauspieler aus dem Festspielverein Bärnau und der Komödiant-Gruppe Tachov am Sonntag beim Cooltour-Sommer. Schon seit einiger Zeit ist das Ensemble in Tschechien und der Oberpfalz mit einem historischen Handelswagen unterwegs mit dieser Straßenkomödie. Dabei haben sie es sogar bis nach Prag auf die berühmte Karlsbrücke geschafft.

In Tirschenreuth zog der Handelswagen über die Max-Gleißner-Brücke. Vor dem Hotel "Seenario" spielten die Akteure in der gleißenden Sommersonne den Zuschauern vor, wie Kaiser Karl IV. (Horst Schafferhans) dafür sorgte, dass Hirschau beim internationalen Handel nicht zu kurz kam. Der Kaiser legte per Dekret fest, dass alle Handelswagen auf ihrem Weg von Prag nach Nürnberg über Hirschau zu fahren hatten. Nicht zum Zuge kam Hirschau, ging es ums Bier. Die Hirschauer wollten von Karl IV. das Braurecht. Dann aber stolperte dieser über einen Teppich und fiel zu Boden, was sich für einen Kaiser überhaupt nicht ziemt. Der hohe Adelige war derart erbost, dass er wütend Hirschau verließ - ohne das Braurecht zu erteilen.

Und hier kommt auch die Holzdiebin ins Spiel. Das verweigerte Braurecht kam der Verurteilten zu Ohren. Als letzten Wunsch vor der Hinrichtung verlangte sie von den Ratsherren "einen Krug vom Hirschauer Bier". Kein Braurecht, kein Bier, keine Hinrichtung: Die schlaue Frau musste begnadigt werden.

Das humorvolle Stück barg selbstverständlich jede Menge Geschichtskunde: So hat Kaiser Karl IV. zum Beispiel eine Oberpfälzerin geheiratet. Seine zweite Gattin, Anna von der Pfalz, war Garant dafür, dass der Adelige ausgedehnte Länder in der Oberpfalz sein Eigen nennen konnte.

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