"Die Wanze" im Museumsquartier Tirschenreuth
Perfekte Metamorphose

Eindrucksvolles Theater auf engstem Raum bietet das Landestheater Oberpfalz während des Projekts "FreiRäume" im Tirschenreuther Museumsquartier. Im Insektenkrimi "Die Wanze" brilliert Doris Hofmann gleich in zehn verschiedenen Rollen. Regie führen Theresa Weidhas und Florian Wein. Bild: Grüner
Kultur
Tirschenreuth
13.01.2017
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Ob als Ameise, Wanze, Stubenfliege, Mistkäfer, Regenwurm oder Wespe. In "Die Wanze" brilliert Doris Hofmann als grandiose Solistin. Sie nutzt jeden Winkel des winzigen Saals und nimmt die Zuschauer mit auf ein spannendes Abenteuer.

Die Rolle ist Hofmann auf den Leib geschrieben. Wobei "die Rolle" ihre Leistung nur unzulänglich definiert. Es sind zehn Figuren, die sie verkörpert. Als Wanze Muldoon brilliert sie - unter der Regie von Regie Florian Wein und Theresa Weidhas - am Donnerstag bei der Premiere des Landestheaters Oberpfalz (LTO) im Museumsquartier Tirschenreuth in der Weise der klassischen Privatschnüffler wie Remington Steel, Sherlock Holmes oder Philip Marlowe.

Da ist Jake, die Stubenfliege und Muldoons Freund, die ihren Text stotternd in den Bühnenraum rappt oder Dex und Dax, zwei Regenwürmer, die früher aus einem einzigen, der versehentlich mit dem Spaten zerteilt wurde, entstanden sind und sich, kaum sind sie zusammen, immer wieder in die Haare kommen und in bester Oberpfälzer Manier streiten und fluchen.

Oder die Ameisenkönigin mit herrlich-wisperndem französischen Akzent und Krönchen auf dem Kopf. Kommandant Krag, er ist der Verschwörer und kommt, dem Klischee geschuldet, mit kräftiger tiefer Stimme und russischem Akzent daher. Dixie, der Mistkäfer, betreibt eine Bar im Milieu. Dorthin zieht es Muldoon immer dann, wenn er nicht weiterweiß, Informationen braucht oder nachdenken muss.

Mutig, vorlaut und witzig

Eigentlich ist Muldoon ein Käfer, wird aber von allen Wanze genannt. Er hat alle Eigenschaften, die dem Klischee nach einen perfekten Privatdetektiv ausmachen: klug, mutig, vorlaut und witzig - verdammt cool. Als ihn eines Tages einige Ohrenkneifer bitten, einen verschwundenen Freund zu suchen, zögert er nicht lange. Bei seinen Recherchen stößt er auf allerlei Ungereimtheiten im Insektenvolk. Aufständische Ameisen, kämpferische Wespengeschwader, eine mörderische Riesenspinne und anderes Krabbelgetier sind bald hinter ihm her. Was als harmloser Job beginnt, entpuppt sich als gefährliche Verschwörung - die friedliche Zukunft des Gartens steht auf dem Spiel! Bald sieht es aussichtslos aus für Muldoon, sogar sein Leben ist gefährdet. Dann greift wieder das Klischee und Muldoon bekommt das Böse in den Griff. Nichts anderes will der Zuschauer sehen.

Fein arbeitet Doris Hofmann die Eigenheiten des Insektendetektivs zu seinem menschlichen Pendant heraus. So erzählt sie wie schwierig es ist, mit sechs Beinen im Gleichschritt zu marschieren. Auch die spärlich eingesetzten Accessoires, wie eine Schwimmbrille mit stark vergrößernden Gläsern nutzt sie geschickt, um aus Maldoon blitzschnell in die Rolle der Stubenfliege Jake zu schlüpfen. Eine klassische 1960er Stehlampe mit drei Schirmen setzt Hofmann geschickt ein und formt aus den flexiblen Schirmen einen Blütenkelch.

Die alles entscheidende Schlacht beim Angriff der Wespen auf die Ameisen haben die Techniker hervorragend mit einfachster Lichttechnik in Szene gesetzt. Ein Lichtblitzstroboskop suggeriert dem Zuschauer, dass er im Kampfgetümmel ganz viele Ameisen sieht. Sie alle sind Doris Hofman. Ein schwarzer Ganzkörperbody und eine schwarze Kappe sind alles, was Hofman braucht um die perfekte Ameise zu geben. Spielt sie Muldoon, schlüpft sie in einen Trenchcoat und setzt einen breitkrempigen Hut auf.

Schlauheit, List und Mut sind die Attribute, die Muldoon zum Sieg verhelfen. Sogar den Gartenbesitzer, der an dem heißen Sommertag gemütlich in seinem Liegestuhl vor sich hindöst, benutzt Muldoon als unfreiwilligen Helfer. Durch List gelingt es ihm, dass der Mensch die Spinne zerquetscht, die Muldoon nach dem Leben trachtet.

Mitten auf der Bühne

Die Zuschauer kommen bei der Premiere in den Genuss, bei der Aufführung mitten in der Bühne zu sitzen. Auf engem Raum haben es die Techniker geschafft, fünf Minibühnen zu integrieren. Grandios kommt auch die eher spartanische Beleuchtung zur Geltung und ganz besonders hervorzuheben, ist die Musikauswahl. Wenn Muldoon etwas erklärt, zum Beispiel den Bombardierkäfer, tut er das ähnlich, wie das Armin in der "Sendung mit der Maus" tut. Und auch der Abspann ist grandios. Wie in jedem guten Kinofilm erfährt der Zuschauer von Muldoon, was aus den einzelnen Helden geworden ist.
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