09.03.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Kettelerhaus platzt aus allen Nähten Michl Müller holt zum Rundumschlag aus

Er kommt vom Hundertsten ins Tausendste, lästert über Gott und die Welt und nimmt Probleme zwischen Mann und Frau so richtig auf die Schippe. Ein typischer Abend mit Michl Müller halt, wenn da nicht die Sache mit der Balkon- verkleidung wäre.

Der verknöcherte "Herr Shakespeare" macht Michl Müller (links) weis, dass der Dichter William in Wirklichkeit nicht Angelsachse, sondern ein angelnder Sachse war. Bild: wb
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Der große Saal im Kettelerhaus ist am Donnerstagabend mit rund 700 Besuchern rappelvoll. Seit Oktober 2017 tourt der Franke mit seinem Programm "Müller ... nicht Shakespeare!" durch die Lande. Der aus "Fastnacht in Franken", "Otti's Schlachthof" und anderen Fernsehformaten bekannte Franke zerreißt sich fast drei Stunden lang das Maul über allerlei Modeerscheinungen, Politiker sowie zwischenmenschliche Probleme zwischen Mann und Frau.

Breites Themenspektrum

Michl Müller spannt in seinem kurzweiligen, von vielen Liedern aufgelockerten Programm den Bogen von der Nationalhymne ("wenn schon eine Textänderung, dann auf ,Einigkeit und Recht auf Freizeit'") über Intimrasuren ("auch das Motiv Skyline von Tirschenreuth ist in"), Facelifting und Bauchstraffungen ("zwei Hefeweißbier und ein Pfund Sauerkraut haben die gleiche Wirkung") bis hin zu E-Zigaretten, die er als "brennende Blockflöten" tituliert.

Auch über Shopping-Touren mit der Herzallerliebsten, Whatsapp-Meldungen an Ehefrauen ("da kann ein Mann schnell ins Auge eines Hurrikans geraten"), die eigene Beerdigung ("ich bin schon in 90 Vereinen Mitglied, weil mir die Trauerreden so gut gefallen"), die Grabpflege ("Zucchini und Radieschen sind hier im Kommen") und Duft-Wunderbäumen ("ihre Reste werden heute in den Wasserpfeifen der Shisha-Bars geraucht") weiß er so einiges zu berichten.

Natürlich bekommen im Kettelerhaus auch Politiker ihr Fett weg, ganz im Stile der "Fastnacht in Franken", die Müller zum Durchbruch verholfen hat. Der Comedian zeigt sich überzeugt, dass irgendjemand Kanzlerin Angela Merkel an ihrem Amt festgetackert hat, bezeichnet Ex-Kanzler Gerhard Schröder als "Gasableser von Putin" und Christian Lindner als "Ein-Mann-Boy-Group" der FDP.

"Merkel festgetackert"

An dem scheidenden und dem designierten Ministerpräsidenten des Freistaats führt an diesem Abend natürlich kein Weg vorbei. Horst Seehofer bekomme in Berlin nun ein Superministerium für Fachwerk, Weißwurst und Abschiebung, und Markus Söder habe nicht nur mit der Kreissäge den Stuhl von Seehofer malträtiert, sondern sei sogar extra in die SPD eingetreten, damit es mit Seehofers Amt in Berlin auch wirklich klappe, witzelte der selbst ernannte "Dreggsagg". Und dann sind da natürlich noch die Anspielungen auf die Werke und Schriften von William Shakespeare, die sich wie ein roter Faden durch das Programm des gebürtigen Bad Kissingers ziehen.

Michl Müller philosophiert, wie die Begegnung der beiden Liebenden Romeo und Julia und die berühmte Balkonszene heute aussehen könnten. Aus Romeo wird schließlich Hassan, der mit einem BMW der 3er Reihe am Balkon vorfährt und "I bims" flüstert. Julia arbeitet bei Mc Donalds, findet alles "voll suppi" und zieht schließlich gegen Mandy aus der Plattenbausiedlung den Kürzeren.

Shakespeare ein Sachse

Zu den wenigen Requisiten, die Müller braucht, gehört ein sächselnder Totenkopf, der sich hier und da zu Wort meldet und als naher Verwandter des echten Shakespeare outet. Unter dem Gelächter der Zuschauer klärt er Michl Müller auf, dass der große Dichter in Wirklichkeit Sachse gewesen sei. Die Shakespeare-Persiflage gipfelt schließlich in einer Balkonszene, die an diesem Abend etwas anders als geplant verläuft. Die dem Original in Verona nachempfundene Balkon-Verkleidung verrutscht und droht herabzufallen, was Müller unter dem Gelächter der Besucher nicht nur brillant überspielt, sondern auch noch in sein Programm einbaut.

Lautstark fordern die Besucher eine Zugabe, die der Franke gerne gewährt. Mit einem Potpourri mit Titeln wie "Warum ich bei dir bleibe" (auch unter "Ingwerreibe" bekannt), "Vollwärmeschutz der Liebe" und "Fleischereifachverkäuferin" lässt es Michl Müller musikalisch ausklingen und erntet stehende Ovationen.

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