Krippenschnitzkunst im Stiftland
Von Goasreitern, Mäusen und Bamrutschern

Eine außergewöhnliche Darstellung von der Geburt Christi ist die Indianer-Krippe des verstorbenen Heinz Scharnagl aus Tirschenreuth.
Kultur
Tirschenreuth
23.12.2016
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Die Mitterteicher Krippenschnitzer in ihrem Werkraum im Museum (stehend von links): Richard Rosner, Gerhard Höfler, Erwin Haas, Manfred Dietz, Christian Hampel, Peter Spitzl, Karlheinz Schreiner, Konrad Ernst. Sitzend von links: Reinhold Csakli, Helmut Härtl, Adolf Gold, Gudrun Spachtholz, Josef Reichl, Christoph Daubner, Rainer Gottas, Peter F. Dotzauer und Karl Ockl.

Das Stiftland im Landkreis Tirschenreuth birgt wahre Schätze, die nur zur Advents- und Weihnachtszeit zu sehen sind. Krippenlandschaften mit geschnitzten Figuren, die von der Geburt Jesu, aber auch vom Leben in der Region erzählen. In Tirschenreuth, Plößberg und Mitterteich gibt es regionale Unterschiede.

Plößberg

Plößberg ist eine der Regionen, in der die Krippenschnitzerei in der Tradition der Hauskrippe betrieben wird. Zu jedem Haus gehört die, von den Inhabern geschnitzte und über Generationen fortgeführte und vererbte Krippe. Das verpflichtet auch dazu, dass die Krippen zur Weihnachtszeit im Haus aufgestellt, von Nachbarn besucht oder bei Ausstellungen aufgebaut werden.

Ein vorrangiges Ziel des Oberpfälzer Waldvereins ist es diese Traditionen fortzuführen. Die Figuren einer klassischen Plößberger Krippe sind bunt und mit kräftigen Farben bemalt. Neben der Geburt Christi und vielen anderen biblischen Szenen zeigen sie aber auch zahlreiche Alltagssituationen. Da finden sich Handwerker, Jagdszenen und Bauern bei ihrer Arbeit.

Eine Krippe können dabei 300 und mehr Figuren bevölkern. Der Krippenberg reicht manchmal bis zur Zimmerdecke. Flächen von 20 bis 30 Quadratmeter für eine Krippenlandschaft sind keine Seltenheit. Die Krippenschnitzerei haben die Glasofenbauer mitgebracht. Die zogen in früheren Zeiten von Glashütte zu Glashütte in Tirol, Böhmen und Thüringen und kamen dabei mit diesem Brauch in Berührung. Viele alte Krippen sind Großbränden zum Opfer gefallen, während der Säkularisation war das Aufstellen verboten. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges standen etwa 150 große Hauskrippen im Plößberger Raum. Tiefer schnitt der zweite Weltkrieg ein, die bittere Armut zwang teilweise zum Verkauf. Figuren wurden zum Spielzeug für Kinder. In der Wirtschaftswunder-Zeit galten die Krippen als unzeitgemäß.

Das kehrte sich in den 1970er Jahren um. Die Hauskrippe wurde als Wert wiedererkannt, die Schnitztradition von den Großvätern und Vätern erneut aufgegriffen. Seit 1970 findet alle fünf Jahre eine große Krippenausstellung statt. Abwechselnd zur Krippenschau wird ein "Krippenweg" im Ort angeboten. Die nächste Schau geht 2020 über die Bühne.

Tirschenreuth

Die Tirschenreuther Figuren gehen auf den Kunstmaler Maurus Fuchs zurück. Genauer gesagt auf seine Papierkrippe, die um 1825 entstanden ist. Diese Figuren haben offensichtlich die Tirschenreuther Schnitzer als Vorlagen genutzt und so entstand der typische Tirschenreuther Stil. Der Vorsitzende des Krippenvereins Hans Lindner erklärt, dass heute viele Schnitzer noch immer an diesen Klassikern festhalten, sie quasi kopieren und den eigenen Stil mit einfließen lassen.

Andererseits gebe es aber auch Schnitzer, die davon abweichen und neue Physiognomien einfließen lassen. Die Tirschenreuther Krippenfreunde haben sich 2004 als Verein zusammengeschlossen. Daraus entstand im selben Jahr auch die Schnitzergruppe mit aktuell etwa 10 Aktiven. Bei acht großen Ausstellungen präsentierten sie bereits ihre Schätze, die ansonsten zu Hause aufgebaut werden. Die nächste Ausstellung ist 2018.

Mitterteich

Im Frühjahr 1989 fand sich eine Handvoll Interessierter im Werkraum der Grundschule und beschloss, die alte Tradition des Krippenschnitzens wieder aufleben zu lassen. Die Idee dazu hatte der damalige Mesner Fritz Burger. Jakob Süss leitete die Schnitzer an und zeigte ihnen worauf es ankommt. Der Anfang einer jeden Krippe war ein Schaf - und das musste nach Ansicht von Süss blöken und dünne Beine haben, erinnert sich Gründungsmitglied Adolf Gold noch an die Anfangszeit.

1993 zogen die Schnitzer um in einen größeren Raum im Keller des Kindergartens. Seit 2010 haben sie ihr Domizil in einem Raum im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk. 1998 wurde die erste Krippenausstellung im Kellnerhaus eröffnet. Im Fünf-Jahresrhythmus finden seither Ausstellungen statt. Die nächste 2019. Neben den Krippen sind dabei auch Wandreliefs, Madonnen, Weihnachtsschmuck und diverse profane Figuren zu sehen, denn die Mitterteicher Schnitzer sind nicht auf Krippen beschränkt. Heute reisen auch Schnitzbegeisterte aus Friedenfels, Konnersreuth, Erbendorf und Wunsiedel zu den gemeinsamen Schnitzabenden an.

Weitere Informationen:

www.krippenschau.de
www.krippenfreunde-tirschenreuth.de
www.krippenschnitzer.cabanova.com

Unterschiede in der DarstellungsweisePlößberg

Die Markenzeichen der Plößberger Krippen sind riesige Krippenberge, bestehend aus Wurzelstöcken und unzähligen Baumschwämmen. Die bekanntesten Stückla darin sind der Goasreiter und der Baamrutscher. Die Figuren sind acht bis zehn Zentimeter groß. Manche Krippen beherbergen hunderte Figuren aus der Bibelgeschichte und aus dem täglichen Leben.

Tirschenreuth

Eine Szene ist charakteristisch für die Tirschenreuther Krippen: Der Fuchs, der eine Gans im Fang davonträgt wird von einem Bauern, der einen Prügel über dem Kopf schwingt, verjagt. Es ist das Symbol in der Tirschenreuther Krippe für die Vertreibung des Bösen aus dem Stall zu Bethlehem. Grundsätzlich sind auch heute die Figuren sechs, acht und manchmal zehn Zentimeter hoch.

Mitterteich

Typisch für die Mitterteicher Krippe sind die ungefassten Figuren, die bis zu 60 Zentimeter groß sein können. Das geht auf den ehemaligen Schnitzlehrer Jakob Süß zurück, der immer gesagt hat: "Natur ist Natur." Wer seine Figuren nicht fasse, müsse viel detailgetreuer arbeiten, um die gleiche Ausdruckskraft zu erreichen. Die Landschaften sind klassisch im Nazarener Stil aufgebaut.
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