21.03.2017 - 11:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mit Karneval der Tiere landet das Kammerorchester im Stiftland einen Volltreffer: Singende Esel und blubbernde Fische

Da soll einmal einer behaupten, was nichts kostet, tauge nichts: Nur die ersten beiden Reihen blieben frei am Samstag im Kettelerhaus. Das lag nicht an mangelnden Zuhörern, sondern an deren Schüchternheit. Keiner wollte nach vorne.

Das Kammerorchester im Stiftland hat sich in vielerlei Hinsicht musikalisch enorm gesteigert. Mit dem Karneval der Tiere begeisterten die Musiker ihr Publikum Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Aber ab der zweiten Reihe lauschten die Gäste höchst zahlreich und mit Begeisterung dem Kammerorchester im Stiftland unter Leitung von Jakob Johannes Schröder, der humorvoll einstieg mit "Der Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens. Dazu gab es von den Veranstaltern, Musikschule im Landkreis und Förderverein Mut eine amüsante Dreingabe. Florian Winklmüller, Vorsitzender des Modernen Theaters Tirschenreuth, las mit wohlklingender Stimme den Begleittext zur Musik, geschrieben von Vicco von Bülow (Loriot).

Die Musikerfamilie

Damit wurde der erste Teil des Abends nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, die erstaunlich zahlreich zur Klassik erschienen waren, ein herrlich-humoristischer Hörgenuss in Wort und Musik. Alle hatten ihren Spaß. Damit nicht genug, kamen die Gäste auch noch eine Musikerfamilie vom Feinsten "serviert": Der 62-jährige Jakob Schröder, der im Juni als Leiter der Kreismusikschule aufhört, begrüßte seine beiden Söhne Jakob Johannes und Jonas im Ensemble.

Jakob Johannes Schröder übertraf sich als Dirigent des Kammerorchesters im Stiftland diesmal selbst, sehr zum Stolz des Vaters. "Mit jedem Konzert werden sie besser!", lobte der erfahrene Musikkritiker das Kammerorchester seines Sohnes. Freilich hätte Schröder Junior die Lorbeeren nicht geerntet ohne seine guten Leute. 30 Musiker aus der Heimat, darunter Gymnasiallehrer, ehemalige Kreismusikschüler, über 70-jährige "alte Hasen" sowie Nachwuchstalente, zeigten unterstützt von 20 Gastmusikern ihr breitgefächertes Können. Ging es im ersten Teil locker bis heiter zu, sollte der zweite Teil mit der "Schwanensee-Suite" von Pjotr l. Tschaikowsky das wahre Potenzial des Orchesters erst beweisen.

Große Pianisten

Vorher noch waren es Jakob Schröder Senior und Helmut Burkhardt, die an den Konzertflügeln auf der Bühne die Karnevaltiere derart eindrucksvoll interpretierten, dass es eine echte Freude war, sich beim Andantino "Das Aquarium" vorzustellen, wie sieben japanische Schleierschwänze lächelnd Wasserbläschen produzieren sollen. Ebenso amüsant die Piano-Version singender Esel. Dagegen bekam der Zuhörer beinahe Mitleid mit dem Klavier, als die Elefanten donnernd durch den Saal "trampelten". Gut, dass spätestens beim Andantino granzioso "Der Schwan" alle wieder auf der zärtlich-zurückgenommenen Romantikspur ankamen.

Mit "Brazillera" in drei Sätzen von Darius Milhaud verabschiedeten sich die Pianisten Schröder und Burkhardt vor der Pause höchst beeindruckend, um den Klangraum frei zu machen für die Schwanensee-Suite. Natürlich musste dieser Abend am Ende mit langem Applaus und einer Zugabe enden. Derart schön war's, dass die Geschäftsfrau Lieselotte Kulzer, die kaum eine Kulturveranstaltung in Tirschenreuth versäumt, vor Begeisterung spontan anregte, das heute Gehörte müsse unbedingt ins nächste Kreisstadt-Jahresprogramm aufgenommen werden.

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