16.07.2013 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Modernes Theater Tirschenreuth glänzt mit Eigeninszenierung über Johann Andreas Schmeller Lehrstunde über ein Sprachgenie

Was das Moderne Theater Tirschenreuth (MTT) für die Gartenschau auf die Bühnenbretter im Fischhof gestellt hat, verdient Lob und Respekt. Theater so ganz anders, überhaupt nicht provinziell und erfrischend kreativ, ist ihnen mit der Geschichte aus dem Leben des Johann Andreas Schmeller gelungen.

"Unna Sproach" stellten die Schauspieler auch für die vielen auswärtigen Gäste verständlich dar. Dafür gab es sogar Spontan-Applaus.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Auch wenn die Schnabelmaske des "Dottore della Peste" und die bunten Handspiegel in der Szene, die am Hof des Königs Ludwig I spielt, etwas anderes suggeriert. "Schmeller" ist kein klassisches Stegreiftheater nach der "Commedia dell'arte". Die Inszenierung wirkt zwar in Teilen durchaus so. Improvisiert wird aber nur in ganz engen Grenzen.

Darauf weisen schon die vielen Markierungen auf dem Bühnenboden hin, die den Schauspielern ihre jeweiligen Standorte zeigen. Auch der Text ist streng nach "Drehbuch" angelegt. "Schmeller" ist aus einem offenen Workshop entstanden, den Manfred Grüssner seit April im Kettelerhaus leitete. Grüssner zeichnet auch für die Regie verantwortlich. "Schmeller", das ist modernes, alternatives Theater, nie langweilig, nie überzogen. Beste Unterhaltung eben. Davon wünscht sich der Zuschauer mehr vom MTT, das sich ja bereits dem Namen nach modernen Theaterformen verschrieben hat. Was Schauspieler, Musiker, Sänger und die Helfer im Hintergrund da abgeliefert haben, ist wirklich bemerkenswert.

Manchmal frech

"Wir haben uns monatelang mit dem bekanntesten Sohn unserer Stadt beschäftigt. Wir haben uns dabei nicht immer ganz ernst genommen, bitte tun Sie das auch nicht", begrüßte Manfred Grüssner das Publikum bei den drei Vorstellungen. Fast schüchtern wies er darauf hin, dass das Stück manchmal sogar ganz schön frech geworden ist. Aber vielleicht macht gerade das den besonderen Reiz der Inszenierung aus. Die Musik war in enger Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und dem ehemaligen Kreismusikschulleiter, Maximilian Schnurrer entstanden. Zusammen mit seiner Frau Marianne intonierte er die Aufführungen.

Mit Schauspiel und Gesang interpretierten die Akteure und die Gesangs-Solisten die Geschichte des genialen Sprachforschers. Gewohnt brillierten dabei Sandra Zech und Florian Winkelmüller solo oder im Duett.

"Unna Sproach" war der Favorit des Publikums innerhalb der sieben Szenen. Spontane Bravo-Rufe spendierte dafür das Publikum. Rund 1000 Leute werden es wohl gewesen sein, die am Freitag, Samstag und Sonntag die drei Aufführungen gesehen haben.

Eigenes Denkmal

Wer vorher Johann Andreas Schmeller nicht kannte, verließ nach der kurzweiligen Lehrstunde den Platz mit gewaltigem Wissen über den Sprachforscher, der das bayerische Wörterbuch in vier Bänden geschrieben hat.

Sogar ein Schmeller-Denkmal, wie es am Marktplatz steht, hat das MTT für die Aufführung nachgebaut. Aus Holz und einer Papp-Büste, von der sich der Kopf wegklappen lässt.

Ein Schauspieler nach dem anderen lieh dem Original durch diese Öffnung für einen kurzen Moment sein eigenes Gesicht und erzählte aus dessen Leben. Selten hatte es der Korbflechter-Sohn dabei leicht gehabt. Der Herzenswunsch des Sprachgenies, Lehrer zu werden, erfüllte sich nie.

Französische Revolution

Schmeller war Soldat im spanischen Dienst bei König Karl III, liebte die Französische Revolution, und war Oberleutnant im Jägerbataillon des Illerkreises. Er arbeitete 17 Jahre in der Bayerischen Staatsbibliothek und starb am 27. Juli 1852 in München an der Cholera. Die meiste Zeit seines Lebens hat er in Oberbayern verbracht.

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