28.08.2014 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Autokauf meist noch immer Männersache - Blick auf die Zulassungszahlen Nur mit Segen der Frau

Wer hat im Landkreis Tirschenreuth ein Auto? Und wer bestimmt, welches Modell mit welcher Ausstattung künftig in der Garage steht? Aufschluss liefern Zulassungszahlen, Umfragen und Studien.

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von Autor ZEDProfil

Ferdinand Dudenhöffer, Professor und gerne auch mal als "Autopapst" tituliert, ist kürzlich mit den Autoherstellern ins Gericht gegangen: "Autobauer sind bei der Bevölkerungsgruppe weibliche Autokäufer bis auf wenige Ausnahmen erfolglos." Er schließt das aus den Zulassungs- und Halterzahlen: 51,2 Prozent der Bevölkerung sind Frauen, sagt der Wissenschaftler, aber nur 33,4 Prozent aller Neuwagen der Privatkäufer sind auf Frauen zugelassen.

Auf den ersten Blick scheint das auch die Halterinnen-Zahl im Kreis Tirschenreuth zu bestätigen: 29,7 Prozent der zugelassenen Autos haben Besitzerinnen. Doch es gibt Widerspruch: "Dass Frauen nicht als Halterinnen eingetragen sind, sagt gar nichts, meint Klaus Heschke, altgedienter Vertriebsmann und Pressesprecher des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes. Seine Beobachtung: "Den Mann möchte ich sehen, der einen Autokauf nicht mit Frau oder Freundin abspricht." Erhebungen belegen: Frauen beeinflussen 75 Prozent aller Autokauf-Entscheidungen.

2653 Firmenfahrzeuge

Ein Blick auf die Bestandszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes offenbart für den Landkreis Tirschenreuth: 29 384 Autos haben männliche Halter, was 64,5 Prozent entspricht (Vorjahr: 65 Prozent). Auf Firmen waren 2653 Fahrzeuge zugelassen. Das sind 5,8 Prozent (Vorjahr 5,6 Prozent). 29,7 Prozent der im Kreis Tirschenreuth zugelassenen Autos (Vorjahr: 29,4 Prozent) sind in Frauenhand. Verglichen mit 2013 stieg die Zahl der Frauen mit eigenem Auto um 287. Das entspricht einem Plus von 2,2 Prozent. Bei den Männern stieg die Zahl der Fahrzeughalter von 2010 auf 2011 um 70.

Die Hoffnungen der Autohersteller und -händler ruhen auf den Frauen, weiß Klaus Heschke. "Viele Frauen haben den Führerschein, aber im Moment noch kein eigenes Auto, weil sie das des Ehemanns oder Lebensgefährten mitbenutzen." Damit seien sie potenzielle Kundinnen.

"Es gibt die Prognose, dass der Autobesitz bei Männern und Frauen langfristig gleich sein wird." Doch wenn tatsächlich einmal so viele Frauen wie Männer ein Fahrzeug ihr Eigentum nennen, dann müsste die Zahl der Halterinnen allein im Kreis Tirschenreuth um 16 000 wachsen.

Aber was wollen Frauen? Die männliche Sicht der Dinge: Frauen scheinen kompaktere Autos zu mögen, die aber durchaus schick, dynamisch und Premiumpreise haben dürfen, informiert Professor Dr. Dudenhöffer.

Professorin Dr. Doris Kortus-Schultes, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Auto der Hochschule Niederrhein, erklärt jedoch: "Es ist ein Vorurteil, dass Frauen kein Interesse an großen, schnellen Autos haben." Studien haben zudem gezeigt: Frauen verhandeln beim Autokauf härter.

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