Ehrenamtliches Engagement ja, aber für ein bestimmtes Projekt und von der Zeit her beschränkt
Jugend will sich nicht lange binden

Lokales
Tirschenreuth
24.04.2013
8
0

Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf das Ehrenamt - und vor allem die Jugendarbeit. "Viele Jugendliche lassen sich nicht mehr so binden, wie es früher einmal der Fall war", wusste Professorin Dr. Doris Rosenkranz in der Frühjahrsvollversammlung des Kreisjugendrings im Restaurant "Seenario".

Die Referentin sagte eine Veränderung der Strukturen voraus. Jugendarbeit werde noch wertvoller werden, Jugendliche als "kostbares Gut" behandelt. Die Jugend werde umgarnt und erfahre mehr Aufmerksamkeit als je zuvor.

Die Jugendlichen ihrerseits seien durchaus zu einem Ehrenamt bereit, jedoch anders als bisher. Eben mehr zeitlich und projektbezogen. "Junge Leute von heute können sich nicht vorstellen, 40 oder 50 Jahre für einen Verein ehrenamtlich tätig zu sein, solche Urkunden wird es wohl zukünftig nicht mehr geben."

Es sei weniger problematisch, Jugendliche für ein Event ehrenamtlich zu begeistern, als über einen längeren Zeitraum. "Sie wollen sich engagieren, aber nicht binden lassen. Sie wollen verschiedene Projekte und Vereine ausprobieren." Die Referentin berichtete von einer Konkurrenzsituation mancher Verbände. Es sei ein Wettbewerb entstanden.

Die Jugendlichen hätten die Möglichkeit zu selektieren, auszuwählen, was am Besten für sie geeignet sei. Sie prüften auch, was sie zurückbekommen. Oft seien berufliche Vorteile ein Motiv für ein ehrenamtliches Engagement. Für diesen Bereich müsse jedoch erst noch die Infrastruktur aufgebaut werden. Warum sich Menschen engagieren? "Zum einen, wollen sie etwas Gutes tun, jedoch auch Freude haben und ihre eigenen Kenntnisse erweitern." Die demografische Entwicklung sei nicht aufzuhalten. Die Bevölkerung werde weniger, dafür aber bunter. Und sie werde immer älter.
Im Landkreis Tirschenreuth gebe es seit dem Jahre 2000 rund 25 Prozent weniger Geburten, positive Ausreißer seien Immenreuth, Kulmain, Krummennaab und Konnersreuth. Neualbenreuth habe sogar ein Minus von rund 71 Prozent zu verkraften, zeigte sie anhand einer Statistik auf. Pro Jahr verliere der Landkreis rund 500 Personen.

Die Jugendlichen von heute seien zunehmend mobiler, hätten veränderte Erwartungen, zudem gebe es viele Alternativen. Die Vereine hätten zudem die Konkurrenz von gewerblichen Anbietern zu meistern. Die Vereine müssten untereinander mehr kooperieren und zusammenarbeiten, neue Modelle der Vereinsarbeit müssten entstehen. "Die Vereinszukunft wird also spannend."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.