14.02.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Forstdirektor Gerhard Schneider über das Forstamt Waldsassen und die Arbeit für das Gemeinwohl "Wir sind ein gesunder Betrieb"

Seit die Politik die Staatsforstverwaltung im Visier hat, müssen sich die "Grünröcke" immer öfter unwirtschaftliches Arbeiten vorwerfen lassen. Einer, der es nicht mehr hören kann, "dieses Gerede von der Schwarzen Null", ist der Waldsassener Forstdirektor Gerhard Schneider. "Wir machen Gewinn. Und das seit Jahren," sagt der 50-jährige Amtsleiter.

von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Wie passt das dann mit der geforderten Verschlankung und Umstrukturierung zusammen?

Schneider: Weil oft Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die reine Holzproduktion erzielt Millionen-Gewinne. Da scheuen wir keinen Vergleich mit jedem Privatwaldbesitzer. Wenn wir aber die so genannten Gemeinwohlaufgaben des Forstes gegenrechnen, dann schreiben wir rote Zahlen. Aber das sind doch Dinge von unschätzbarem Wert für die Allgemeinheit. Nehmen wir doch nur mal das Hochgebirge, die Schutzwaldsanierung, die Lawinenverbauungen, den Hochwasserschutz. Das kostet ein Vermögen. Jedes Holzbrett, jeder Zaunpfahl, jeder Nagel muss mit Muli oder Hubschrauber nach oben gebracht werden. Je Hektar Aufforstung sind wir da schnell mit 100000 Euro dabei. Aber der Schutz von Menschenleben muss uns das doch wert sein.

Naja gut, das Hochgebirge. Aber wie ist es denn im Stiftland?

Schneider: Ich kann ja nur für das Forstamt Waldsassen sprechen. Und das hat vergangenes Jahr über zwei Millionen Euro beim Finanzminister abgeliefert. Rund 90000 Festmeter haben wir verarbeitet. Normaler Weise ist es nicht so viel, aber allein der letzte Pfingststurm hat uns in zehn Minuten 50000 Festmeter hergelegt. Wir haben versucht, das aufzuarbeiten, bevor der Borkenkäfer kommt. Das ist uns auch dank unser guten Leute gelungen. Aus eigener Kraft und mit Leuten heimischer Forstunternehmen, möchte ich betonen. Entsprechend hoch ist der Gewinn. Also, wir sind ein gesunder Betrieb. Ich jedenfalls würde sofort Aktien kaufen.

Da geben Sie ein Stichwort vor. Österreich hat seine Bundesforste ja schon in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Schneider: Stimmt. Und die kommt in einer Vergleichsstudie gar nicht gut weg. Vor allem in der Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Bundesforste lassen sich sehr viele Leistungen teuer honorieren. Die Benutzung von Wanderwegen zum Beispiel. Die Tourismusgemeinden legen das über die Kurtaxe auf die Gäste wieder um. Bei uns würde doch niemand dafür zahlen, dass er in den Wald gehen darf. Wir haben noch einen echten Bürgerwald.

Und der ist in Gefahr, wenn es den Staatsforst nicht mehr in der jetzigen Form gibt?

Schneider: Also, so ein private GmbH würde uns ja für diese Gesellschaftsaufgaben die finanziellen Grundlagen entziehen. Wer den Forst in seiner jetzigen Form zerschlägt, kann nicht erwarten, dass der seinen bisherigen Aufgabenkatalog beibehält. Allein das Forstamt Waldsassen gibt jedes Jahr rund 150000 bis 200000 Euro für den Unterhalt seiner rund 300 Kilometer Waldwege aus. Die sind doch sofort auf dem Prüfstand. Für die reine Holzabfuhr reicht es allemal noch.

Schon verstanden. Aber müssen Sie wirklich all das tun so wie Sie es tun?

Schneider: Unsere Leistungen richten sich nach unseren Aufgaben. Und die sind im Waldgesetz festgeschrieben. Waldpädagogik, Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel - warum sollte das ein Privatbesitzer denn tun. Betriebswirtschaftlich bringt das doch überhaupt nichts, aber im Verständnis für den Wald und die Natur unheimlich viel. Allein was das Forstamt Waldsassen im vergangenen Jahr da getan hat: Waldjugendspiele samt Siegerehrung mit weit über 600 Schülern, Schulwaldaktion mit 150 Schülern, Führungen auf dem Walderlebnispfad mit 450 Kindern, die Aktion "Kunst im Wald" schauten sich 250 Besucher an und am Borkenkäferprojekt waren nochmals rund 30 Schüler beteiligt. Unser beliebtes Waldfest erlebten 2000 Besucher, rund 7000 waren beim Museumsfest, wo wir uns mit der Ausstellung Waldarbeit früher und heute beteiligt haben. Und dann war das Forstamt in der Region noch auf drei Messen und Ausstellungen mit rund 45000 Besuchern dabei.

Das ist wirklich jede Menge Holz.

Schneider: Und noch nicht alles. Naturnahe Forstwirtschaft betreiben wir seit 25 Jahren - und das erfolgreich. Wir sind am Bundesnaturschutzprojekt Waldnaabaue maßgeblich beteiligt, haben dort Wacholder gepflanzt, verbuschte Flächen wieder freigestellt, versucht, die richtige Auen- und Moorvegetation herzustellen. Von den 3000 Hektar dort fällt ein Großteil auf den Staatsforst.

Alles schön und gut, aber Anfang Februar fällt die Entscheidung, wie es mit dem Staatsforst weiter geht. Dabei waren die Förster doch sehr stolz, wie sie erst die 95er Reform bewältigt haben.

Schneider: Ja, da haben wir ein atemberaubendes Tempo vorgelegt, 35 Forstämter aufgelöst, 28 Prozent Personal abgebaut. Wir haben da, so wie es gemacht wurde, einen guten Weg gesehen zur Verschlankung und Gewinnoptimierung.

Und jetzt?

Schneider: Eine Frage der Politik. Es gibt da einen Vorschlag. Demnach ruht die zukünftige Forstverwaltung auf zwei Säulen. Die eine übernimmt die Beratung und die hoheitlichen Aufgaben und die andere als öffentlich-rechtliche Einrichtung selbständig den Forstbetrieb. Die Alternative wäre eine GmbH. Ein Gigant auf dem Holzmarkt, der jeden Privatwaldbesitzer an die Wand spielt. Ich sage Ihnen, da gäbe es keine Partnerschaft mehr. Das Klima würde rauer. Was soll so ein Betrieb auch schon Rücksicht nehmen? Oder sich gar zurückhalten, wie der Staatsforst nach den Stürmen Wibke und Lothar? Und der Einfluss der Politik auf so eine GmbH ist gleich Null.

Trotzdem: An einer Umstrukturierung geht ja wohl kein Weg vorbei. Wir haben derzeit 127 Forstämter in Bayern. Wieviele bleiben?

Schneider: Ein Drittel wird verschwinden und der Rest einen ganz anderen Charakter haben. Aber auch das geht nicht von heute auf Morgen. Da ist eine Übergangszeit bis etwa 2008 im Gespräch.

Im Landkreis haben wir mit Waldsassen, Tirschenreuth und Kemnath drei Forstämter. Da müsste dann ja eines verschwinden?

Schneider: Dazu fragen Sie am besten die Politik.

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