In den Mai-Kundgebungen im Stiftland stehen die arbeitenden Menschen im Mittelpunkt
Die Arbeitsarmut nimmt zu

Mit dem 1. Mai endete die Friedenspflicht für die IG Metall. Zur Maikundgebung ins Kettelerhaus zogen die Gewerkschafter mit Fahnen. Bild: kro
Lokales
Tirschenreuth
02.05.2013
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(kro/jr/kdi) "Wir wollen, dass auch bei den Beschäftigten ihr gerechter Anteil am Aufschwung ankommt." DGB-Regionsvorsitzender Helmut Fiedler sprach auf der Maikundgebung in der Kreisstadt zum Thema "Gute Arbeit, sichere Rente, soziales Europa".

"Die Auftragsbücher der deutschen Unternehmen sind prall gefüllt," wusste der Sprecher im Kettelerhaus. Der Arbeitsplatzboom bewege sich größtenteils im Bereich der Leih- und Teilzeitarbeit und den Minijobs. "Es ist ein Boom der Firmen und nicht der Beschäftigten", stellte Fiedler fest.

Immer mehr Menschen fallen laut Fiedler in Armut, während die Reichen immer reicher werden. 1,9 Millionen Menschen arbeiteten in Deutschland mit Stundenlöhnen unter fünf Euro. "Arbeit verliert ihren Sinn, wenn man von dem erzielten Einkommen nicht mehr wenigsten einigermaßen leben kann." Fiedler, zitierte Kardinal Lehmann: "Für was soll Wirtschaft gut sein, wenn nicht für den Menschen." Dies sollten manche Politiker und Wirtschaftskapitäne in Predigten öfter zu hören bekommen.

"Es ist in Deutschland genug Geld vorhanden, nur die Verteilung wird immer ungerechter", meinte Verdi-Gewerkschaftssekretär Karlheinz Winter bei der Maikundgebung im Marktcafé des Mehrgenerationenhauses in Mitterteich . "Während die Einkommen der unteren Einkommensbezieher und der Mittelschicht sinken oder stagnieren, nehmen die Einkünfte des Reichtums unaufhörlich zu." Winter forderte eine Umverteilung der Gelder.
Über fünf Millionen Menschen bräuchten einen Lohn, von dem sie nicht nur leben könnten, sondern nicht mehr auf staatliche Leistungen angewiesen seien. "Wer ein Leben lang hart gearbeitet hat, Kinder großgezogen, Angehörige gepflegt, sich für die Allgemeinheit eingesetzt hat, der muss auch die Sicherheit haben, dass er in Würde altern kann." Mit einem Gedicht von Berthold Brecht schloss Karlheinz Winter: "Reicher Mann und armer Mann, standen da und sah'n sich an. Und der Arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich."

Auch in Waldsassen stellte Karl Toth, Fachsekretär bei der IG Bau, den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt. "Die Arbeitsarmut nimmt immer mehr zu." Mit der Abnahme der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung gehe ein Anstieg geringfügiger Beschäftigungen in Teilzeit, Leiharbeit und befristeten Arbeitsverhältnissen einher. "Wer sich dem Abschluss von Tarifverträgen entzieht, der will offensichtlich im rechtsfreien Raum seine schmutzigen Geschäfte machen", resümierte der Gewerkschaftssekretär.
"Fachleute gibt es nicht zum Nulltarif" so Karl Toth weiter. Bildung und Ausbildung seien der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und seit jeher ein entscheidender Standortvorteil der Wirtschaft in Deutschland. Doch 300 000 junge Menschen stehen seit dem letzten Jahr in Warteschleifen. Die Rente mit 67 lehnte Todt ab, "ist sie doch nur ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm".

Klartext sprach in der Gaststätte "Fichtenschacht" in Wiesau Verdi-Sekretär Helmut Weiß. "Die Menschen brauchen eine Arbeit, die sie ausfüllt, ihrem Leben einen Sinn gibt, sie zufrieden macht und nicht zu Bittstellern." Weiß forderte die Politik auf, endlich zu handeln, denn sie sei für den Super-Gau, den der Arbeitsmarkt erlebe, verantwortlich.

Die Arbeitgeber hätten immer noch nicht verstanden, dass gute Arbeit ihren Preis habe und die Beschäftigten Rechte und eine Würde haben, die man nicht beliebig missachten könne. Die Mitbestimmung der Beschäftigten im Personalrat, Betriebsrat und in den Aufsichtsräten sei gelebte Demokratie. Kritik übte Weiß auch an der Tatsache, dass sehr viele Arbeitgeber nicht ausbilden, aber beklagen, dass es keine Facharbeiter gibt. Vehement forderte er zudem die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro, "Von Hungerlöhnen kann niemand leben."
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