Modernes Theater in Tirschenreuth begeistert mit neuester Produktion - Weitere Vorstellungen
Nachdenkliches und Heiteres im Theater

Lokales
Tirschenreuth
17.06.2008
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Lustiges und Nachdenkliches, Gedichte und Szenen aus Theaterstücken hatten am Wochenende Premiere im Modernen Theater am Luitpoldplatz. Unter der künstlerischen Leitung von Theater-Regisseur Nikol Putz gab es ein höchst abwechslungsreiches Programm mit Texten von Berthold Brecht, Karl Valentin, Fitzgerald Kusz und Rainer Werner Fassbinder.

Aufgelockert wurde die teilweise nicht leicht zu verdauende Kost durch Musik auf Hackbrett und Akkordeon von Luitgard Bauer und Marianne Schnurrer. Eröffnet wurde der Abend mit drei Einaktern von Karl Valentin. Willi Zintl und Gabi Kraus kombinierten meisterhaft den typisch Valentinschen Wortwitz und seine sparsame Verhaltenskomik.

Der Einakter "Ich leb bloß zweimal" von F. Kusz zeigte die lebensfrohe Witwe (glaubwürdig verkörpert von Christl Gleißner), die ihrer habgierigen Schwiegertochter (Gabi Kraus) klarmacht, dass bei ihr erst nach dem Tod geerbt wird.

Die Vorlage für den Einakter ist Brechts "Die unwürdige Greisin", in dem ebenfalls eine Großmutter nach dem Tod ihres Mannes endlich einmal das tun kann, was sie schon immer tun wollte: kleine Freiheiten genießen, ins Kino gehen und sich in gesellschaftlich freidenkenden Kreisen bewegen. Den Text von Brecht las Luitgard Bauer.
Nach der Pause stimmten die Szenen und Texte zunehmend nachdenklich. Der Mensch als größter Zerstörer (Gedicht von Wolf Biermann), "Wir können das Kind nicht ernähren", "Ich liebe dich" und "Um sechs Uhr wird's hell" (Dialogszenen von R.W. Fassinder, gespielt von Sabrina Frank und Christian Seitz) ließen ein nachdenklich stilles Publikum zurück.

Auch der Einakter "Er treibt den Teufel aus" von B. Brecht, in dem die vermeintliche Sittlichkeit im dörflichen Milieu aufs Korn genommen wird, sorgte neben Heiterkeit vornehmlich für Nachdenklichkeit. Provokant und aufrüttelnd wurde "Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer" von H. M. Enzensberger gesprochen.

Auch die weiteren Texte von Bertold Brecht, Marie Luise Kaschnitz, und Robert Gernhardt passten sich dramaturgisch geschickt angeordnet in das abwechslungsreiche Programm ein. Zum Ende sang das gesamte Ensemble einen Schluss-Song nach der Melodie von "Mackie Messer" aus der Dreigroschenoper (Weill/Brecht).

Ein Besuch des Modernen Theaters lohnt sich auf jeden Fall. Wer bei der Premiere nicht dabei sein konnte, hat noch bei weiteren Vorstellungen am 19./20./21. und 22. Juni jeweils um 20 Uhr im Theater am Luitpoldplatz die Möglichkeit, modernes Theater in passendem Ambiente zu erleben.

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