Pavel Vanousek nimmt im Kreisausschuss zur geplanten Müllverbrennungsanlage in Eger Stellung
Offen reden unter Freunden

Steffen Zagermann, Geschäftsführer der Firma "Terea" und möglicher Bauherr und Investor, erklärte die Technik. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
16.04.2013
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"Unter Freunden soll man offen reden." Der Egerer Oberbürgermeister Dr. Pavel Vanousek nahm sich im Kreisausschuss kein Blatt vor den Mund. Zusammen mit dem Geschäftsführer der Firma "Terea", Steffen Zagermann, informierte er das Gremium über die geplante Müllverbrennungsanlage in Eger.

Freilich könne er verstehen, dass sich die Menschen hierzulande Gedanken über umweltschädliche Gase machten. "Glauben sie mir: Ich würde in einer Stadt, noch dazu in der, in der ich selbst lebe, nie etwas bauen, was Schaden für Bevölkerung oder die Umwelt nach sich ziehen könnte." Gleichzeitig wies der Sprecher darauf hin, dass für Tschechien als EU-Mitglied selbstverständlich dieselben Grenzwerte wie für Deutschland gelten und einzuhalten seien. Berechnungen zufolge, läge man bei der geplanten Verbrennungsanlage bei den meisten Parametern sogar weit unter den zugelassenen Werten.

In Eger seien im Gegensatz zu Deutschland, wo die Landkreise für das Müllmanagement zuständig sind, die einzelnen Gemeinden selbst mit der Problematik der Entsorgung betraut, so Vanousek.

Von der Müllverbrennungsanlage profitiere der ganze ehemalige Landkreis Eger, also die Stadt Cheb und das Gebiet zwischen Asch und Marienbad. "Die passende Technologie ist vorhanden", erklärte Vanousek. Strategisches Ziel sei es, Müll zu entsorgen, die Gebühren dafür zu senken und die Heizkosten einzufrieren.

Handeln ist notwendig

Der Sprecher erklärte, dass die Notwendigkeit zu handeln in einem neuen Gesetz begründet läge. Demzufolge dürfe ab 2013 nur noch die Hälfte des bisherigen Müllaufkommens deponiert werden.

Die Verbrennungsanlage sehe zwei Linien vor, erklärte Steffen Zagermann, Geschäftsführer der "Terea", einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der Stadt Eger und des bundesdeutschen Versorgers Gelsenwasser AG. Er wird auch als möglicher Investor und Bauherr gehandelt. Insgesamt sollen jährlich 10 000 Tonnen Müll verbrannt werden. In der Endphase bis 20 000 Tonnen.

Eine Linie laufe dabei das ganze Jahr über, die andere zusätzlich nur im Winter. Die Rauchgasreinigung eliminiere Staub, Säuren, Dioxine und Ammoniak bis weit unter die vorgeschriebenen EU-Grenzwerte. 30 000 Tonnen Hausmüll fielen im ehemaligen Landkreis Eger jährlich an. Mit der Anlage können fünf Megawatt Wärme erzeugt werden. Entstehen soll die Verbrennungsanlage in einem Industriegebiet hinter den Bahnschienen an der östlichen Peripherie der Stadt. Dort werde derzeit noch ein Braunkohlekraftwerk betrieben, das mit Inbetriebnahme der Müllverbrennungsanlage stillgelegt werde. Noch laufe die Umweltverträglichkeitsprüfung für die Verbrennungsanlage.
Nach den Ausführungen der tschechischen Gäste sah das Gremium keine Bedenken gegenüber der Anlage. Für Landrat Wolfgang Lippert war die Aussage entscheidend, dass sämtliche Parameter dem EU-Recht entsprechen und damit die Immissionswerte als unbedenklich eingestuft werden könnten.

Beherrschbare Sache

Franz Heinrich (Bündnis90/Grüne) stuft die Anlage ebenfalls als gefahrlos ein. Ein grenzüberschreitendes Verfahren sei nur gerechtfertigt, wenn wirklich negative Auswirkungen zu erwarten wären. Im speziellen Fall läge die Entscheidung bei der tschechischen Regierung. Toni Dutz (CSU) sagte, dass die Müllgrundsätze überall die gleichen wären und alle bestrebt seien, Müll erst gar nicht entstehen zu lassen. Die Müllverbrennung im Nachbarland stuften er und seine Fraktion als "eine beherrschbare Sache" ein. Rainer Fischer sah das genauso. Den Besuch der tschechischen Gäste an sich wertete der SPD-Mann als vertrauensvolle Geste.
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