19.03.2011 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Seit 25 Jahren Ewige Anbetung in Tirschenreuth - Interview mit Stadtpfarrer Georg Flierl In der Stille vor Gott da sein

Mitten in stiller Nacht, "nebenan" bei den Gottesdiensten oder fast unbemerkt abseits der hektischen Tages-Betriebsamkeit: Seit 25 Jahren folgen die Gläubigen in der Kreisstadt einem Wunsch von Papst Johannes Paul II. und kommen zur "Ewigen Anbetung". Die Gnadenkapelle der Stadtpfarrkirche ist in der Kreisstadt ein Hort dieser sehr persönlichen Momente in der Beziehung zu Gott.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Am 21. März 1986 stellten sich der damalige Stadtpfarrer Georg Maria Witt, sein Kaplan Georg Flierl und die Gläubigen erstmals dieser großen Aufgabe. Das Jubiläum nutzt NT-Redakteur Werner Schirmer zu einem Gespräch mit Georg Flierl, der seit elf Jahren als Stadtpfarrer mit die Verantwortung für diese besondere Aufgabe übernommen hat.

Hat der damalige Stadtpfarrer damit ein "schweres Erbe" hinterlassen?

"So möchte ich das nicht sehen. Ich war ja schon als Kaplan zu dieser Zeit in Tirschenreuth und deshalb mit der Entstehung vertraut. Aber 2000, als Pfarrer Witt sein Ruhestandsgesuch eingereicht hatte, habe ich nach elf Jahren in Eschlkam schon damit gerungen, mich als Nachfolger zu bewerben. Entscheidend war dann, dass ich als Kaplan bei der Einführung, auch der Wallfahrt, dabei war. Und ich habe hier meine Pflicht gesehen, einen Beitrag zu leisten, dass es auch weitergehen kann."

Wie ist der Rückhalt in der Pfarrgemeinde?

"Bislang waren immer ausreichend Unterstützer vorhanden. Es war vor 25 Jahren die Zielsetzung, für die 168 Wochenstunden jeweils zwei Anbeter zu finden. Bei den acht Sonntagsgottesdiensten ist damals dafür geworben worden. Nach der ersten Vorabendmesse hatten wir 42 ausgefüllte Zettel mit Namen. Mit den acht Gottesdiensten hochgerechnet wäre dann die Zahl 336 herausgekommen. Vielleicht hat uns der liebe Gott damals schon einen Wink gegeben, dass das etwas wird." Ist es schwerer nach 25 Jahren Mitbeter zu finden?

"Es ist bisher immer wieder gelungen, dass die Lücken, die sich durch Krankheit oder Sterbefälle aufgetan haben, gefüllt werden konnten. Wir haben damals auch nicht gewusst, ob es funktioniert. Freilich hat es viele Vorgespräche gegeben, aber viele Punkte haben sich halt dann so ergeben. Dabei sind die Gläubigen selbst auch sehr flexibel, suchen Ersatz, falls sie einmal ihre Zeiten nicht ausfüllen können. Mitunter sind auch Familien in der Liste eingetragen.

Natürlich wird es nicht einfacher. Wir brauchen uns da keine Illusionen machen. Das Reservoir aus dem man schöpfen kann ist kleiner geworden. Ich glaube die Pfarrei hat seit damals mindestens 1000 Angehörige weniger. Und auch die Entwicklung, was die religiöse Substanz angeht, ist bemerkbar."

Gibt es Zeiten, die nur schwer zu besetzen sind?

"Freitagmittag oder am Wochenende gibt es Stunden, die sind nicht so hoch im Kurs. Da gibt es halt Situationen, wo man für die Familie da sein will. Und die Nachtstunden kosten schon etwas Kraft. Doch die Menschen sind auch verschieden. Manche können in der Nacht leicht aufstehen." Wie ist es bei ihnen?

"Meine Stunde ist montags von 2 bis um 3 Uhr. Die habe ich von Pfarrer Witt geerbt. Ich gehöre zu den Menschen, für die das Aufstehen in der Nacht schon ein Kampf ist. Und der unterbrochene Schlaf wirkt sich auch auf den anschließenden Tag aus. Doch ich bin seit 2000 in dieser Stunde."

Gibt es Anbeter, die seit Anfang an dabei sind?

"Da sind schon einige, die seit 25 Jahren konstant dabei sind. Eine Auszeichnung zum Jubiläum ist aber nicht geplant. Wir haben da schlicht keine Buchführung. Ich hoffe, dass der liebe Gott einmal das seinige macht."

Welche Eindrücke sammeln die Teilnehmer der Ewigen Anbetung?

"Alles, was einem so durch den Kopf geht, nimmt man einfach mit rüber. Es ist eine Chance, dass man zur Ruhe kommt, dass sich manches setzen kann. Ich vergleiche das gerne mit einem Tümpel, in dem der Schlamm durch das Umherwaten aufgewühlt wird. Dann ist der Grund nicht mehr zu sehen. Erst wenn eine Zeitlang Ruhe ist, kann man wieder bis auf den Grund sehen. Und vielleicht ist das so ähnlich mit unserem Innern. Jeder Mensch der kommt, kann dadurch auch die Chance erhalten, seine Beziehung zu Gott, zu Christus zu vertiefen. Das sollte das zentrale Anliegen sein." Was bringt das Beten?

"Natürlich hat jeder Anliegen, wo er hofft, dass sich manches zum Guten wendet. Das soll auch so sein. Aber die Überschrift ist immer: Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. Es wäre deshalb ein falsches Verständnis vom Beten, wenn ich Gott als 'Supermarkt' sehen würde, in dem ich mir die Angebote heraussuchen kann. Ich muss mir vielmehr im Klaren sein, dass die Wege und Pläne Gottes sich manchmal von dem unterscheiden, was ich mir als Mensch vorstelle.

Es geht vielmehr darum, dass der Mensch sich einlässt darauf, verfügbar zu werden für das, was Gott von ihm erwartet. Die Anbetung ist auch Gelegenheit, sich ein Stück weit in diese Richtung zu entwickeln."

Was wird denn gebetet?

Das ist den Leute selbst überlassen. Auch wenn sich jemand nur eine Stunde hinsetzt und zur Ruhe kommt, dann ist das völlig in Ordnung. Es ist wichtig für das Glaubensleben, dass der Mensch es lernt, in der Stille vor Gott da zu sein. Da gibt es kein Pensum, das abzubeten ist. Wichtig ist, dass der Mensch in die Beziehung mit Gott eintritt, von Herz zu Herz - dann ist das Wichtigste passiert.

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