Sudetendeutsche Landsmannschaft will Vertreibung nicht in Vergessenheit geraten lassen
Die Erinnerung wach halten

Lokales
Tirschenreuth
19.04.2013
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(nt/hä) Die politischen Ereignisse der letzten Monate und die Ehrung langjähriger Mitglieder standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Dazu hatten Ortsgruppe und Kreisverband in den Gasthof Kühn eingeladen.

Vorsitzender Horst Adler nannte in seinem Tätigkeitsbericht eine Vielzahl von Terminen, die er im vergangenen Jahr wahrgenommen hatte. Dabei hob er besonders den Festakt in der Bayerischen Staatskanzlei anlässlich der 50-jährigen Schirmherrschaft der Staatsregierung über die Sudetendeutsche Volksgruppe und das 20-jährige Bestehen der Euregio Egrensis im Theater in Bad Elster hervor.

Geehrt wurden für 20 Jahre Mitgliedschaft Gerlinde Dorsch, Paula Nurtsch, Marga Fähnrich, Gerhard Richter und für 25 Jahre Karl Härtl, Ilse Mark, Manfred Minnich, Horst Wagner und Horst Adler. Seit 30 Jahren dabei sind Horst Haidl, Wolfgang König und Ernst Köstler. 45 Jahre sind es gar bei Gerhard Neudert und Franz Pfaffl. Walter Siegert und Gisela Berndt halten der Landsmannschaft seit 55 Jahren die Treue, Anton Reiter seit 60 Jahren. Zusätzliche Ehrungen vom Kreis gingen an Eduard Philipp, Wiesau, für 25 Jahre und Hans Wettinger, Bärnau, für 60 Jahre.

Horst Adler bedauerte, dass sich bei den Präsidentschaftswahlen in der Tschechischen Republik der sozialdemokratische Kandidat Milos Zeman durchgesetzt hat. In der von Zeman teilweise unwürdig geführten Auseinandersetzung habe die "Deutsche Karte" wieder einmal eine wesentliche Rolle gespielt.
Dagegen habe der tschechische Premierministers Petr Necas in München den richtigen Ton getroffen, indem er die Vertreter der Sudetendeutschen als "werte Landsleute und ehemalige Mitbürger" ansprach. Die gemeinsame Geschichte verpflichte, für eine gemeinsame Zukunft zu arbeiten. Bemerkenswert war für Adler, dass das Wort "Vertreibung" und eine so deutliche Entschuldigung aus dem Munde eines führenden tschechischen Politikers bis dahin noch nie gehört worden war.

Nachträgliche Enteignung

Zum Thema "Egerer Stadtwald" wies Horst Adler darauf hin, dass die Grundstücke und Immobilien nun endgültig der Stadt Cheb zugesprochen wurden. Bedauerlich sei, dass dies in der Öffentlichkeit als Erfolgsgeschichte mit "Happy End" dargestellt worden sei, während die Menschen die politische Unterstützung vermissten und den endgültigen Verlust des Waldes als nachträgliche Enteignung empfänden.

Welche konkreten Projekte die neugegründete Stiftung realisiere, werde vom Einsatz der Vorstandschaft abhängen, in der neben Landrat Wolfgang Lippert und Bürgermeister Albert Köstler auch der Vorsitzende des Egerer Landtages, Leopold Uhl, vertreten sei. Ebenso bleibe abzuwarten, ob die Stadt Bärnau und auch viele Privatpersonen ihren Besitz jenseits der Grenze zurückerhielten.
Kreisobmann Baldur Bodenstein erinnerte in seinem Vortrag an die Errichtung des Denkmals für das ehemalige Auffanglager für Flüchtlinge und Heimatvertriebene auf dem Bahnhofsgelände in Wiesau. Die eindrucksvolle Granitsäule mit den Informationstafeln aus Edelstahl sei eine bleibende Erinnerung an das schwere Schicksal von fast 800 000 Menschen, für die der Bahnhof Wiesau und das Lager die erste Anlaufstation nach der Vertreibung aus ihrer Heimat gewesen sei.

Beständigkeit notwendig

Der erhebliche Kostenaufwand konnte durch Spenden und Zuschüsse mehrerer Sponsoren gedeckt werden, wofür allen ein herzlicher Dank galt. "Die Beständigkeit der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist notwendig, um das Geschehen der Vertreibung wach zu halten", so Baldur Bodenstein. Nirgends werde zur Zeit soviel an der Geschichte herumgefälscht wie in Deutschland. "Wenn es die Landsmannschaft nicht gäbe, wäre die Vertreibung entweder längst total vergessen oder so dargestellt, dass es sie gar nicht gab. Oder sie würde als harmlose Umsiedlung dargestellt."
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