"Tirschenreuther Masskrug" war einst ein Markenname
Besondere Qualität

Lokales
Tirschenreuth
30.08.2014
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Eine sehenswerte Ausstellung über Maßkrüge findet sich derzeit im Museum Mitterteich. In Hirschau war eine wichtige Fertigungsstätte statt. Vergessen ist längst, dass solche Bierkrüge einst auch aus Tirschenreuth kamen. "Tirschenreuther Masskrug" war ein Markenname für besondere Qualität und einst weit über den Ort bekannt.

Das Material für die Masskrüge, der weiß brennende, helle Ton, stammte aus den hiesigen "Doagalechan" (Teiglöchern) bei der Maria-Weiher-Kurve. Tirschenreuther Bierkrüge waren begehrt in der Region. Das belegt ein archivalischer Fund im Staatsarchiv Amberg: Anno 1760 wird der Wert der Erbschaft des verstorbenen Bürgermeisters von Moosbach (b. Vohenstrauß) aufgelistet: Johann Forster hinterlässt u. a. "1 steinernen Tirschenreuther Maßkrug" mit Zinndeckel im Werte von 10 Kreuzer. Damals der Handwerker-Lohn eines drittel Tages. (Quelle: Briefprotokoll VOH Nr. 994) .

Einnahmequelle für Stadt

Ein gelb glasierter "Tirschenreuther Steinkrug" mit weißem Unterboden steht im Museumsquartier (MQ), ein Krug der hiesigen Weißbier-Brauerei Geyer. Welche Keramikfabrik in Tirschenreuth mag ihn hergestellt haben? Die äußerst feine, weiße Tirschenreuther Spezialtonerde war einst als Werkstoff für Schmelzhäfen in Glashütten begehrt. Sie stellte aber auch eine Einnahmequelle für die Stadtkasse dar! Das belegen Jahresrechnungen der Stadt. Einige wenige "Kammerrechnungen" sind im Stadtarchiv (Teil I) erhalten, darin die Rubrik: "Einnamb an Dahen Zinnß" (Einnahme durch Ton-Verkauf); "6. April 1612 - 2 Fuder Ton auf die Neue Glashütte bei Hohenthan - 8 Kreuzer" (Anm.: Für uns die - Altglashütte!); "16. August 1612 - 4 Fuder Ton zur Neuen Glashütte bei Waldthurn, wurde auf zwei Mal abgeholt. 16 Kreuzer."; "26. Sept., dem Georg Brenner, Hüttenmeister von Roßhaupt/Böhmen, 2 Fuder Ton - 8 Kreuzer." Auf der Altglashütte wurden Reste dieser "Häfen" ausgegraben. Sie hielten den hohen Temperaturen bei der Glasschmelze längere Zeit stand.

Erzeugnisse aus diesem weißbrennenden Tirschenreuther Ton werden oft mit Gips verwechselt: Manche Stiftländer besitzen das angeblich gipserne Abbild der "Schmerzensmutter von Tirschenreuth". Doch es ist aus hiesigem Ton von den "Doagalechern" gemodelt und gebrannt - von hiesigen Hafnern. Einige davon lebten vor langer Zeit in der "Hafnergasse" (Angermannstraße). Hafnerei war ein handwerkliches Kunstgewerbe. Daraus entwickelte sich um 1900 wegen des nahen Rohstoffes die noch bekannte keramische Industrie.

Hafnergewerbe

Ein wichtiger Eintrag zum Hafnergewerbe fand sich im stiftischen "Musterungsbuch Nr. 18". Im Jahr 1560 werden zwei Hafner in Tirschenreuth genannt. Der eine "uff dem Graben im 1. Viertel" (Ringstraße Nord) ist "Jörg Schrodt, Hafner von Amberg". Er begründete die Sippe der "Schrott-Hafner". Sie lebte und arbeitete bis ins 20. Jahrhundert in Tirschenreuth.
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