19.02.2008 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Überdrehte Diva, alternder Vater und ein mütterlicher Sohn: Hochkarätige Schauspieler im ... Liebeslügen entpuppen sich als Lebenslügen

von Autor HEBProfil

Eine Komödie mit tiefgründigem Ausgang stand am Valentinstag im Theaterprogramm der Stadt. Hochkarätige Darsteller präsentierten "Liebeslügen" von Michael McKeever auf der Bühne des Kettelerhauses. Im Zentrum des Geschehens stand das Leben einer etwas ver- und überdrehten Schauspielerfamilie.

Die Probleme werden sichtbar, als Edmund DuPre (Wolfgang Hinze), der Vater der begehrten Diva Mallory DuPre (Diana Körner), in ihre Wohnung einzieht. Die Beziehungen der beiden ähneln sehr einer Hassliebe. Die Tochter, die jahrzehntelang 42. Geburtstag feiert, macht ihren Vater für ihr ausschweifendes Leben verantwortlich. Ihr Tun vor sich selber zu rechtfertigen, fällt ihr nicht ein.

Selbstbewusst nimmt sie etwa einem Theatergast, dessen Handy mitten in ihrem großen Auftritt als Medea klingelt, das Telefon ab und hebt ab, ohne an die Folgen zu denken. Denn als das Geschehen am nächsten Tag in der Presse ausführlich behandelt wird, sorgt dies für große Aufregung. Ein "Blauer Pillen-Tag" bricht an.
Sohn Christian Knight (Ottokar Lehrner) versucht, als Manager etwas Ordnung in den Alltag zu bringen: Er hat alle Hände voll zu tun, seine Mutter zu "bemuttern". Dann kommt Vater Edmund ins Spiel, ein alternder Schauspieler ohne Rollen, der Asyl bei Mallory sucht.

Diana Körner verkörpert die erst überraschte, dann hysterische Tochter einfach wundervoll. Mit ihrer Stimme bringt sie Unverständnis, Abwehr und Angst unglaublich präzise zum Ausdruck. Im Zuschauerraum ist ihr Seelenzustand bedrückend greifbar. Ottokar Lehrner als ihr Sohn zeigt die Besorgnis nicht minder ausdrucksstark, versucht aber zu vermitteln.

Während der Einzugs-Verhandlungen erlebt Vater Edmund einen Herzinfarkt. Nach seiner Genesung wird eine Krankenpflegerin eingestellt. Mehrere Anläufe sind nötig, bis mit Alice Slade (Jenny-Joy Kreindl) eine passende Kraft gefunden wird. Durch das liebevolle Verhalten von Alice zeigt sich erstmals ein kleines "Tauwetter" in der Beziehungskiste.

Dann bekommt Mallory eine neue Rolle und geht förmlich in ihr auf. Sie schreckt auch vor einer Beziehung mit dem Schauspielkollegen Tony (Nic Aklin), der etwa im Alter ihres Sohnes ist, nicht zurück. Schockiert durch Tonys morgendliches Auftauchen im Adamskostüm, zeigt sich Christian im Moment etwas ratlos. Der nächste Schock ist für Mallory bestimmt - die erfährt, dass ihr Vater Edmund im gleichen Stück mitspielt.

Wolfgang Hinze mimt hier überzeugend den erfahrenen Schauspieler in seinen verschiedenen Facetten. Der Zuschauer glaubt an ein Happy-End. Doch im zweiten Akt wird Vater Edmund DuPre beerdigt. Das ist der Auslöser zum Zusammenfinden von Mutter und Sohn: Beide finden nicht nur zueinander, sondern auch zu sich selbst.

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