14.11.2017 - 20:08 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bei Bürgermeister reißt der Geduldsfaden Kreisräte fordern Verkehrsgipfel

Bei Kemnath eine monatelange Totalsperrung wegen eines Brückenneubaus, bei Mitterteich eine Umleitung wegen der Sanierung des Kreisverkehrs, bei Krummennaab eine Sperrtafel wegen Fräsarbeiten ... Eine Fahrt durch den Landkreis ist seit Wochen ein Geduldsspiel.

In Mitterteich gilt auf der Umleitungsstrecke in der Stadt nun teilweise Tempo 30. Bild: jr
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Bei Bürgermeister Roland Grillmeier aus Mitterteich (CSU) ist der Geduldsfaden mittlerweile gerissen. Er sei auf 180, so ließ er im Kreisausschuss am Montag in der ehemaligen Krankenpflegeschule wissen. Die kurzfristig bekanntgegebenen Arbeiten am Mitterteicher Kreisel mit Umleitung über die Mitterteicher Ortsdurchfahrt und durch Großensterz bringen den Rathauschef auf die Palme. In Mitterteich gebe es jetzt ständig Unfälle. Er habe auf der Ortsdurchfahrt deshalb Tempo 30 angeordnet. Die umgeleiteten Lkw rumpelten zudem täglich in Großensterz über die Bankette. "Wie die Leute dort drauf sind, kann man sich vorstellen. So geht es nicht", schimpfte Grillmeier.

"Das was nun andernorts passiert, gibt es bei uns in Waldsassen täglich. Und niemand fühlt sich zuständig, die Straßenbauarbeiten zu koordinieren", stimmte Bürgermeister Bernd Sommer (CSU) in das Klagelied ein. Der Kemnather Werner Nickl (CSU) ist ebenfalls seit Monaten ein von Baustellen leidgeprüfter Rathauschef. Er kann sich nicht daran erinnern, dass es im Landkreis schon einmal eine so intensive Bautätigkeit auf Bundes- und Staatsstraßen gab.

Sein Kulmainer Kollege Günter Kopp (Zukunftsliste) berichtete, dass in den Orten Zinst und Altensteinreuth seiner Gemeinde wegen der ausgeschilderten Umfahrung von Kemnath bereits Kanaldeckel beschädigt seien. Unter Umständen sei auch die neben der Straße verlegte Wasserleitung in Mitleidenschaft gezogen. Schwere Holz- und Milchlaster würden zudem einfach die auf 12 Tonnen beschränkte Zinster Brücke überqueren, um ein Stück abzukürzen. Das Bauwerk sei nicht auf solche Brummis ausgelegt.

Landrat Wolfgang Lippert räumte ein, dass er sich ebenfalls nicht an solch "gehäufte Straßenbaustellen" im Landkreis erinnern könne. "Ich fahre jeden Tag von Kemnath nach Tirschenreuth. Das ist schon der Wahnsinn." Allerdings bat er darum, die Bauarbeiten grundsätzlich positiv zu sehen. Lippert: "Dass das Straßenbauamt was im Landkreis macht, ist zu begrüßen."

Der Landrat hatte das Thema selbst aufs Tablett gebracht, weil ihm einige Äußerungen der Bürgermeister in den vergangenen Tagen sauer aufgestoßen waren, darunter die in einer Waldsassener Stadtratssitzung getroffene Aussage von Bürgermeister Sommer, der bei der Umsetzung der anvisierten Sperrung der Ortsdurchfahrt für Lkws von einer "gewissen Hilflosigkeit" im Landratsamt gesprochen hatte. Das wies der Landrat vehement zurück. Der schriftliche Antrag, auf den sich diese Aussage beziehe, sei erst jetzt im Landratsamt eingetroffen. Erst jetzt sei es an der Zeit, sich über konkrete Sperrungen und Beschilderungen Gedanken zu machen. "Diese Aussage war deplatziert und kontraproduktiv", schimpfte Lippert. Dem hielt Sommer die detaillierten Vorarbeiten, welche die Stadt Waldsassen dafür geleistet habe, entgegen, die nach seiner Meinung eigentlich Aufgabe des Kreises gewesen wären.

Die Frage, wer zuständig war, wurde zur Nebensache. weil sich die Diskussionen immer mehr um einen Verkehrsgipfel mit Vertretern des Straßenbauamtes drehten, um künftig Maßnahmen besser abzustimmen. Dabei sollen spätestens im Frühjahr alle geplanten großen Projekte, auch auf Kreis- und Gemeindestraßen, auf den Tisch kommen. "Wir müssen uns aber auch im Klaren sein, dass verschiedene Maßnahmen nur in einem bestimmten Zeitkorridor planbar sind", dämpfte Lippert zu große Hoffnungen. Zudem müsse der Verkehr bei jeder Sperrung irgendwo anders hingleitet werden.

Der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl (CSU) bat ohnehin darum, nicht nur über Baustellen zu reden. Grund für das herrschende Chaos auf einigen Straßen sei ein gigantisch angestiegenes Verkehrsaufkommen in der Region. "Das hat neue Dimensionen erreicht. Und der Verkehr wird noch weiter zunehmen." Leider sei es nach dem Schienenabbau vielerorts nicht mehr möglich, Transporte auf die Bahn zu verlagern. Es sei deshalb nicht damit getan, Baustellen abzustimmen, sondern man müsse Verkehrsströme analysieren und Trassen suchen, die für den Schwerlastverkehr geeignet seien.

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