Förderoffensive Nordostbayern läuft an
Innenstädte aufpeppen

Leerstände wie hier in der Tirschenreuther Dammstraße sollen mit der neuen Förderoffensive beseitigt werden. Bild: bz
Politik
Tirschenreuth
07.12.2016
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Revitalisierung heißt das Zauberwort. Attraktive Ortskerne sollen auch ein attraktives Wohnumfeld schaffen. Und so der Abwanderung entgegenwirken. Kostet Geld, lohnt sich aber. Und das sagt nicht nur die Staatsregierung.

Erst war die Enttäuschung groß, dann die Freude umso größer: War der Landkreis zunächst bei der Förderoffensive Nordostbayern des Freistaates außen vor geblieben, hat's dann ja vier Wochen später doch noch geklappt. Damit können bauliche Maßnahmen für mehr Lebensqualität in den Stadt- und Ortskernen mit 90 Prozent bezuschusst werden. Konkret geht es dabei vor allem um die Beseitigung von Leerständen.

Wie das funktionieren soll, darüber informierten am Dienstag Regierung der Oberpfalz und Amt für Ländliche Entwicklung alle 26 Gemeinden des Landkreises im Landratsamt. "Ein enorm wichtiges Zeichen für eine zukunftsorientierte Entwicklung des ländlichen Raumes", bewertete Landrat Wolfgang Lippert das Förderinstrument. Schließlich gehen die Prognosen in den nächsten Jahren von einem Bevölkerungsschwund im Landkreis von gut elf Prozent aus.

Auch wenn Tirschenreuth zwischen 2005 und 2015 jedes Jahr rund 450 Menschen weniger gezählt und damit 5,7 Prozent der Bevölkerung verloren hat: "Ich hoffe nicht, dass die Prognosen eintreffen", setzte Regierungspräsident Axel Bartelt auf die Förderoffensive. "Der Negativtrend wird sich zwar fortsetzen, aber abschwächen."

Davon war auch Leitender Baudirektor Willi Perzl vom Amt für Ländliche Entwicklung überzeugt. "Die Oberpfalz befindet sich derzeit im Aufwind und der Landkreis Tirschenreuth gefällt mit unglaublichen Vergleichszahlen." Perzl redete aber den Bürgermeistern ins Gewissen: "Jeder Bauplatz auf der grünen Wiese ist ein potenzieller Leerstand im Innenbereich." Als wohl einziger Landkreis in Bayern könne Tirschenreuth flächendeckend einen Vitalitäts-Check vorweisen und so auch Leerstände festmachen.

Und genau daran orientiert sich das neue Programm, das sich der Städtebauförderung und Dorferneuerung bedient - zwei verwandte, aber nicht identische Instrumente. Bei der Verwendung der Gelder soll "nicht wie mit der Gießkanne, sondern zielgerichtet" gearbeitet werden, wie es Dr. Hubert Schmid von der Regierung formulierte. "Wir betreiben keine Wirtschaftsförderung, sondern wollen Ortskerne aufpeppen und das Ortsbild prägende Gebäude mit neuem Leben erfüllen." Alte, gewachsene Ortsbilder sah der Leitende Baudirektor "nicht als Last, sondern als eine Chance". Das schaffe auch Identität und stärke das Heimatgefühl.

Baudirektor Klaus Bergbauer vom Amt für Ländliche Entwicklung stellte sich da vor allem Gebäude für gemeindliche oder gemeinschaftliche Zwecke vor, erinnerte an Dorfläden und Gemeinschaftshäuser.

Sportliche Vorgaben

Tirschenreuth. (bz) Mehr Lebensqualität versprechen sich die Kommunen mit einer Revitalisierung der Innenstädte und Ortskerne. In den nächsten vier Jahren will der Staat jeweils 3,3 Millionen Euro zusätzlich für entsprechende Projekte zur Verfügung stellen. Gefördert ab 2017 einheitlich mit 90 Prozent. Allerdings sind auch die Vorgaben recht sportlich. Anmeldefrist für das erste Jahr war bereits der 1. Dezember. Bis Ende Februar 2017 können die Gemeinden jetzt die Förderanträge stellen. Das ist auch gleichzeitig die Frist zur Vorlage geplanter Maßnahmen für das Jahr 2018. Dazu wird aber noch ein entsprechende Projektblatt entwickelt. Baudirektor Regina Harrer begründete die von manchem Bürgermeister als kurz empfundene Zeitspanne mit dem Wunsch des Ministeriums, schnell über die notwendigen Geldanforderungen Bescheid wissen zu wollen.

"Prototypen" der Sanierung

Tirschenreuth. (bz) Gelungene Beispiele einer Belebung der Innenstadt stellte Baudirektorin Regina Harrer bei der Info-Veranstaltung am Landratsamt vor. Hier nannte sie neben dem Mehrgenerationenhaus in Mitterteich das Eiscafé "La Strada" in Tirschenreuth, das aus einer früheren Bank-Filiale entstanden ist. Zuvor schon hatte Dr. Hubert Schmid als "Prototypen" den neuen Dorfladen in Fuchsmühl sowie das Kunsthaus und die Glück-Villa in Waldsassen genannt. Aber auch den Abbruch des nicht mehr sanierungswürdigen "Dietl-Anwesens" in Kemnath, womit nun die historische Stadtmauer wieder ein Stück freigelegt werden konnte.

"Die Förderoffensive ist aber kein Abbruch- oder Brachenprogramm", enttäuschte er wohl auch so manchen Bürgermeister, der sich statt eines leerstehenden Gebäudes einen schönen Parkplatz vorstellen konnte. Wobei der Begriff "Leerstand" rechtlich noch nicht genau definiert ist. Jedenfalls soll möglichen Ideen, Gebäude zu entmieten, um dann nach einer gewissen Zeit als "Leerstand" in den Genuss von 90 Prozent Förderung zu kommen, ein Riegel vorgeschoben werden.
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 08.12.2016 | 02:02  
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