07.04.2017 - 17:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Freie Wähler, Grüne und Liste Zukunft zum Kreishaushalt Die zweite Halbzeit bringt neue Herausforderungen

Ein Spiegelbild der Entwicklung der regionalen Wirtschaft, aber auch der gesellschaftlichen Veränderungen erkannte Hans Klupp (Freie Wähler) in den kommunalen Haushalten. Und da sah er im Landkreis eine deutlich verbesserte Stimmung. Da seien die sinkenden Fallzahlen im Sozialbereich ein erfreuliches Signal, gleichwohl der steigende Finanzbedarf in der Jugendhilfe eine erschreckende Entwicklung offenbare. Ein häufig unterschätzter Faktor und wichtiger Baustein für hohe Lebensqualität war für den Sprecher das kulturelle Angebot. Deshalb fördere der Landkreis auch Theater und Konzerte, Volksmusik und Laienspiel. "Die Gelder sind sinnvoll, notwendig und gerechtfertigt." Nachhaltige Kommunalpolitik war für Klupp der Spagat zwischen Erhalten und Weiterentwickeln sowie Sparen. "Alles im rechten Maß ist der richtige Weg, den wir im Landkreis seit Jahren gehen." Der Freie Wähler nahm auch Bund und Land in die Pflicht, forderte einen barrierefreien Ausbau des Wiesauer Bahnhofs und eine verbesserte Straßenanbindung Richtung Westen und zur Metropole Nürnberg.

Hans Klupp.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Bildung und Kultur waren auch für Heidrun Schelzke-Deubzer ein Potenzial, "das wir uns nicht selber beschneiden dürfen". Deshalb müsse der Landkreis die Kreismusikschule weiterhin anbieten, um die Attraktivität der Region möglichst noch zu steigern. "Baxi" sei zwar leider teuer, aber notwendig, forderte die Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen eine gerade in den Schulferien notwendige "Ämterlinie" Kemnath-Tirschenreuth. "Für einen Flächenlandkreis wie Tirschenreuth, der ohne Individualverkehr nicht auskommt, gilt es die E-Mobilität zu fördern." Schelzke-Deubzer redete den Kommunen ins Gewissen, Ladesäulen zu errichten. "Da müssen wir aktiv werden." Die 2000 Euro Förderung pro Kommune wertete die Grünen-Sprecherin als "Motivationsschub". Gleichzeitig regte sie ein Mobilitätskonzept für die Zukunft an, etwa durch Fahrgemeinschafts-Netzwerke oder sanften Tourismus mit Bahn- und Mietauto-Kombination. "Würde die Gesellschaft die dezentrale Bürger-Energiewende akzeptieren, könnten wir mehr regionale Wertschöpfung betreiben, Energieeffizienz und Unabhängigkeit erreichen und uns eine Stromtrasse sparen."

Marco Vollath, Liste Zukunft , hatte vergangenes Jahr noch Bauchschmerzen und dem Landrat nicht besten Noten gegeben. Diesmal stimmte er für seine Fraktion dem Haushalt zu. Gleichwohl er den Landkreis noch nicht optimal für schlechtere Zeiten gerüstet sah. "Angesichts der guten Rahmenbedingungen entsteht leicht der Eindruck, wir könnten uns zurücklehnen." Die geplanten zehn Millionen Euro an Investitionen sah Vollath auf einem vernünftigen Niveau. Das sollte auch langfristig gehalten werden. Die 900 000 Euro Schuldenmehrung waren "die Kröte, die wir angesichts der zahlreichen Maßnahmen schlucken müssen". Für die zweite Halbzeit der Wahlperiode hat der Kreistag nach Vollaths Meinung politisch neue Herausforderungen zu schultern. Exemplarisch nannte er die Digitalisierung der Verwaltung. "Was in der Wirtschaft unter dem Stichwort Industrie 4.0 bekannt ist, wird auch die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Bürgern verändern." Für die E-Mobilität seien zwar die Weichen gestellt, jetzt werde es aber auch Zeit, dass wirklich sichtbar in der Fläche etwas geschehe.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.