21.01.2018 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Laufstalltag für Milichviehhalter Sicherer Umgang mit Rindern

Fast 70 Prozent der Milchkühe werden im Laufstall gehalten. Der Landkreis liegt damit über dem Bayernschnitt - 65 Prozent. Doch die Herdengröße hat sich binnen 20 Jahren verdoppelt.

Den neuen Milchviehlaufstall von Xaver Frank besichtigten die Teilnehmer des Laufstalltags. Bild: exb
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Großbüchlberg. Beim Laufstalltag in der "Petersklause" analysierte Wolfgang Wenisch, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth, die Struktur der Milchviehhaltung. "Im Bereich der Milchleistung musste ein Rückgang um etwa 120 Kilo im Vergleich zum Jahr 2016 verzeichnet werden", erklärte Wenisch der Pressemitteilung zufolge. Die Antragstellung nach dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) ist seit 8.Januar wieder möglich, heißt es.

Wenisch gab die Termine für die Informationsversammlungen zur Mehrfachantragstellung 2018 bekannt. Zugleich lud er ein zur VlF-Mitgliederversammlung am 1. Februar. Martin Schlötzer informierte über die aktuelle Förderperiode im Bereich des Kulap. Förderschwerpunkte lägen beim ökologischen Landbau, Klima-, Gewässer und Bodenschutz und beim Erhalt der Artenvielfalt. Dieses Jahr könnten fast alle Programme angeboten werden. Zusätzlich ging er auf die Auflagenänderungen der einzelnen Maßnahmen ein, die aufgrund der Novellierung der Düngeverordnung notwendig wurden. Petra Brodmerkel zog im Bereich der einzelbetrieblichen Investitionsförderung für 2017 Bilanz. Gefördert werden Maßnahmen zur Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen unter besonderer Berücksichtigung der Verbesserung des Verbraucher-, Tier-, Umwelt und des Klimaschutzes und der besonders tiergerechten Haltung. Fahrsiloanlagen und Güllegruben seien weiterhin von der Förderung ausgeschlossen.

Nur die besten Projekte

Es sei 2017 nur wenig gefördert worden - wegen der reduzierten Förderhöhe und ob des kurzen Antragszeitraums. Alle Anträge auf Förderung werden hinsichtlich ihrer Kriterien bepunktet; Anträge die für das festgesetzte Budget die erforderliche Punktzahl nicht erreichen, werden abgelehnt. Die EU wolle bei begrenzten Mitteln nur die besten Projekte fördern. Anträge benötigten auch eine Baugenehmigung des Landratsamts; die Zweckbindung der Auflagen beträgt den Angaben zufolge 12 Jahre ab Zahlung der Schlussrate.

Florian Frank vom Fachzentrum Rinderhaltung Münchberg informierte über technische Hilfsmittel zur Überwachung der Tiergesundheit von Milchkühen. Aufgrund wachsender Betriebsgrößen werde es schwieriger alle Tiere im Bestand im Auge zu behalten. Hier helfe "Precision Dairy Farming" - Sensortechnik, die an Fuß, Hals oder Ohr angebracht wird. Damit werden automatisch Daten zur Bewegungsaktivität und Wiederkautätigkeit erfasst. Die Preisspannen liegen für einen Betrieb mit beispielsweise 50 Kühen zwischen 6000 und 11 000 Euro. Frank ging auf den Pansensensor ein: Dieser wird einmalig über das Maul verabreicht und liefert ununterbrochen Daten zur Körpertemperatur oder pH-Wert im Pansen. Im Hauptreferat sprach Wolfgang Schatz - er ist technischer Aufsichtsbeamter der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau - über den sicheren Umgang mit Rindern. Schatz zeigte die häufigsten Ursachen für Unfälle mit Rindern auf. Beim Melken und Treiben von Kühen gingen die größten Gefahren aus. Die Wahrnehmung der Rinder lasse das Verhalten von Kühen besser verstehen. Durch ein deutlich ausgeprägtes Hör- und Sehvermögen würden äußere Reize viel intensiver wahrgenommen. Zusätzlich verstärkten die Eigenschaften eines klassischen Fluchttieres diese Wahrnehmungen. "Gerade in gefährlichen Situationen ist es wichtig die Körpersprache der Tiere zu verstehen, um Unfälle zu vermeiden." Gerade die Haltung des Kopfes und Schwanzes helfe bei der Einschätzung der Situation.

Zonen gegen Stress

Im Laufe des Vortrags beleuchtete der Referent noch das Zonen-Konzept. Hier gliedert man die Umgebung eines Rindes in vier Funktionsbereiche. Ziel ist die Vermeidung von Stress: Die äußerste Zone wird als neutrale Zone bezeichnet, die vom Tier nur wenig wahrgenommen wird. Je näher man dem Tier kommt, umso mehr reagiert die Kuh auf den Druck. In unmittelbarer Nähe ist die Gefahr eines Angriffs am größten. Dieses Konzept werde beim Treiben einer Herde genutzt.

Zum Abschluss zeigte Schatz ein Planungsbeispiel eines Rinderstalles auf und gab Tipps zur Ausgestaltung von sicheren Arbeitsplätzen.

Gebäude um Laufhof

Den neu errichteten Milchviehlaufstall des Betriebes Xaver Frank in Neualbenreuth besichtigt besichtigten die Teilnehmer des Laufstalltags des Amts für Landwirtschaft. Die Familie Frank hat sich für eine mehrhäusige Bauweise entschieden. Die Funktionsbereiche sind der Pressemitteilung gegliedert in die Bereiche "Fressen", "Liegen" und "Melken". "Dabei wurden drei einzelne Gebäudetypen errichtet, die mit einem Laufhof miteinander verbunden sind", heißt es. Schieberentmistung, Tiefbuchten, Abkalbe- und Krankenbucht mit Stroheinstreu trügen zum Wohlbefinden und zur Gesundheit der Tiere bei. Auch die am Stallbau beteiligten Firmen waren anwesend. Danach folgte eine praktische Unterweisung zum Umgang mit Rindern durch Roland Dengler von Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Hier wurden praktische Tipps zum Treiben von Tieren vorgestellt. So konnten die theoretischen Inhalte des Vormittags in der Praxis verdeutlicht werden. (exb)

Gerade in gefährlichen Situationen ist es wichtig die Körpersprache der Tiere zu verstehen, um Unfälle zu vermeiden.Wolfgang Schatz

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