Managementplan für Natura 2000
Momentaufnahme der Natur

Das Bundesnaturschutzgroßprojekt Waldnaabaue hat viel Natur zurückgebracht - wie viel klären gerade die Experten im Auftrag der Höheren Naturschutzbehörde.
Politik
Tirschenreuth
11.07.2017
83
0
 
Wo die Grüne Keiljungfer lebt, ist die Natur noch in Ordnung.

Dr. Roger Sautter und Martin Wittmann kartieren die Wälder. Die Biologen Dr. Andreas Lausser und Rainer Woschée legen ihr Augenmerk auf die Flora, die Biologen Diana und Wolfgang Kaiser befassen sich mit den Tieren im Waldnaabtal zwischen Tirschenreuth und Windischeschenbach.

Im Auftrag der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz sind die Experten seit Ende Mai in den Biotopen entlang der Waldnaab unterwegs. Ihre Mission: Kartierung für den Natura-2000-Managementplan in den FFH- und Vogelschutzgebieten. Im März 2015 hatten die Verantwortlichen alle Grundstückseigentümer ins Kettelerhaus eingeladen, um über die Arbeit, die nach EU-Recht unabdingbar ist, zu informieren. Eine Maßnahme, die sich bezahlt gemacht hat: Die Mitarbeiter sind kaum mehr bei ihrer Arbeit behindert worden.

Bericht 2019

Verantwortlich zeichnet das Büro Rainer Woschée aus Neunburg vorm Wald. Bis etwa Ende 2019 werde es dauern, bis alle Ergebnisse ausgewertet seien und ein umfangreicher Bericht vorliege, so die Experten. Darin werden dann auch Vorschläge enthalten sein, wie man Schwachstellen optimieren könnte, die den Kartierern bei der Feldforschung aufgefallen sind. Die Ergebnisse werden anschließend auch in der Region vorgestellt. Im Endeffekt wird eine planerische Grundlage in erster Linie für die Naturschutzarbeit herauskommen, um im Sinne der EU-Verordnungen handeln zu können,

Tobias Maul von der Höheren Naturschutzbehörde erklärt, dass in der Natura-2000 die Fauna-Flora-Habitat- (FFH) und die Vogelschutzrichtlinie vereint sind. Im Falle Waldnaabtal seien beide Gebiete vorhanden und oft sogar deckungsgleich. Für die FFH-Gebiete existierten noch keinerlei Erhebungen. Das Vogelschutzgebiet wird aber schon seit 2015 über die Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft kartiert. Deren Experten sind also schon zwei Jahre damit beschäftigt, den Wald- und Vogelbestand zu dokumentieren. Das sogenannte Offenland, dazu zählen unter anderem die Flächen in der Tirschenreuther Teichpfanne, deckt die Höhere Naturschutzbehörde ab. Das Offenland gliedert sich auf in Biotop-und Lebensraumtypen-Kartierung.

Biber und Keiljungfer

An dritter Stelle werden auch die FFH-Anhangsarten berücksichtigt. Dazu zählen zum Beispiel Kammmolch, Biber, Fischotter, Flussperlmuschel und Grüne Keiljungfer, eine Libellenart. Die Kartierungen für den Managementplan erstrecken sich von der Tirschenreuther Teichpfanne mit Bundesnaturschutz-Großprojekt Waldnaabaue entlang der Waldnaab-Linie bis kurz vor Windischeschenbach. Bei dieser Grundlagensammlung wird alles registriert, was da ist. Als Kartierungsgrundlagen zählen Luftbilder, nach denen die Flächen systematisch abgearbeitet werden. Es geht also darum, den Istzustand festzustellen.

Auch die Fachstelle der Fischerei des Bezirks ist mit Dr. Thomas Ring involviert. Dabei geht es speziell um die Groppe, eine Fischart, die es einst massenweise in jedem Bach gab und heute ganz oben auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.

___



Weitere Informationen:

www.natur.bayern.de

Warum ein Managementplan?Die EU fordert einen guten Erhaltungszustand für Natura-2000-Gebiete. Im Managementplan werden vorhandene Lebensräume und Arten erfasst und bewertet. Auf dieser Grundlage werden Vorschläge für Erhaltungsmaßnahmen formuliert. Für Grundstückseigentümer und Nutzer hat der Managementplan Hinweischarakter. Sie dürfen die Flächen mit guter fachlichen Praxis weiterhin bewirtschaften. Der Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und -arten darf sich jedoch nicht verschlechtern (Verschlechterungsverbot). So müssen bestimmte Vorhaben, wie etwa Verkehrswege, in einem förmlichen Verfahren auf ihre Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen der betroffenen Schutzgebiete untersucht werden. Die Umsetzung des Managementplans ist für die Eigentümer und Nutzer freiwillig und soll vorrangig durch Förderprogramme finanziert werden. Das Natura-2000-Netz umfasst in Bayern 753 Gebiete mit einer Fläche von über 8000 Quadratkilometern, das sind 11,4 Prozent der Landesfläche. 108 Gebiete mit knapp 800 Quadratkilometern befinden sich in der Oberpfalz. Das FFH-Gebiet Waldnaabtal zwischen Tirschenreuth und Windischeschenbach gehört zusammen mit dem Vogelschutzgebiet westlich von Tirschenreuth zum europäischen Netz besonderer Schutzgebiete. Mit einer Fläche von rund 2600 Hektar zählt das FFH-Gebiet Waldnaabtal zu den größten der Oberpfalz. Es handelt sich dabei um ein großflächiges und weitgehend unzerschnittenes Feuchtgebiet mit landesweit bedeutsamen Tier- und Pflanzenarten. (tr)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.