Mathias Schüßler will Gleichaltrige zu mehr politischem Engagement bewegen
18-Jähriger kandidiert für Bundestag

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter findet das Engagement von Mathias Schüßler großartig: "Solche Jugendliche brauchen wir viel mehr", sagte sie bei ihrem Besuch im Landkreis. Bild: ubb
Politik
Tirschenreuth
22.08.2017
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Wieso will ein 18-Jähriger in den Bundestag? Und kann er das überhaupt schaffen? Oberpfalz-Medien hat nachgefragt bei Mathias Schüßler. Der Abiturient der Fachoberschule ist Landeslistenkandidat der Grünen. Im Interview erzählt der Tirschenreuther, wie es dazu kam.

Weißes Hemd und schwarze Hose an einem Sommertag: Normalerweise sind junge Männer vielleicht bei ihrer Firmung derart gekleidet. Doch Mathias Schüßler, 18 Jahre alt, hat genau diese Kleidung gewählt für seinen Auftritt. Zwar ist er an diesem Tag, an dem Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, den Kreisverband Tirschenreuth besucht, nicht die Hauptperson. Aber ganz unwichtig ist Mathias' Anwesenheit beim Empfang der Bundespolitikerin auch nicht.

Kreisvorsitzende Heidrun Schelzke-Deubzer versäumt es nicht, Mathias Schüßler extra vorzustellen. Und sie betont, dass Mathias es war, der die Promi-Politikerin in den Landkreis geholt hat. "Ich mache mir keine falschen Hoffnungen. Mit 18 in den Bundestag reinzukommen, wäre utopisch. Mir geht es um die Symbolik. Ich will, dass sich mehr junge Leute politisch engagieren", antwortet ein selbstbewusster junger Mann auf die Frage, was einen 18-Jährigen bewegt, in den Bundestag zu wollen. Nicht schlecht: Wer könnte Jugendliche besser von der Notwendigkeit des politischen Engagements überzeugen als ein Jugendlicher selbst?

Dabei hatte Mathias noch vor vier Jahren kaum politisches Interesse. Dann aber sei er immer häufiger mit Neonazis und den Rechten konfrontiert worden, sagt er. Um seinen Unmut gegen diese Szene kundzutun, benutzt Mathias frei weg den Jugendjargon: "Die kann ich nicht ausstehen." Doch der Fachabiturient erkannte bald, dass sich darüber aufregen allein nichts bringe. "Man muss etwas dagegen tun", lautet sein Appell. Also schaute sich Mathias im für ihn interessanten politischen Umfeld um. Seine Entscheidung für Bündnis 90/Die Grünen fiel rein pragmatisch aus: "Ich wollte lieber eine Protestpartei, mir liegt die Opposition mehr." Bei den Grünen im Landkreis fand der junge Mann eine erste politische Heimat - und startete gleich richtig durch.

Erste "Gehversuche"

"Als unsere Vorsitzende fragte, ob ich Landeslistenkandidat werden möchte, habe ich mich erst informieren müssen, wie das geht", gibt Mathias Schüßler offen zu, politisch noch viel lernen zu müssen. Nach einer Bedenkzeit und Meinungsbildung bei der Mutter, der Freundin und den Freunden entschied sich Mathias dafür. Seither ist er nicht nur Wahlkampfhelfer, er mischt kräftig mit. Die Kreisgruppe gibt ihm das notwendige Vertrauen mit. Ihr Kandidat durfte gleich einmal die Wahlkampfbesuche von Simone Peter und Claudia Roth organisieren. Und wer sich ein wenig im bundespolitischen Tagesgeschäft auskennt, der weiß, was für ein zeitlicher und ideeller Aufwand betrieben werden muss, um Bundespolitiker "an Land zu ziehen". Mathias hat das geschafft.

Politische Landesluft schnupperte er bei einem Praktikum im Landtag und sein erstes politisches Ziel ist auch sein erstes Wahlkampfthema: Mit der Listenkandidatur will Mathias Schüßler den Gleichaltrigen zeigen, dass man auch mit 18 Jahren etwas erreichen kann. Schade nur für die Grünen in Tirschenreuth, dass sie ihr Nachwuchstalent gleich wieder verlieren werden. Der FOS-Abiturient beginnt im September bei Siemens in Erlangen sein duales Studium im IT-Management, und er hat dort bereits eine Wohnung. Dass er in Erlangen weiter politisch tätig sein will, steht für ihn außer Frage.
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