10.04.2017 - 17:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mögliche Kliniken-Fusion in der Diskussion Ein Rezept nach dem Konzept

Seit die Kliniken AG sich Gedanken über eine Fusion mit den Kollegen in Amberg macht, schrillen bei einigen Tirschenreuther Kreisräten die Alarmglocken. Vor allem bei SPD-Sprecher Rainer Fischer.

Die Zahlen im Haushalt waren nur ein Teil der Kreistagssitzung. Diskutiert wurde unter anderem auch noch über die Kliniken AG. Im Bild (von links) Personalchef Walter Brucker, Landrat Wolfgang Lippert, Regierungsdirektor Alfred Meyer und Kreiskämmerer Klaus Pöllmann. Bild: bz
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Erhebliche Risiken für die Krankenhäuser hatte in der Kreistagssitzung am Freitag Landrat Wolfgang Lippert ausgemacht. Mit dem seit 1. Januar geltenden Strukturgesetz werde sich die Finanzierungssituation weiter verschlechtern. "Gerade ländliche Krankenhäuser tun sich verstärkt schwer, die Anforderungen zu erfüllen." Bisher sei es der Kliniken AG gelungen, einerseits die flächendeckende Gesundheitsversorgung abzubilden und gleichzeitig auch Spitzenmedizin wie das Endoprothetikzentrum in Tirschenreuth vorzuhalten.

Problematisch war für Lippert der Fachkräftemangel. "Die Besetzung von Ärzten speziell in kleineren Krankenhäusern wird immer schwieriger." In den letzten Wochen mussten sogar vorübergehend Betten außer Betrieb genommen werden, weil nicht mehr ausreichend arbeitsfähige Pflegekräfte verfügbar waren.

Zum Erhalt und Ausbau der medizinischen Leistungsfähigkeit investiere die AG im Schnitt 15 Millionen Euro im Jahr. Aktuell liege der Schwerpunkt beim Klinikum Weiden und Krankenhaus Tirschenreuth. 2019 werde die Generalsanierung der Steinwald-Klinik Erbendorf mit Eigenmitteln anvisieren. Die Fördermittel reichten bei weitem nicht aus.

Gegen den Trend ist es der Kliniken AG nach Lipperts Worten in den letzten Jahren gelungen, "durch Anpassung der Strukturen" ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwirtschaften. "Ob eine weitere Strukturänderung in Form einer Fusionierung mit Amberg Vorteile im Allgemeinen und für unsere Häuser im Besonderen bringen könnte, lässt sich aus heutiger Sicht überhaupt nicht beurteilen." Die derzeit laufende Anfrage beim Kartellamt war für den Landrat nur die Basis, ob überhaupt in der Richtung weitergedacht werden soll.

Dass Zukunftskonzept erschien auch Rainer Fischer tatsächlich zukunftsträchtig. "Damit könnte zumindest mittelfristig eine gewisse Planungssicherheit erreicht werden. Deshalb auch hätten die Gesellschafter zur dessen Umsetzung und zur finanziellen Stabilisierung der AG mehr als zehn Millionen Euro an Zuschüssen und Darlehen zur Verfügung gestellt, allein der Landkreis Tirschenreuth vier Millionen. "Da verwundert es schon, dass nur wenige Monate später intensiv über eine Fusion mit dem Klinikum in Amberg diskutiert wird."

Im Falle einer Fusion würden die Tirschenreuther Häuser noch mehr an den Rand des Verbundes gedrängt und der Einfluss des Landkreises weiter eingeschränkt. Jeder weitere Schritt in Richtung Fusion würde nach Fischers Ansicht eine Sondersitzung des Kreistags erforderlich machen. "Eine Beratung im ,Schweinsgalopp' können und dürfen wir uns nicht leisten."

"Es wird keinen Schnellschuss geben", versuchte Landrat Wolfgang Lippert das "Fusionsgespenst" aus der Diskussion zu nehmen. "Es wäre doch Wahnsinn, wenn wir unsere kleinen Häuser opfern würden." Die derzeitigen Überlegungen gingen halt über das Zukunftskonzept 2020 hinaus. "Das ist nur ein Gedanke. Wenn wir mehr wissen, werden wir im Kreistag darüber diskutieren."

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