19.02.2018 - 22:02 Uhr
Tirschenreuth

Schweinepest: Die Gefahr ist da Behörden rüsten für den Fall der Fälle

Die Behörden wappnen sich gegen die ASP. Seitdem die Afrikanische Schweinepest in Tschechien wütet, ist der für den Menschen ungefährliche, aber für Schweine tödliche Virus nur 350 Kilometer entfernt. Der direkt an Westböhmen grenzende Kreis Tirschenreuth rüstet sich für den Fall der Fälle.

Sauwohl fühlen sich Woll- und Sattelschweine am Mitterhof bei Waldsassen (Kreis Tirschenreuth). Eine doppelte elektrische Umzäunung (Vordergrund) hält Wildschweine auf Abstand. Zudem ermahnen Warnschilder die Besucher, das Füttern zu unterlassen. Bilder: cf (2)
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Tirschenreuth/Waldsassen. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob ASP den Weg nach Deutschland findet, sondern wann. Das renommierte Friedrich-Loeffler-Institut - die Expertise liegt Oberpfalz-Medien vor - stuft das Risiko einer Einschleppung als hoch ein: in der Warnstufe "rot" und damit in der höchsten Kategorie. Regierungspräsident Axel Bartelt macht deshalb die Vorbereitungsmaßnahmen für den "Fall der Fälle" zur Chefsache.

Erste Station der Bereisung am Montagnachmittag ist der historische Mitterhof (einst zum Kloster Waldsassen gehörig). Matthias und Kerstin Frank widmen sich mit aufopferndem Idealismus - neben der Zucht von Strauß und Alpaka - bedrohten Rassen wie den Mangalitza Wollschweinen und den Husumer Sattelschweinen. Ein doppelter Elektrozaun verhindert den Kontakt und damit das Ansteckungsrisiko der in Freilandhaltung lebenden Schweine zu ihren wilden Verwandten.

Die Veterinäre Dr. Johann Gaßner (Bezirksregierung) und Dr. Klemens Dötsch (Landratsamt Tirschenreuth) praktizieren bei der konsequenten Umsetzung der Schweine-Hygiene-Verordnung "null Toleranz". Denn die ökonomischen Folgen durch eine Infizierung wären verheerend. Mehr als 2500 bäuerliche Schweinebetriebe - 18 in Freilandhaltung - gibt es in der Oberpfalz. Der Regierungspräsident macht aus seiner Skepsis keinen Hehl, dass die Ausbreitungs-Distanzen der ASP von mehreren 100 Kilometern allein auf Wildschweine zurückgehen ("so weit läuft keine Sau"). Vielmehr gebe der "menschliche Faktor" Anlass zur Sorge: etwa durch aus Lkw oder Pkw geworfene, infizierte Essensabfälle. Aus Tschechien allein rollen eine Million Lkw im Jahr nach Deutschland.

Bisher einmalig in der Oberpfalz ist die (prophylaktische) Einrichtung einer zentralen Sammelstelle für mutmaßlich infizierte Wildschwein-Kadaver. Die abschließbare, gekachelte Waschhalle im Bauhof des Landkreises Tirschenreuth dient im Seuchenfall der Entsorgung.

Außerdem erhalten die 10 Hegeringe je eine 240-Liter-Tonne für die Entsorgung der Jagdabfälle (Aufbruch). Bartelt spricht von einer "mustergültigen Vorsorge". Im Kreis Tirschenreuth kam es nur zu einem einzigen Antrag auf die bei der Jägerschaft umstrittenen Nachtzielgeräte beim Ansitz auf Wildschweine.

"Vorbildliche Haltung"

Auf die Sensibilisierung der Lkw-Fahrer aus Osteuropa setzt der Inhaber des Erdenwerks Ziegler, Gregor Ziegler. Er regt auch für die Parkplätze an den Bundesstraßen feste Abfallbehältnisse an. Knapp 1000 der rund 4000 ASP-Fälle in Europa entfallen auf Lettland, wo Ziegler eine Unternehmenstochter unterhält. Bartelt unterstreicht hier die "vorbildliche Haltung" Zieglers.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lädt wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest zu einem nationalen Krisengipfel. Eingeladen sind unter anderem die Minister der Bundesländer sowie Vertreter von Verbänden, darunter des Deutschen Bauernverbands. Das Treffen soll am 26. Februar in Berlin stattfinden.

Drohendes Export-Verbot

"Die Gefahr ist da", sagte Schmidt am Montag beim Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel. Im Nordosten Polens etwa kursiert die Afrikanische Schweinepest derzeit. Sie breitet sich in Osteuropa immer schneller aus. Beim ersten Nachweis in Deutschland wäre der Export von Schweinefleisch in Länder außerhalb der EU wie etwa nach China erheblich gefährdet.

Die weggeworfene Semmel mit Hartwurst ist das Problem.Veterinär Dr. Johann Gaßner, Regierung der Oberpfalz

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