24.09.2017 - 22:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Stimmen zur Bundestagswahl aus dem Landkreis Tirschenreuth Geschockte Gewinner

Verkehrte Welt im Landkreis Tirschenreuth: Die "Wahlsieger" von der CSU klingen schockiert, die "Wahlverlierer" von der SPD beinahe erleichtert. Bei den Kleinen mischt sich Zufriedenheit übers eigene Ergebnis mit Sorge über AfD-Erfolg und schwere Regierungsbildung.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Dass eine Große Koalition kaum über 50 Prozent kommt, muss aufgearbeitet werden", erklärt CSU-Kreisvorsitzender Tobias Reiß . In Berlin sei "zu wenig auf die CSU gehört" worden, lautet Reiß' Erklärung. Fehler seiner Partei fallen ihm keine ein. "Wir haben eine Menge umgesetzt." Keine Kritik gibt es an Direktkandidat Albert Rupprecht. Der habe "engagiert gearbeitet, einen engagierten Wahlkampf geführt". Künftig müssten die demokratischen Parteien mehr auf die Sorgen der Bürger hören. Der Brander sieht auch etwas Positives im Ergebnis: "Die CSU-Position ist in einer Koalition ohne die SPD gestärkt."

Abgeschlossen mit seiner Bundestagskarriere hat Reiner Meier . Der Tirschenreuther Abgeordnete verweist am Sonntagabend zwar auf mögliche Ausgleichsmandate. "Aber es sieht nicht so aus, als würde die CSU viele bekommen." Statt sich zu ärgern, blicke er zufrieden auf seine Arbeit der vergangenen vier Jahre zurück. Mit seiner politischen Karriere hat der 63-Jährige nicht abgeschlossen: Er ist jeweils stellvertretender Vorsitzender der Arbeitnehmerunion auf Landes- und auf EU-Ebene. Hier werde er sich weiter voll einbringen. So bleibt nur eine Sache, die für Ärger bei Meier sorgt, das Ergebnis der AfD: "Das ist mir ein Gräuel."

SPD-Kreisvorsitzender Rainer Fischer klingt dagegen nicht nach dem schlechtesten SPD-Ergebnis seit 1945. Er sei nicht glücklich, aber auch nicht überrascht. Bei der Analyse muss Fischer nicht lange überlegen: "Ich habe die Große Koalition immer für ein Unglück gehalten." Aus Martin Schulz' Ankündigung, in die Opposition zu gehen, zieht Fischer Hoffnung. In der Opposition könne die SPD sich erholen, und "zu einer Alternative für Deutschland werden, die diesen Namen verdient."

In den vergangenen Jahren habe es im Parlament keine Alternative gegeben. Das habe die AfD groß gemacht. "Ich unterscheide zwischen dieser Partei und deren Wählern", sagt Fischer. Der größte Teil lasse sich zurückgewinnen, wenn auf Worte Taten folgen würden. "Seit Jahren höre ich, dass Fluchtursachen bekämpft werden sollen. Spätestens jetzt sollte man damit beginnen."

An Werner Otts Zufriedenheit kann das Ergebnis der AfD nichts ändern. "Ich hab vier Jahre die Fahne der FDP in der Region hochgehalten. Jetzt bin ich froh, dass wir auch auf Bundesebene zurück sind", sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende und Kreisrat der FDP. Das Ergebnis der AfD überrasche ihn nicht. "Ich bin Bauunternehmer und komme mit vielen Menschen zusammen. Die fühlen sich nicht ernstgenommen."

Ähnlich fällt Heidrun Schelzke-Deubzers Fazit aus. Die Kreisvorsitzende der Tirschenreuther Grünen ist glücklich, dass ihre Partei ihr Ergebnis halten konnte. "Es stand ja ein deutlich schwächeres im Raum." Dass Koalitionsverhandlungen mit Union und FDP nicht leicht werden, beschäftige sie derzeit kaum, schon eher der Erfolg der AfD. "Wenigstens die Protestwähler müssen wir zurückholen."

Sorgen vor einem "großen Durcheinander" auf Bundesebene macht sich Landrat Wolfgang Lippert . "Schon in den Diskussionsrunden im Fernsehen ging es drunter und drüber." Für "seine" Freien Wählern fällt das Fazit gemischt aus. "Unser Direktkandidat Karl Meier hat ein sehr respektables Ergebnis erzielt." Insgesamt fühlt er sich aber bestätigt: Die Freien Wähler seien im Landtag gut aufgehoben, für den Bundestag sei die Zeit noch nicht reif.

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