24.07.2012 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuth: Plan-Weseritzer-Heimattreffen der Sudetendeutschen 7000 Besucher - das war einmal

von Redaktion OnetzProfil

Schon vor Jahrhunderten wurde auf einem kleinen Hügel außerhalb der Stadt Plan (Planá) zur Mutter Mariens gebetet. Ende Juli folgte stets eine Wallfahrt. Die Vertreibung nach Kriegsende hat diese Tradition jäh unterbrochen. Seit 1953 wird im Andenken an die Wallfahrt am St. Anna-Tag in Mähring ein großes Heimattreffen der Sudetendeutschen anberaumt.

Aufruf im Heimatbrief 1952

"Im Jahr 1953 wird der Sudetendeutsche Tag in Frankfurt am Main stattfinden. Vielen unserer Landsleute aus Bayern wird es nicht vergönnt sein, daran teilzunehmen. Deshalb rufen wir zum heurigen Weihnachtsfeste auf, Landsleute aus dem Heimatkreis Plan-Weseritz, wir treffen uns im kommenden Jahr zum St. Annatag (25. und 26. Juli 1953) in nächster Nähe unserer Heimat, in Mähring, und wir wollen unser Fest im Anblick der Heimat begehen." So steht es im Heimatbrief vom Dezember 1952 zu lesen.

Auf einem Hügel etwa einen Kilometer außerhalb der Stadt Plan steht eine Kirche, die der Heiligen Anna geweiht ist. Über Jahrhunderte haben dort Gläubige zur Mutter Mariens gebetet. Am 26. Juli oder am Sonntag danach fand immer eine Wallfahrt statt, an der Menschen aus den ehemaligen Gerichtsbezirken Plan und Weseritz, aber auch aus dem benachbarten Kreis Marienbad teilgenommen haben.

Letzter Ort vor der Grenze

Nach der Vertreibung aus der Heimat war dies nicht mehr möglich. Im Andenken an diese Wallfahrt wurde daher der St. Anna-Tag zum Termin des Heimattreffens gewählt. Mähring war der erste Ort in Bayern, wenn man von Plan aus dem Wegweiser nach Westen folgte, wo zu lesen stand: nach Mähring 11 km. Von Westen aus gesehen war Mähring der letzte Ort vor der Grenze nach Böhmen, vor der Grenze zur Heimat. Was lag also näher, als dort ein Heimattreffen zu veranstalten. Zuerst war das Treffen am Treppenstein geplant. Ein Landsmann lebte dort im Hegerhaus. Doch dieses Vorhaben wurde nach Bedenken der Grenzschutzbehörden wegen der Grenznähe aufgegeben.

Erwartungen übertroffen

In Mähring selbst war Landsmann Josef Nadler (Heiligenkreuz) unermüdlich bei den Vorbereitungen für das Fest. Aber auch Ortspfarrer Gottfried Birner, Bürgermeister Josef Rath, August Kaiser und viele andere unterstützten das Vorhaben. Beim Festgottesdienst rechneten die Veranstalter mit 1500 bis 2000 Personen, für den Festabend standen zwei Säle zur Verfügung.
Was dann folgte, übertraf alle Erwartungen: Etwa 4000 Menschen waren zur St. Anna-Wallfahrt mit 1. Plan-Weseritzer Heimattreffen nach Mähring gekommen. 4000 Besucher in einem Ort mit gerade einmal 115 Häusern - eine Herausforderung für alle Beteiligten. Doch alle meisterten die Aufgabe mit viel Engagement, Geduld und Entgegenkommen.

Höhepunkt war die Weihe der kleinen St. Anna-Kapelle auf dem Pfaffenbühl, errichtet aus Spendengeldern der Plan-Weseritzer. Schnell war klar, dass das Heimattreffen jedes Jahr um den 26. Juli herum in Mähring stattfinden sollte. Viele prominente Besucher kamen, die Wallfahrtsgottesdienste wurden von namhaften Predigern begleitet.

Bis zu 7000 Teilnehmer beim Plan-Weseritzer Heimattreffen - das war einmal. In all den Jahren ist die Zahl derer, die noch kommen können, geschrumpft. Aber noch immer besuchen viele Heimatvertriebene das Stiftland. Längst ist das St.-Anna-Fest auch ein Fest der Mähringer geworden. Die Heimatvertriebenen sind dankbar, dass sie sich auf die Unterstützung durch Vereine und die Bevölkerung immer verlassen konnten.

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