18.07.2017 - 20:52 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther Kreistag über Kliniken informiert Babygeschrei soll bleiben

Diesmal hat Kliniken-Vorstand Josef Götz einen relativ leichten Stand. Der Jahresabschluss ist fast ausgeglichen, in Tirschenreuth wird mächtig investiert, und die aus Erbendorf gemeldeten Zahlen sind "bombastisch". Trotzdem sind im Kreistag beim Thema Krankenhaus Sorgenfalten zu sehen.

von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Grund dafür sind die Überlegungen, die Kliniken AG weiter auszudehnen. Ganz konkret kam in die Sitzung die kartellrechtliche Prüfung einer möglichen Fusion mit dem Krankenhaus St. Marien in Amberg zur Sprache. Die Zusammenarbeit habe sich bewährt, so Götz. Er rate dazu, sie weiter auszubauen, "weil es für die Krankenhäuser und Patienten einfach Sinn macht". Ein entsprechender Antrag sei derzeit in der Prüfung.

Die Kliniken AG werde so auch attraktiver für hochwertige Mediziner, die "dieses Konstrukt ungemein spannend" fänden. Götz sprach bei der Sitzung im Stiftland-Gymnasium (das Landratsamt ist momentan Baustelle) von der Bildung eines starken Gegenpols zu den Kliniken in Regensburg, Nürnberg, Erlangen und Bayreuth sowie von den Vorteilen, ein starker Partner für grenzüberschreitende Kooperationen zu sein.

Aus den wenigen Wortmeldungen klang heraus, dass nicht alle davon überzeugt waren, dass dies der richtige Weg für eine flächendeckende medizinische Grundversorgung ist. CSU-Fraktionschef Toni Dutz: "Die Frage ist, muss es eine Fusion sein? Was ist, wenn diese Größe auch nicht mehr ausreicht?" Auch Brigitte Scharf (SPD) sah hier vor weiteren Schritten noch Gesprächsbedarf: "Wenn ich nicht mag, brauch' ich doch gar nicht fragen, ob ich darf."

Gute Bilanz

Sehr gern und ohne Gegenrede hörten hingegen die Fraktionen die Zahlen des vorläufigen Jahresabschlusses für 2016, die Götz zur Sitzung mitgebracht hatte. Die Bilanz werde nahezu eine schwarze Null bringen und das trotz der Beendigung des Haustarifs. Die Mitarbeiter würden nun wieder nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt. "Das zeigt, dass die Strategien, die wir gefahren haben, richtig waren." In der Region Nord gebe es im akut-stationären Bereich eine deutliche Leistungsentwicklung nach oben. Götz: "Die Entwicklung ist ganz gut, aber bei Weitem noch nicht ausreichend. Wir sind nämlich noch ordentlich von dem entfernt, was wir brauchen, um unsere Eigeninvestitionen zu finanzieren."

Bayernweit einmalig

Besonders gut schneidet in der Bilanz die Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation in Erbendorf ab mit einer Auslastung von 95 Prozent. Götz: "Das ist bombastisch und bayernweit wohl einmalig." Auch mit der Orthopädischen Rehabilitation in Waldsassen zeigte sich Götz zufrieden. Hier nähere sich man immer mehr einer 85-prozentigen Belegung an.

Ein positives Zeichen gab es für die Geburtshilfe in Tirschenreuth. Die letzten Jahre habe es im Krankenhaus in der Kreisstadt konstant 360-370 Geburten pro Jahr gegeben, rechnete Götz vor. "Das ist ein Signal, dass wir, wenn es irgendwie geht, die Geburtshilfe in Tirschenreuth weiter betreiben sollten." Voraussetzung sei aber, "dass wir ausreichend Gynäkologen und Hebammen haben". Und da tue sich der ländliche Raum ein bisschen schwer. "Aber bisher läuft es noch ganz gut." Götz sprach von einem Gesamtkonzept Amberg-Tirschenreuth-Weiden, dessen Ziel es sei, alle gynäkologischen Patienten in der Region zu behandeln. Der Vorstand verriet, dass der Tirschenreuther Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe Kurt Weber demnächst das Krankenhaus verlassen werde. "Wir haben schon eine Lösung dafür in petto." Neu strukturieren müsse man in absehbarer Zeit auch die operative Abteilung in Tirschenreuth, weil Chefarzt Dr. Norbert Fischer nächstes Jahr in Ruhestand gehen wolle. "Das Konzept für diese Neustrukturierung liegt schon in der Schublade." Zudem kündigte er ab 2019 die Generalsanierung der Erbendorfer Geriatrie an.

Schritt in richtige Richtung

Die großen baulichen Investitionen in Tirschenreuth schnitt Götz nur am Rande an. Die Verzahnung von Klinik und Ärztehaus, das im März nächsten Jahres eröffnet werden soll, ist für ihn ein wichtiger Schritt, um dem Facharztmangel in der Region zu begegnen. Da pflichtete ihm Roland Grillmeier (CSU) bei. Ohne Kliniken könne man die medizinische Versorgung in vielen Orten nicht aufrecht erhalten. Der Mitterteicher bat zudem zu prüfen, ob das Modell Landarzt-Studienstellen nicht weiter ausgebaut werden kann.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.