13.04.2018 - 18:02 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Unterbringung der Flüchtlinge im Landkreis Tirschenreuth Nur noch ortsübliche Mieten

Die Unterbringung der Flüchtlinge hat den Landkreis in den vergangenen Jahren stark gefordert. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Trotzdem steht das Sozialamt vor großen Herausforderungen.

Seit Ende Dezember bietet der Landkreis eine Online-Wohnraumbörse für anerkannte Flüchtlinge an. Dort können potenzielle Vermieter ihre Angebote einstellen. Bild: tr
von Martin Maier Kontakt Profil

Im Landkreis leben derzeit 400 Flüchtlinge. Vor einem Jahr waren es noch 570 und im April 2016 sogar 770. Diese Zahlen stellte Karin Ast vom Sozialamt im Sozialausschuss vor. Unterkünfte für Asylbewerber seien weiterhin gefragt. Allerdings hätten sich "drastische Veränderungen" ergeben.

"Wir müssen momentan Mietverträge kündigen und neue abschließen, da wir nur noch die ortsübliche Miete zahlen dürfen", verwies sie auf neue Vorgaben. Die Miete pro Quadratmeter liege nun bei fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter plus Nebenkosten. Zudem gebe es keine Hausmeisterpauschale mehr. Mittlerweile habe das Sozialamt 16 neue Mietverträge mit "schlechteren Konditionen" abgeschlossen. Zudem würden Vermieter immer mehr Schadenersatzforderungen stellen. Der Grund sei beschädigtes Mobiliar.

"Letztendlich bleiben wir auf den Kosten sitzen", erklärte die Fachbereichsleiterin Asyl. In einem Fall liege die Forderung sogar im fünfstelligen Bereich. "Ich schätze, dies wird vor dem Gericht landen."

Eine weitere Schwierigkeit sei, dass die Nebenkostenvorauszahlung (fünf Euro pro Quadratmeter) fast nie reiche. "Oft haben die Leute nicht gelernt, mit Strom umzugehen", nannte Leonhard Merkl, Geschäftsführer des Jobcenters, einen Grund. Ast machte auch darauf aufmerksam, dass die Umverteilung wegen Streitigkeiten ein großes Problem sei.

Im Landkreis finden sich 3 Gemeinschaftsunterkünfte. Zudem gibt es 27 dezentrale Unterkünfte - vor zwei Jahren waren es 52 - mit 337 Plätzen für Asylbewerber. 190 sind belegt, fast die Hälfte mit Fehlbelegern. Diese müssten die Heime eigentlich verlassen, dürfen aber trotzdem bleiben, weil sie keine Wohnungen finden.

Der Leerstand liegt bei 44 Prozent. "Das ist relativ viel. Aber wir können nicht alle Wohnungen 1:1 besetzten", erklärte Ast. Unter anderem müsse sie auf Nationalitäten Rücksicht nehmen. Jedes Monat müsse sie zudem an die Regierung einen Bericht über leerstehende Wohnungen abgeben.

Ein großes Lob hatte Landrat Wolfgang Lippert für Ast parat. "Sie hat in der Hochphase der Flüchtlingswelle Unglaubliches geleistet." Die Fachbereichsleiterin zog trotz aller Probleme ein positives Fazit: "Es ist nicht einfach, aber der Job macht trotzdem Spaß. Es ist jeden Tag eine Herausforderung."

Online-Wohnraumbörse für anerkannte Flüchtlinge

Als Problem bezeichnete Karin Ast die Fehlbeleger. "Wir haben im Landkreis offenbar zu wenig Wohnraum für Einzelpersonen. Es tut sich in den letzten Wochen fast überhaupt nichts." Schon Ende Dezember hat das Sozialamt daher eine Online-Wohnraumbörse für anerkannte Flüchtlinge gestartet. Das Sozialministerium fördert dieses Projekt. "Das ist eine gute Sache, auch wenn die Reaktion bisher nicht so groß ist. Es sind 14 Angebote eingegangen", fasste Ast zusammen. (rti)

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Links zur Online-Wohnraumbörse:

www.kreis-tir.de

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