14.07.2017 - 19:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Zukunftswerkstatt für ganz Südbayern im Tirschenreuther Kettelerhaus Ehrenämter "sexy" machen

Eine Betriebs-Fahrzeugflotte für Mitarbeiter und zinslose Führerscheindarlehen für Azubis steht am Ende ebenso auf der Ideenliste wie die Beschäftigung von Dorf-Streetworkern. Doch es gibt auch Ideen, die gar nichts oder nicht viel kosten.

In den Workshops diskutierten die Teilnehmer über neue Ideen, mit denen der ländliche Raum die Herausforderungen der Zukunft meistern kann. Ein Ergebnis der Runde "Gemeinschaften und Zusammenleben" war die Erkenntnis, dass Ehrenämter wieder attraktiver werden müssten. Bilder: wb (3)
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Rund 100 Kommunalpolitiker, Wirtschaftsvertreter, Behördenchefs und andere "Macher" zerbrachen sich im Kettelerhaus am Freitagnachmittag bei der Zukunftwerkstätte des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft drei Stunden lang den Kopf, wie es der ländliche Raum schaffen könne, nicht abgehängt zu werden. Dies war eine von vier Zukunftswerkstätten des Ministeriums in Deutschland. Welchen Stellenwert Bundesagrarminister Christian Schmidt dieser Ideenbörse einräumte, zeigt die Tatsache, dass er selbst nach Tirschenreuth kam und sich viel Zeit für das Treffen nahm. Der ranghohe Politiker geht davon aus, dass die an diesem Tag gewonnenen Erkenntnisse und Ideen Kreise ziehen werden. Innovative Konzepte seien nötig, um im ländlichen Raum die Zukunft zu meistern. "Die kommen nicht von selbst. Wir brauche keine Kopie von etwas, das es schon gibt, sondern neue Originale."

Den Landkreis Tirschenreuth sah er als gutes Pflaster für ein "Querdenker-Treffen". Der Minister: "Hier wird nicht nur geklagt, sondern hier werden Dinge positiv gestaltet. So kommt man voran." Die ländlichen Räume seien so verschieden, dass auch unterschiedliche Lösungen her müssten. Ganz entscheidende Punkte sind für den ranghohen Politiker dabei eine flächendeckende gute Gesundheitsvorsorge, Chancengleichheit bei der Digitalisierung und die Zusammenarbeit verschiedener Ebenen und Ministerien.

Drei Workshops

"Bereits im Vorfeld der Tirschenreuther Veranstaltung hatte es auf einer digitalen Plattform eine Diskussion über die Inhalte der Zukunftswerkstatt in Tirschenreuth, die den gesamten südbayerischen Raum abdeckte, gegeben. Das Ergebnis waren drei Workshops, denen die Teilnehmer, die nicht nur aus Wirtschaft, Behörden und Politik, sondern auch aus vielen anderen Bereichen kamen, nach Interessenslage und beruflichem Background zugeordnet wurden. E

Eines der Ergebnisse war die überspitzt formulierte Forderung, dass "Ehrenämter sexy werden müssen". Auch betriebliches Car-Sharing und Stabsstellen für Dorf-Angelegenheiten schafften es auf die Liste. Einig waren sich die Teilnehmer auch, dass es oft auch den richtigen Begriff ankomme. Streetworker höre sich viel besser an als Kümmerer, so war zu hören. Die Ergebnisse sollen transparent im Netz veröffentlicht und im Ministerium vertieft werden, sie sollen in Förderprogramme einfließen und auch allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Der Minister möchte so über die Veranstaltung hinaus ein Netzwerk von Experten und Entscheidungsträgern aufbauen.

Landrat Wolfgang Lippert wünschte sich, dass die Ideen helfen, dass "aus der Landflucht immer mehr eine Landlust" wird. Die Vergangenheit zeige, dass man mit Entschlossenheit und Tatkraft viel bewegen könne. Der Landkreis habe den Verlust seiner klassischen Branchen Porzellan, Textilindustrie und Knopffabriken gut kompensiert. "Man kommt heute ohne unseren Landkreis Tirschenreuth fast gar nicht mehr aus", so der Landrat, der den Bogen vom Arztbesuch (Röntgengeräte von Siemens in Kemnath) über den Supermarkt-Einkauf (Wurst von Ponnath aus Kemnath) bis hin zur Freizeitgestaltung (Räder von Cube aus Waldershof und Ghost aus Waldsassen) spannte.

MdB Reiner Meier nahm die Stadt Tirschenreuth als Beispiel, was möglich ist. Die Gartenschau habe hier nachhaltig die Attraktivität erhöht. Mittlerweile sei die Stadt eine der am stärksten nachgefragten Wohnorte in Bayern, behauptete der Parlamentarier. "Wir haben den Strukturwandel angenommen." Meier sprach von einem Gleichgewicht aus unberührter Natur und wirtschaftlicher Stärke in der Region. "Sorgen wir dafür, dass sie noch attraktiver wird."

Die Chance nutzen

Thomas Zimmer, der Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, zeigte bei der von Barbara Becker moderierten Veranstaltung die Herausforderungen auf, vor denen gerade das Handwerk im ländlichen Raum stehe. Neben dem Fachkräftemangel sei auch die Digitalisierung zu meistern. "Schnelle Breitbandanschlüsse und auch gute Mobilfunknetze fehlen jedoch vielerorts."

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