22.01.2018 - 20:44 Uhr
TirschenreuthSport

Bezirksliga-Beben: Tabellenführer 1. FC Trogen mit 24 Punkten Abzug bestraft Abstiegsangst statt Aufstiegsträume

24 Punkte Abzug! Das oberfränkische Bezirkssportgericht hat jetzt die Urteile gesprochen. Für den FC Trogen und seinen Sportlichen Leiter Jens Degenkolb kommt es knüppeldick - der FC Tirschenreuth freut sich über drei unverhoffte Zähler in der Bezirksliga Oberfranken Ost.

von Externer BeitragProfil

Seit Monaten hält der Fall Micklisch/FC Trogen nicht nur die Sportgerichte, sondern auch die regionalen Fußballfans in Atem. Nun hat das Bezirkssportgericht mit seinem Urteil - zumindest vorerst - einen Schlussstrich unter diesen unrechtmäßigen Spielerwechsel vom Sommer 2017 gezogen. Der FC Trogen, der bis zur Winterpause mit 37 Zählern die Tabelle der Bezirksliga Oberfranken Ost angeführt hatte, verliert insgesamt 24 Punkte und steckt nun mit mickrigen 13 Zählern mitten im Abstiegskampf.

Der Sportliche Leiter des Vereins, Jens Degenkolb, der nach Ansicht des Bezirkssportgerichts den Schmu zu verantworten hat, erhielt eine Funktionssperre von einem Jahr und zudem eine Geldstrafe von 500 Euro. Daniel Micklisch muss - ebenso wie Degenkolb unter Vereinshaftung des FC Trogen - 200 Euro bezahlen und darf vier Monate keinen Fußball mehr spielen. Als Trainer darf er allerdings arbeiten. Nach der Winterpause übernimmt Micklisch den Nord-Kreisligisten BSC Tauperlitz.

Die ursprünglich gewonnenen Spiele des FC Trogen gegen den SSV Kasendorf, den FC Tirschenreuth und den TSV Thiersheim haben die Sportrichter nun jeweils mit 0:2 für Trogen als verloren gewertet. Damit sind die drei Gegner im Nachhinein in den Genuss von je drei Zählern gekommen. Bereits im November hatte das Verbandssportgericht die Trogener Partien gegen den TSV Mistelbach, der den ganzen Stein ins Rollen gebracht hat, und den TSV Neudrossenfeld II mit jeweils 0:2 als verloren gewertet und dem Team von Trainer Florian Narr-Drechsel sechs Zähler abgezogen. Nach dem aktuellen Urteil des Bezirkssportgerichts haben insgesamt fünf Vereine jeweils drei Punkte am grünen Tisch zugeschlagen bekommen und der FC Trogen 15 Zähler verloren. Doch damit nicht genug.

Anders als im November 2017 das Verbandssportgericht, kam nun das oberfränkische Bezirkssportgericht zu dem Schluss, dass der FC Trogen nicht fahrlässig, sondern "vorsätzlich" gehandelt hat. Deshalb belegte es den Verein noch zusätzlich mit einem Abzug von neun Strafpunkten und einer Geldbuße von 500 Euro. Alles in allem sind für die Hochfranken 24 Zähler futsch. Sechs weitere Vereine (SpVgg Oberkotzau, VfR Katschenreuth, BSC Saas Bayreuth, FC Eintracht Münchberg, TSV Kirchenlaibach-Speichersdorf und SpVgg Selb 13), die nach dem Stichtag 6. November Einspruch gegen die Wertung ihrer Spiele gegen den FCT eingelegt hatten, gingen leer aus.

Alle Beteiligten haben nun die Möglichkeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Doch die Chancen, dass diejenigen Vereine, deren Einsprüche jetzt abgewiesen wurden, noch zu Punkten am Grünen Tisch kommen könnten, sind eher gering.

Denn es ist fest davon auszugehen, dass sich die Sportrichter aus dem Bezirk, was die Berechnung der Einspruchsfrist 6. November angeht, eng mit den Juristen beim BFV und dem Verbandssportgericht abgesprochen haben. Eine Strafe hat sicher auch noch der FC Wüstenselbitz zu erwarten, der den Spielerpass von Daniel Micklisch unrechtmäßig zurückdatiert hat. Offen ist noch, welches Sportgericht hierfür zuständig ist.

Was war passiert?

Daniel Micklisch (43) hat am 1. und 8. Juli 2017noch in zwei Freundschaftsspielen für den FC Wüstenselbitz gespielt. Nach der Partie am 8. Juli ist es zum Zerwürfnis zwischen Micklisch, zu dieser Zeit noch Spielertrainer bei den Frankenwäldlern, und der Vereinsführung des FC Wüstenselbitz gekommen. Er bat daraufhin um seine Freigabe, damit er nach Trogen wechseln könne. Zu diesem Zeitpunkt wäre ein Wechsel aber nur noch als Vertragsamateur möglich gewesen, denn die Abmeldefrist 30. Juni war bereits verstrichen.

Der FC Trogen trat an den FC Wüstenselbitz heran, das Abmeldedatum zurückzudatieren. Dieser Bitte kam der FCW nach. Hätte Micklisch nach dem 30. Juni kein Spiel mehr für Wüstenselbitz bestritten, hätte diese Rückdatierung niemanden interessiert. Micklisch hat aber nach dem 30. Juni noch zwei Mal für Wüstenselbitz gespielt - und am 8. Juli ausgerechnet gegen den FC Trogen. Das störte zunächst niemanden. Mick- lisch erhielt vom Bayerischen Fußballverband - aufgrund des vom FC Wüstenselbitz bestätigten falschen Abmeldedatums 30. Juni - sofort Spielrecht für den FC Trogen.

Bis zum 15. Oktober bestritt der 43-Jährige nahezu alle Bezirksligaspiele für den FC Trogen. Am 24. September gewann Trogen beim TSV Mistelbach 3:1 und am 3. Oktober beim TSV Neudrossenfeld II mit 1:0. Nach dem Trogener Sieg am 24. September ging im Sportheim des TSV Mistelbach ein anonymer Anruf ein, der den Verein aus dem Landkreis Bayreuth auf die Unregelmäßigkeiten beim Micklisch-Wechsel von Wüstenselbitz nach Trogen aufmerksam machte.

Der TSV Mistelbach und wenig später auch der TSV Neudrossenfeld II legten nach genauen Recherchen beim Bezirkssportgericht Einspruch gegen die jeweilige Spielwertung ein. Beide Vereine blitzen vor dem Bezirkssportgericht am 9. Oktober ab. Begründung: Micklisch hatte einen vom Bayerischen Fußballverband ordnungsgemäß ausgestellten Spielerpass und damit Spielrecht für den FC Trogen. Das Bezirkssportgericht gab aber den Fall ans Kreissportgericht weiter,weil Micklisch trotz Abmeldedatums 30. Juni im Juli noch zwei Spiele für den FC Wüstenselbitz bestritten hat. Das Kreissportgericht tagte am 19. Oktober und sperrte Micklisch bis einschließlich 30. November wegen unzulässigen Einsatzes nach dem 30. Juni beim FC Wüs-tenselbitz. Der TSV Mistelbach und der TSV Neudrossenfeld II gaben sich mit dem Urteil des Bezirkssportgerichts nicht zufrieden, zogen vor das Verbandssportgericht, der höchsten sportrichterlichen Instanz. Auch der Verbandsanwalt legte vorsorglich Berufung gegen das vom Kreissportgericht ausgesprochene Micklisch-Urteil ein.

Das Verbandssportgericht in München rollte den Fall neu auf, beraumte auch eine mündliche Verhandlung an und hörte später auch noch den Trogener Vorsitzenden Michael Weiß. Inzwischen legten auch der FC Tirschenreuth, der SSV Kasendorf und der TSV Thiersheim Einspruch gegen die Wertung ihrer Trogen- Spiele ein. Auch diese drei Klubs hatten gegen den FCT, der mit Micklisch spielte, verloren. Später, nach dem 6. November, erstatten auch noch die SpVgg Oberkotzau, der VfR Katschenreuth, der BSC Saas Bayreuth, der FC Eintracht Münchberg, der TSV Kirchenlaibach und die SpVgg Selb Anzeige. Die Einspruchsfrist lief allerdings am 6. November ab, also genau vier Wochen nach dem zuletzt fristgerecht beanstandeten Spiel. Und das war die Partie Trogen gegen Thiersheim.

Das Verbandssportgericht gab in seiner Sitzung am 27. November den Einsprüchen des TSV Mistelbach und TSV Neudrossenfeld II statt und wertete beide Spiele jeweils mit 0:2 gegen den FC Trogen. Trogen verlor sechs Punkte, bekam aber keinen zusätzlichen Strafpunktabzug, weil die Münchener Sportrichter nicht von Vorsatz ausgegangen waren - ein Fehler, wie sich jetzt offenbar herausgestellt hat.

Über alle anderen Anzeigen der betroffenen Vereine aus der Bezirksliga Oberfranken Ost hat nun das Bezirkssportgericht nach einer weiteren mündlichen Verhandlung und eingehenden Recherchen entschieden.

Bezirksliga Oberfranken Ost

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