Alexander Horn soll es mit dem Otter richten
Wo Wasser ist, ist auch der Otter

Fischotter sind perfekt der Jagd im Wasser angepasst. Bild: Grüner
Vermischtes
Tirschenreuth
05.04.2018
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Die Wildkamera zeigt was nachts am Wasser los ist. Fischotter auf nächtlicher Pirsch, links im und rechts außerhalb des Wassers. Bilder : exb
 
Die Wildkamera zeigt was nachts am Wasser los ist. Fischotter auf nächtlicher Pirsch, links im und rechts außerhalb des Wassers. Bilder : exb

Das Revier eines Fischotter-Rüden ist riesig. Das Tier legt manchmal in einer Nacht bis zu zehn Kilometer zurück. Dementsprechend ist auch das Einsatzgebiet von Alexander Horn sehr groß. Der Otterberater ist für die nördliche Oberpfalz, Ober- und Unterfranken zuständig. Ein Halbtagsjob!

Der 46-jährige Helmbrechtser (Oberfranken) hat sein Büro seit 15. Februar 2017 im Gebäude des Gesundheits- und Veterinäramtes in der St.-Peter-Straße. Unterstellt ist er dem Landesamt für Landwirtschaft (LfL). "In Unterfranken ist es, was den Otter betrifft, eher ruhig, am schlimmsten ist es hier in der Oberpfalz und mittlerweile auch im nördlichen Oberfranken", zeigt dem Fachmann die Praxis.

Teichwirte unterstützen

Bevor Horn Otterberater geworden ist, war er verantwortlich für die Fischseuchenrichtlinien-Umsetzung bei der Regierung der Oberpfalz. Der Fischwirtschaftsmeister betrieb einst selbst eine Teichwirtschaft und war auch für das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel tätig. Seine Aufgabe ist es, die Teichwirte in ihrer Not zu unterstützen. Die sollen sich beim Verdacht auf Fischotter bei Alexander Horn melden. Der schaut sich die Sache vor Ort an und weiß: "Oft gibt es eindeutige Beweise, wie Fährten oder Losungen". Als technisches Hilfsmittel schätzt der Otterberater Wildkameras. "Die zeigen was wirklich los ist und liefern erstaunlich gute Bilder und Videos." Neben seiner Outdoortätigkeit unterstützt Horn geschädigte Teichwirte bei der Schadensantragstellung. "Eine komplizierte und umfangreiche Angelegenheit, bei der viele Formulare ausgefüllt werden müssen", wie er sagt.

Grundlage Teichbuch

Als Grundlage dafür dient das Teichbuch, das jeder Teichwirt führen muss und in dem Besatz und Abfischergebnisse eingetragen werden. Bei nachgewiesenen Verlusten werden pauschal Verluste durch andere Fischräuber abgezogen, etwa 20 bis 40 Prozent. Das sei völlig verschieden. "Es gibt auch Teiche, wo der Otter 80 bis 90 Prozent auf dem Gewissen hat, weil bei Angriffen viele Fisch durch Stress eingehen." Maximal werden 80 Prozent vom Otter zugesprochenen Schaden ersetzt. Derzeit stehen für Bayern 250 000 Euro zur Verfügung. Die Summe soll aber aufgestockt werden, weiß Horn.

Viel könne man derzeit nicht tun, um den Wassermarder vom Teich fernzuhalten. Horn empfiehlt grundsätzlich einen Elektrozaun, "das ist das Einzige was hilft, aber ist sehr kostspielig und pflegeintensiv". In der Karpfenteichwirtschaft sei dies kaum machbar, weil die Flächen einfach zu groß seien. Ein laufender Meter koste 80 bis 120 Euro. "Das kann man vergessen, weil es viel zu teuer ist. Da kommen ganz schnell Investitionen zwischen 100 000 und 200 000 Euro zustande. Allenfalls eine Möglichkeit, kleinere Winterungen oder kleine Forellenanlagen zu schützen." Normale Einzäunungen funktionierten nicht. "Die untergräbt der Otter oder überklettert sie, egal wie hoch sie sind." Die Tiere seien sehr erfindungsreich. Alle Versuche, sie zu vergrämen, scheiterten bisher. "Momentan breiten sich die Otter in unserem Gebiet in jede Richtung aus." Das läge auch daran, dass sie in der Kulturlandschaft paradiesische Bedingungen vorfänden." Der Otter fresse alles, was er bewältigen könne, auch Wassergeflügel und Amphibien.

Einmal pro Jahr Nachwuchs

Gerüchten zum Trotz bekämen Fischotter nur einmal im Jahr Nachwuchs. Ein bis vier Junge wären der Normalfall. Das größte Problem das die Wassermarder darstellten, sei, dass sie alle Fischgrößen erbeuteten. Der größte Flossenträger, der auf das Konto des ungeliebten Jägers geht und den Alexander Horn selbst gesehen hat, war ein Karpfen von sage und schreibe 15,5 Kilogramm. Mit noch einem Gerücht räumt Horn auf: "Der Otter spielt nicht mit Fischen und lässt sie grundlos tot am Ufer liegen." Dieses Phänomen schreibt Horn der Tatsache zu, dass Jungtiere lernen müssten zu überleben. Sie übten schlichtweg das Fangen. Das sei kein Blutrausch in dem Sinn und käme auch eher selten vor. Fischotter würden in freier Wildbahn etwa zehn Jahre alt. Laut Naturschutz sollen sie bereits seit 30 Jahren wieder hier sein." Die Daten des Otterberaters belegen, "eher ein gutes Jahrzehnt". 2008 wurde der Erste im Landkreis überfahren. Horn ist überzeugt, dass die Bestände nie komplett erloschen waren. Aktuell nutzten die Tiere zwei Hauptlinien zur Einwanderung, Tschechien und Österreich.

Lizenzen zurückgegeben

Dort gäbe es riesige Populationsdichten, seien alle Habitate besetzt, genauso wie in Niederbayern. Das sei auch der Grund, dass sie massiv nach außen drängten. In Niederösterreich dürfe er teilweise entnommen werden. Ganz neu gelte eine Regelung für Oberösterreich. Dort sei die Entnahme für den Zeitraum November bis Februar an vier Flüssen ohne Begrenzung erlaubt.

Im Landkreis Tirschenreuth hätten bereits 55 Nebenerwerbszüchter ihre Lizenzen zurückgegeben, nach denen sie Fische verkaufen dürfen. Jetzt gibt es noch 180. Wer Probleme mit dem Otter hat kann sich jederzeit bei Alexander Horn melden, egal ob Privatmann oder Züchter. Auch tote Otter sollten bei ihm gemeldet werden. Diensthandy: 0162/1 37 97 64.

Monitoring soll Aufschluss geben"Bis ein Teichwirt überhaupt merkt, dass der Otter da ist, vergehen oft drei bis vier Jahre", erklärt Alexander Horn. Anfangs tauche das Tier nur sporadisch auf, weshalb sich da auch die Fischverluste in Grenzen hielten. Ein Rüde teile sich ein Revier mit mehreren Weibchen. "Er durchstreift riesige Gebiete und geht nicht selten bis zu zehn Kilometern in einer Nacht. Dort, wo es ihm passt, da bleibt er." Es gäbe aber auch Teiche, die bis obenhin voll mit Fischen wären an denen der Otter nur alle drei bis vier Wochen auftauche, ein paar Tage bliebe und wieder verschwinde. Weil Fischotter so emsige Wanderer seien, wäre eine Bestandsabschätzung äußerst schwierig. In der Oberpfalz gäbe es aber kaum die Situation, dass es dort, wo Teiche sind, keine Otter vorkommen."

Ein Monitoring solle Licht ins Dunkel bringen. Dabei werden Losungen eingesammelt und genetische Fingerabdrücke der einzelnen Individuen erstellt. Damit ließen sich Einzeltiere zweifelsfrei nachweisen. "Wenn die Maßnahme abgeschlossen ist, lässt sich eine erste Bestandsaufnahme für die Oberpfalz machen." Das Monitoring wird in vier verschiedenen Gebieten durchgeführt: In der Wiesauer Gegend im Teichgebiet von Oberteich bis Muckenthal inklusive Kornthan und der Waldnaabaue, von Freudenberg bis Schwandorf entlang des Fensterbachs sowie in Oberviechtach an der Murach, im Landkreis Cham bei Pemfling und im großen Teichgebiet mit kleinen Bächen um Pitzling. Damit soll die Individuenzahl annähernd bestimmt werden. Gleichzeitig macht der Landesfischereiverband ein zusätzliches Monitoring an größeren Flüssen. Der nächste in unserer Region ist die Schwarzach. Alle Proben, die gesammelt werden, wertet ein Labor aus. Die Daten gehen dann an das LfL. (tr)
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